Post 6: Schreiben

Post 6:  Geschriebene Sprache  

Der wichtigste Beweis für die Theorie einer (einzelnen) Sprache und für die Herkunft der vielen Sprachen unserer indoeuropäischen Völker ist die Sichtbarmachung der Sprachen durch ihre Schrift. Das indische Sanskrit ist neben dem Griechischen eine der ältesten schriftlich belegten Sprachen, die zum Vergleich herangezogen werden konnten und durch die Franz Bopps‘ Verwandtschaftstheorie letztlich belegt wurde (s. vorne!)[1] [1]Sanskrit entstand um 1200 v.Chr., die Griechische Schrift um 800  und die Lateinische Schrift um 700 v.Chr..

Wenn so unterschiedliche Sprachen wie Portugiesisch, Albanisch, Isländisch und Kurdisch eine gemeinsame indoeuropäische Wurzel haben, weil sie auffallend häufig übereinstimmen, sagt die Sprachforschung, kann das kein Zufall sein. Zumal, wenn diese Übereinstimmungen schon beim Altgriechischen und beim Hethitischen, das bereits um 1200 v.Chr. untergegangen war, sogar beim Sanskrit, das – als gesprochene Sprache – vor immerhin 2.300 Jahren ausgestorben war, nachzulesen sind.

Die Geschichte unserer Sprache ist immer auch die Geschichte der Menschheit, die Geschichte unserer Kultur. Und noch einmal verfalle ich ins Erzählen und wähle bewusst schlichte Sätze aus:

Lange bevor die Menschen sesshaft wurden, Ackerbau und Viehzucht betrieben und Waren von A nach B brachten, haben sie sich unterhalten, haben etwas gesagt oder gerufen oder geflüstert, damit andere hören und verstehen konnten, was zu tun oder was gemeint war oder worauf zu achten war in fremder Umgebung, zum Beispiel als Jäger und Sammler: „Hinten im Wald gibt es Pilze.“ – „Auf der anderen Seite stehen Bäume mit Äpfeln.“ – „Bald wird es kalt.“ – „Ich habe einen großen Hirsch gesehen.“ Einige solcher Mitteilungen sind uns als Höhlen-Zeichnungen bekannt: frühe, zigtausend Jahre alte, grafisch dargestellte Sprache. Einfach erfundene, „verabredete“ Zeichen dienten über Jahrtausende der „nonverbalen Kommunikation“[2] [2]Nonverbale Kommunikation: Kommunikation „ohne Worte“,  Zeichensprache.

Bis etwa 1.100 Jahre v.Chr. ein Volk  im östlichen Mittelmeerraum ein geniales Zeichensystem für die Sprache entwickelten: Es waren die Phönizier, –  und die lebten wiederum in der Levante: Ein Volk an der Ostküste des Mittelmeeres (Post 1, Abb. 3!). Die „gelehrten“, weisen Männer dieses Volkes hatten sich beim Sprechen genau beobachtet und dabei festgestellt, dass immer wieder die gleichen oder doch sehr ähnliche ‚Klang-Einheiten‘ auftauchten: schließlich unterschieden sie 22 Laute und erfanden für jeden Laut ein eigenes kleines Zeichen („Buchstaben“) , – ob für einen Ton [durch die Stimmbänder und in der Mundhöhle erzeugt] oder für ein Geräusch, hervorgebracht mit Zunge, Lippen oder dem Gaumen. – So entstand das erste Alphabet [3] [3]Der Name Alphabet kommt aus dem Griechischen, wo die Buchstaben (natürlich griech.) Alpha, Beta, Gamma  usw. genannt wurden; Sie kennen diese Namen u. a. aus den griechischen Bezeichnungen von Winkeln, von dem fast alle späteren Alphabet-Schriften abstammen, auch die modernen europäischen Alphabete einschließlich des Griechischen, des Lateinischen und des Kyrillischen, der Schrift der slawischen Sprachen. – In meinem Sachbuch Mit Bildern umgehen[4] [4]www. Klaus D. Fuhrmann: Mit Bildern umgehen.de – eine Enzyklopädie der Bilder habe ich in der Geschichte unserer Welt neun Hochkulturen genannt. Und: Alle Hochkulturen der Weltgeschichte besaßen auch Schriftkulturen.

