Post 6: Schreiben

Post 6:  Geschriebene Sprache  

Der wichtigste Beweis für die Theorie einer (einzelnen) Sprache und für die Herkunft der vielen Sprachen unserer indoeuropäischen Völker ist die Sichtbarmachung der Sprachen durch ihre Schrift. Das indische Sanskrit ist neben dem Griechischen eine der ältesten schriftlich belegten Sprachen, die zum Vergleich herangezogen werden konnten und durch die Franz Bopps‘ Verwandtschaftstheorie letztlich belegt wurde (s. vorne!)[1] [1]Sanskrit entstand um 1200 v.Chr., die Griechische Schrift um 800  und die Lateinische Schrift um 700 v.Chr..

Wenn so unterschiedliche Sprachen wie Portugiesisch, Albanisch, Isländisch und Kurdisch eine gemeinsame indoeuropäische Wurzel haben, weil sie auffallend häufig übereinstimmen, sagt die Sprachforschung, kann das kein Zufall sein. Zumal, wenn diese Übereinstimmungen schon beim Altgriechischen und beim Hethitischen, das bereits um 1200 v.Chr. untergegangen war, sogar beim Sanskrit, das – als gesprochene Sprache – vor immerhin 2.300 Jahren ausgestorben war, nachzulesen sind.

Die Geschichte unserer Sprache ist immer auch die Geschichte der Menschheit, die Geschichte unserer Kultur. Und noch einmal verfalle ich ins Erzählen und wähle bewusst schlichte Sätze aus:

Lange bevor die Menschen sesshaft wurden, Ackerbau und Viehzucht betrieben und Waren von A nach B brachten, haben sie sich unterhalten, haben etwas gesagt oder gerufen oder geflüstert, damit andere hören und verstehen konnten, was zu tun oder was gemeint war oder worauf zu achten war in fremder Umgebung, zum Beispiel als Jäger und Sammler: „Hinten im Wald gibt es Pilze.“ – „Auf der anderen Seite stehen Bäume mit Äpfeln.“ – „Bald wird es kalt.“ – „Ich habe einen großen Hirsch gesehen.“ Einige solcher Mitteilungen sind uns als Höhlen-Zeichnungen bekannt: frühe, zigtausend Jahre alte, grafisch dargestellte Sprache. Einfach erfundene, „verabredete“ Zeichen dienten über Jahrtausende der „nonverbalen Kommunikation“[2] [2]Nonverbale Kommunikation: Kommunikation „ohne Worte“,  Zeichensprache.

Bis etwa 1.100 Jahre v.Chr. ein Volk  im östlichen Mittelmeerraum ein geniales Zeichensystem für die Sprache entwickelten: Es waren die Phönizier, –  und die lebten wiederum in der Levante: Ein Volk an der Ostküste des Mittelmeeres (Post 1, Abb. 3!). Die „gelehrten“, weisen Männer dieses Volkes hatten sich beim Sprechen genau beobachtet und dabei festgestellt, dass immer wieder die gleichen oder doch sehr ähnliche ‚Klang-Einheiten‘ auftauchten: schließlich unterschieden sie 22 Laute und erfanden für jeden Laut ein eigenes kleines Zeichen („Buchstaben“) , – ob für einen Ton [durch die Stimmbänder und in der Mundhöhle erzeugt] oder für ein Geräusch, hervorgebracht mit Zunge, Lippen oder dem Gaumen. – So entstand das erste Alphabet [3] [3]Der Name Alphabet kommt aus dem Griechischen, wo die Buchstaben (natürlich griech.) Alpha, Beta, Gamma  usw. genannt wurden; Sie kennen diese Namen u. a. aus den griechischen Bezeichnungen von Winkeln, von dem fast alle späteren Alphabet-Schriften abstammen, auch die modernen europäischen Alphabete einschließlich des Griechischen, des Lateinischen und des Kyrillischen, der Schrift der slawischen Sprachen. – In meinem Sachbuch Mit Bildern umgehen[4] [4]www. Klaus D. Fuhrmann: Mit Bildern umgehen.de – eine Enzyklopädie der Bilder habe ich in der Geschichte unserer Welt neun Hochkulturen genannt. Und: Alle Hochkulturen der Weltgeschichte besaßen auch Schriftkulturen.