 

Abb. 15: Das phönizische Alphabet
– nach Wikipedia. Links stehen die lateinischen Buchstaben, wie wir sie kennen,
rechts stehen die 22 phönizischen Buchstaben

[Für die Jahreszahlen gilt hier immer: v.Chr.] Mesopotamien, 3.100  – Ägypten, 3.000  – Indien, 2.500  – Griechenland und Kreta, 1.800  – China, 1.300  – Mittelitalien/die Etrusker, 1.000  – danach Rom und auch Mexiko, 700  –  Südamerika, 650  –  Korea, 600 und Japan, 500. –

Die meisten Schriften wurden als Bilderschriften (Hieroglyphen), als Knotenschriften oder Rebus-Schriften entwickelt, nur in Korea und in Japan gab (gibt) es andere Zeichen, die nicht für Buchstaben oder kleine Lauteinheiten standen. Das Alphabet der Phönizier war die erste systematische Darstellung einer Sprache, die ihrem Klang nach in verschiedene Buchstaben zerlegt und in entsprechenden, kleinen Zeichen dargestellt wurde. Ursprünglich galten die Zeichen nur für die Konsonanten[5] in der phönizischen Sprache, später  entstanden  auch Zeichen für die Vokale[6] [5]Konsonanten werden die Buchstaben genannt, die nur mit einem Hilfsbuchstaben deutlich hörbar (ausgesprochen – und:) bezeichnet werden können: b klingt nur mit dem e, das wir dazugeben: be, sonst –  klingt der Konsonant „b“ höchstens wie ein tonlos gehauchter „Knall“ beim Öffnen der Lippen; man braucht also das „e“ als Mitlaut (das ist auch die deutsche Bezeichnung für Konsonant); und ein Vokal wird Selbstlaut genannt; Vokale sind jene Buchstaben, die von selbst klingen: a, e, i, o, u und andere; mehr dazu im Post 22 Deutsch sprechen und schreiben.

Um 800 v.Chr. wurde das griechische Alphabet entwickelt. Später wurde es auch in die lateinische, die kyrillische und in die armenische Schriftsprache übertragen (vgl. Post 7!). Alle europäischen Völker hatten erkannt: Diese Methode, ihre Sprache zu schreiben, war optimal! Und: bis auf einige ost- und südosteuropäische Staaten „schreibt man – inzwischen – lateinisch“.

Abb. 16: Griechisches Alphabet

Griechisches Alphabet

Denn:

Buchstaben sind die kleinsten Bau-Elemente unserer Sprache

Straßenschild auf der Insel Ikaria / GriechenlandAbb. 17: Griechisches Straßenschild https://de.wikipedia.org/wiki/ Datei: Griechisches_Straßenschild.JPG#file

 

Als karolingische Minuskel bezeichnet man die Stilisierung alltäglichen Schreibens. Bisher wurde angenommen, diese sei in der Hofschule Karls des Großen kreiert worden. Von dort breitete sich diese neue Schrift dann aus, wurde zur Hauptarbeit vieler Mönche, dann auch aller Gelehrten und Lehrer. Sie ersetzt die bis dahin gebräuchliche lateinische Schrift in groß und klein geschriebene Buchstaben (Majuskeln sind die Groß– und Minuskeln sind die Kleinbuchstaben).

Alternativtext
Abb. 18: Beschriftung Handschrift vom Kaiserhof Karls d. Gr.

 

Früher, als Schriftstücke, Urkunden, Verträge, Texte u. a. mit der Hand abgefasst wurden, waren die Schriften so einheitlich, wie die Schreiber –  in ganz Europa: oft waren es nur die Mönche, denn die hatten es lernen müssen, sie brachten alles „zu Papier“, was weitergegeben oder aufbewahrt werden sollte. Die Kaligrafie (Schönschrift) war eine hochangesehene Kunst,  auch, wenn unsere Schriften heute fast nur noch gedruckt erscheinen (im Screen oder auf dem Papier).[7] [6]Screen: engl.: Bildschirm. Heute gibt es ungezählte Schrifttypen (Stil- oder Schriftarten) zur Auswahl, auch in jedem Computer. Das ist die künstlerische Arbeit von Schrift-Designern [Design: zeichnerischer Entwurf] Immer seltener schreibt man „mit der Hand“, lautet der besorgte Kommentar eines Deutschlehrers: Die Handschrift als ein beachtetes und individuelles Merkmal der Persönlichkeit der Schreiberin/des Schreibers verliert an Wert (und Beachtung), unter Umständen zugunsten äußerer Erscheinungsmerkmale, die ihrerseits oft modischen Trends folgen – sowohl auf die schreibende als auch auf die lesende Person bezogen. –

In einem Alphabet-System geschriebene Schriften entwickelten mit der Zeit ähnliche Zeichen, setzten auch kleine Zusatz-Zeichen auf oder unter den Buchstaben ein – für deren spezielle Lautung.

Erst in der Schriftsprache kommt eine Muttersprache zur vollen Geltung, kann eine Sprache ihre ganze Qualität entfalten.

Die Römer übertrugen das phönizische Alphabet auf die lateinischen Buchstaben, und Kaiser Karl d. Gr. führte die lateinische Schreibweise um 800 in Mitteleuropa ein. Seit etwa 1500[8] ist diese Schreibweise bei uns vorgegeben [7]Wenn bei Jahreszahlen keine Zusatzbemerkung steht, gilt immer: n.Chr. Buchdruck: vgl. Post 15

Abb. 19: Lateinisches Alphabet © Fuhrmann

 

 

Abb. 20: Kyrillisches Alphabet. Fuhrmann©

Im nächsten KAPITEL III (Post 7) wenden wir uns dann den einzelnen europäischen Muttersprachen zu.

 

 

 Anmerkungen:

[1] Sanskrit entstand um 1200 v.Chr., die Griechische Schrift um 800  und die Lateinische um 700 v.Chr.

[2]  Nonverbale Kommunikation: Kommunikation „ohne Worte“,  Zeichensprache

[3]  Der Name Alphabet kommt aus dem Griechischen, wo die Buchstaben (natürlich griech.) Alpha, Beta, Gamma  usw. genannt wurden; Sie kennen diese Namen u. a. aus den griechischen Bezeichnungen von Winkeln

[4] www. Klaus D. Fuhrmann: Mit Bildern umgehen.de – eine Enzyklopädie der Bilder

[5] Konsonanten werden die Buchstaben genannt, die nur mit einem Hilfsbuchstaben b klingt nur mit dem e, das wir dazu-geben: be, sonst – „b“ klingt dieser Konsonant höchstens wie ein Hauch nachdem Öffnen unserer Lippen; daher die deutsche Bezeichnung Mitlaut – mehr dazu im Post 22 (Deutsch sprechen und schreiben) 

[6] ein Vokal wird auch Selbstlaut genannt; Vokale sind jene Buchstaben, die von selbst klingen, mehr dazu im Post 22 (Deutsch sprechen und schreiben) 

[7] (Screen: engl.: Bildschirm) Heute gibt es ungezählte Schrifttypen zur Auswahl, auch in jedem Computer. Das ist eine künstlerische Arbeit von Schrift-Designern (Design heißt:: zeichnerischer Entwurf)

[8] Wenn bei Jahreszahlen keine Zusatzbemerkung steht, gilt immer: n.Chr. Buchdruck: vgl. Post 15

Anmerkungen   [ + ]

1. Sanskrit entstand um 1200 v.Chr., die Griechische Schrift um 800  und die Lateinische Schrift um 700 v.Chr.
2. Nonverbale Kommunikation: Kommunikation „ohne Worte“,  Zeichensprache
3. Der Name Alphabet kommt aus dem Griechischen, wo die Buchstaben (natürlich griech.) Alpha, Beta, Gamma  usw. genannt wurden; Sie kennen diese Namen u. a. aus den griechischen Bezeichnungen von Winkeln
4. www. Klaus D. Fuhrmann: Mit Bildern umgehen.de – eine Enzyklopädie der Bilder
5. Konsonanten werden die Buchstaben genannt, die nur mit einem Hilfsbuchstaben deutlich hörbar (ausgesprochen – und:) bezeichnet werden können: b klingt nur mit dem e, das wir dazugeben: be, sonst –  klingt der Konsonant „b“ höchstens wie ein tonlos gehauchter „Knall“ beim Öffnen der Lippen; man braucht also das „e“ als Mitlaut (das ist auch die deutsche Bezeichnung für Konsonant); und ein Vokal wird Selbstlaut genannt; Vokale sind jene Buchstaben, die von selbst klingen: a, e, i, o, u und andere; mehr dazu im Post 22 Deutsch sprechen und schreiben
6. Screen: engl.: Bildschirm. Heute gibt es ungezählte Schrifttypen (Stil- oder Schriftarten) zur Auswahl, auch in jedem Computer. Das ist die künstlerische Arbeit von Schrift-Designern [Design: zeichnerischer Entwurf]
7. Wenn bei Jahreszahlen keine Zusatzbemerkung steht, gilt immer: n.Chr. Buchdruck: vgl. Post 15

Post 7: Der Sprachen-Stammbaum

Die Entstehung der Muttersprachen in Europa

 Diesen Sprachen-Stammbaum fand ich bei Wikipedia. Ich habe ihn zu einer Tabelle umgeformt und um einige Anmerkungen ergänzt („Sonderfälle“ o. ä.). Alle mir bekannten „Muttersprachen“ sind in die entsprechenden Spalten eingefügt.