 

Abb. 15: Das phönizische Alphabet
– nach Wikipedia. Links stehen die lateinischen Buchstaben, wie wir sie kennen,
rechts stehen die 22 phönizischen Buchstaben

[Für die Jahreszahlen gilt hier immer: v.Chr.] Mesopotamien, 3.100  – Ägypten, 3.000  – Indien, 2.500  – Griechenland und Kreta, 1.800  – China, 1.300  – Mittelitalien/die Etrusker, 1.000  – danach Rom und auch Mexiko, 700  –  Südamerika, 650  –  Korea, 600 und Japan, 500. –

Die meisten Schriften wurden als Bilderschriften (Hieroglyphen), als Knotenschriften oder Rebus-Schriften entwickelt, nur in Korea und in Japan gab (gibt) es andere Zeichen, die nicht für Buchstaben oder kleine Lauteinheiten standen. Das Alphabet der Phönizier war die erste systematische Darstellung einer Sprache, die ihrem Klang nach in verschiedene Buchstaben zerlegt und in entsprechenden, kleinen Zeichen dargestellt wurde. Ursprünglich galten die Zeichen nur für die Konsonanten[5] in der phönizischen Sprache, später  entstanden  auch Zeichen für die Vokale[6] [5]Konsonanten werden die Buchstaben genannt, die nur mit einem Hilfsbuchstaben deutlich hörbar (ausgesprochen – und:) bezeichnet werden können: b klingt nur mit dem e, das wir dazugeben: be, sonst –  klingt der Konsonant „b“ höchstens wie ein tonlos gehauchter „Knall“ beim Öffnen der Lippen; man braucht also das „e“ als Mitlaut (das ist auch die deutsche Bezeichnung für Konsonant); und ein Vokal wird Selbstlaut genannt; Vokale sind jene Buchstaben, die von selbst klingen: a, e, i, o, u und andere; mehr dazu im Post 22 Deutsch sprechen und schreiben.

Um 800 v.Chr. wurde das griechische Alphabet entwickelt. Später wurde es auch in die lateinische, die kyrillische und in die armenische Schriftsprache übertragen (vgl. Post 7!). Alle europäischen Völker hatten erkannt: Diese Methode, ihre Sprache zu schreiben, war optimal! Und: bis auf einige ost- und südosteuropäische Staaten „schreibt man – inzwischen – lateinisch“.

Abb. 16: Griechisches Alphabet

Griechisches Alphabet

Denn:

Buchstaben sind die kleinsten Bau-Elemente unserer Sprache

Straßenschild auf der Insel Ikaria / GriechenlandAbb. 17: Griechisches Straßenschild https://de.wikipedia.org/wiki/ Datei: Griechisches_Straßenschild.JPG#file

 

Als karolingische Minuskel bezeichnet man die Stilisierung alltäglichen Schreibens. Bisher wurde angenommen, diese sei in der Hofschule Karls des Großen kreiert worden. Von dort breitete sich diese neue Schrift dann aus, wurde zur Hauptarbeit vieler Mönche, dann auch aller Gelehrten und Lehrer. Sie ersetzt die bis dahin gebräuchliche lateinische Schrift in groß und klein geschriebene Buchstaben (Majuskeln sind die Groß– und Minuskeln sind die Kleinbuchstaben).

Alternativtext
Abb. 18: Beschriftung Handschrift vom Kaiserhof Karls d. Gr.

 

Früher, als Schriftstücke, Urkunden, Verträge, Texte u. a. mit der Hand abgefasst wurden, waren die Schriften so einheitlich, wie die Schreiber –  in ganz Europa: oft waren es nur die Mönche, denn die hatten es lernen müssen, sie brachten alles „zu Papier“, was weitergegeben oder aufbewahrt werden sollte. Die Kaligrafie (Schönschrift) war eine hochangesehene Kunst,  auch, wenn unsere Schriften heute fast nur noch gedruckt erscheinen (im Screen oder auf dem Papier).[7] [6]Screen: engl.: Bildschirm. Heute gibt es ungezählte Schrifttypen (Stil- oder Schriftarten) zur Auswahl, auch in jedem Computer. Das ist die künstlerische Arbeit von Schrift-Designern [Design: zeichnerischer Entwurf] Immer seltener schreibt man „mit der Hand“, lautet der besorgte Kommentar eines Deutschlehrers: Die Handschrift als ein beachtetes und individuelles Merkmal der Persönlichkeit der Schreiberin/des Schreibers verliert an Wert (und Beachtung), unter Umständen zugunsten äußerer Erscheinungsmerkmale, die ihrerseits oft modischen Trends folgen – sowohl auf die schreibende als auch auf die lesende Person bezogen. –

In einem Alphabet-System geschriebene Schriften entwickelten mit der Zeit ähnliche Zeichen, setzten auch kleine Zusatz-Zeichen auf oder unter den Buchstaben ein – für deren spezielle Lautung.

Erst in der Schriftsprache kommt eine Muttersprache zur vollen Geltung, kann eine Sprache ihre ganze Qualität entfalten.

Die Römer übertrugen das phönizische Alphabet auf die lateinischen Buchstaben, und Kaiser Karl d. Gr. führte die lateinische Schreibweise um 800 in Mitteleuropa ein. Seit etwa 1500[8] ist diese Schreibweise bei uns vorgegeben [7]Wenn bei Jahreszahlen keine Zusatzbemerkung steht, gilt immer: n.Chr. Buchdruck: vgl. Post 15

Abb. 19: Lateinisches Alphabet © Fuhrmann

 

 

Abb. 20: Kyrillisches Alphabet. Fuhrmann©

Im nächsten KAPITEL III (Post 7) wenden wir uns dann den einzelnen europäischen Muttersprachen zu.

 

 

 Anmerkungen:

[1] Sanskrit entstand um 1200 v.Chr., die Griechische Schrift um 800  und die Lateinische um 700 v.Chr.

[2]  Nonverbale Kommunikation: Kommunikation „ohne Worte“,  Zeichensprache

[3]  Der Name Alphabet kommt aus dem Griechischen, wo die Buchstaben (natürlich griech.) Alpha, Beta, Gamma  usw. genannt wurden; Sie kennen diese Namen u. a. aus den griechischen Bezeichnungen von Winkeln

[4] www. Klaus D. Fuhrmann: Mit Bildern umgehen.de – eine Enzyklopädie der Bilder

[5] Konsonanten werden die Buchstaben genannt, die nur mit einem Hilfsbuchstaben b klingt nur mit dem e, das wir dazu-geben: be, sonst – „b“ klingt dieser Konsonant höchstens wie ein Hauch nachdem Öffnen unserer Lippen; daher die deutsche Bezeichnung Mitlaut – mehr dazu im Post 22 (Deutsch sprechen und schreiben) 

[6] ein Vokal wird auch Selbstlaut genannt; Vokale sind jene Buchstaben, die von selbst klingen, mehr dazu im Post 22 (Deutsch sprechen und schreiben) 

[7] (Screen: engl.: Bildschirm) Heute gibt es ungezählte Schrifttypen zur Auswahl, auch in jedem Computer. Das ist eine künstlerische Arbeit von Schrift-Designern (Design heißt:: zeichnerischer Entwurf)

[8] Wenn bei Jahreszahlen keine Zusatzbemerkung steht, gilt immer: n.Chr. Buchdruck: vgl. Post 15

Anmerkungen   [ + ]

1. Sanskrit entstand um 1200 v.Chr., die Griechische Schrift um 800  und die Lateinische Schrift um 700 v.Chr.
2. Nonverbale Kommunikation: Kommunikation „ohne Worte“,  Zeichensprache
3. Der Name Alphabet kommt aus dem Griechischen, wo die Buchstaben (natürlich griech.) Alpha, Beta, Gamma  usw. genannt wurden; Sie kennen diese Namen u. a. aus den griechischen Bezeichnungen von Winkeln
4. www. Klaus D. Fuhrmann: Mit Bildern umgehen.de – eine Enzyklopädie der Bilder
5. Konsonanten werden die Buchstaben genannt, die nur mit einem Hilfsbuchstaben deutlich hörbar (ausgesprochen – und:) bezeichnet werden können: b klingt nur mit dem e, das wir dazugeben: be, sonst –  klingt der Konsonant „b“ höchstens wie ein tonlos gehauchter „Knall“ beim Öffnen der Lippen; man braucht also das „e“ als Mitlaut (das ist auch die deutsche Bezeichnung für Konsonant); und ein Vokal wird Selbstlaut genannt; Vokale sind jene Buchstaben, die von selbst klingen: a, e, i, o, u und andere; mehr dazu im Post 22 Deutsch sprechen und schreiben
6. Screen: engl.: Bildschirm. Heute gibt es ungezählte Schrifttypen (Stil- oder Schriftarten) zur Auswahl, auch in jedem Computer. Das ist die künstlerische Arbeit von Schrift-Designern [Design: zeichnerischer Entwurf]
7. Wenn bei Jahreszahlen keine Zusatzbemerkung steht, gilt immer: n.Chr. Buchdruck: vgl. Post 15