Für die weitere Betrachtung können wir schon drei Merkmale der Sprachbildung und -entwicklung festhalten:

1) Ich habe die Entwicklung der Sprachen in 3 Generationen unterteilt;

2) die „frühen“ Sprachen der 2. Generation sind hier alle fett gedruckt. Und drei dieser zwölf Sprachen sind uns als autarke Sprachen[1] [1]Als autarke Sprachen bezeichne ich Sprachen, die ganz auf sich allein gestellt eine eigene Entwicklung genommen haben – siehe Post 8! überliefert. Mit der Zeit  haben auch die sich  weiter entwickelt, Sie hatten ja auch anderssprachige Nachbarn, und schließlich wurden sie mit neuen Dingen und mit neuen Wörtern bekannt. Aber diese drei älteren Volksstämme (und ein weiterer) blieben „einzig“.

3) In den Spalten unter diesen Sprachen stehen dann – als 3. Generation – alle bis heute entstandenen Muttersprachen, die sich aus dieser fett gedruckten Sprache entwickelt haben. 

Beschränken wir also auf die verbliebenen fünf europäischen Sprachgruppen, die Sie aus dem Post 3 schon kennen. Daraus entstanden bis heute im europäischen Völker- und Kulturen-Gemisch  mehr als 60 Muttersprachen – in der 3. Generation[2] [2]Als Muttersprache bezeichnet man die erste Sprache, die ein Kleinkind (in aller Regel) von seiner Mutter oder einer anderen Bezugsperson lernt. Kulturwissenschaftler gehen davon aus, dass jeder Mensch schon pränatal, also vor seiner Geburt, durch seine (familiäre) Umwelt erheblich beeinflusst wird und auf diese Weise in die heimisch-kulturelle Sprachumgebung „hineinwächst“, mit all ihren Klängen, Redewendungen und Melodien; und darüber hinaus lernt das ungeborene Kind schon viel über typische Verhaltensweisen seiner Familie und der nachbarschaftlichen Umgebung. Sprachwissenschaftler bezeichnen Menschen, die in ihrer Muttersprache kommunizieren, als Muttersprachler.

4) Dabei dürfen die verbliebenen „Sprachinseln“ ohne indoeuropäische Wurzeln und das in den Wissenschaften noch „sehr lebendige“ Latein auch nicht vergessen werden.

Post 7:  Der Sprachen-Stammbaum

1. Generation:
Indoeuropäisch
2. Generation:
Griechisch Albanisch Armenisch † Tocharisch

Keltisch

Italisch / Romanisch Germanisch Baltisch Slawisch Indisch Iranisch /Kurdisch † Anatolisch
3. Generation:
Bretonisch Gälisch Irisch Walisisch Kornisch († Latein) Italienisch  Sizilianisch Sardisch Korsisch  Spanisch Kastilisch  Katalanisch     + Andorra  Andalusisch Portugiesisch Galicisch Französisch Provenzalisch Rumänisch Rätoromanisch Friaulanisch Galloromanisch  † Gotisch Deutsch Letzeburgisch Jiddisch Friesisch Englisch Niederländisch Afrikaans Isländisch Färöisch Norwegisch Schwedisch Dänisch Schottisch Brabant Alemannisch Schwytzer D. Östrreich.‘ D. Lettisch Litauisch Russisch Weißrussisch Ukrainisch      Polnisch    Tschechisch  Slowenisch Mazedonisch Bosnisch      Bulgarisch       Serbisch     Kosowarisch    Kroatisch Kaschubisch  Slowakisch Sorbisch † Sanskrit Hardi Urdu Bengali Punjabi † Avestisch Persisch Paschtu Kurdisch † Hethitisch
† Luwisch
† Lykisch
  • Das Zeichen „“ vor einer Sprache bedeutet, dass diese Sprache heute nicht mehr „benutzt“  wird (Tocharisch und Anatolisch mit seinen drei „Nachfolgern“). Man nennt diese Sprachen „tote Sprachen“, auch einige „Folgesprachen“ sind wieder in der Vergangenheit verschwunden: das Gotische, das Sanskrit und das Avestische. Die einzige Ausnahme ist das Latein.
  • Ich werde die hier aufgeführten Sprachen in diesem KAPITEL III einzeln kurz vorstellen und bei Verweisen deren „Sprach-Nr.“  aus dieser Liste anführen, – für spätere Querbezüge nenne ich die entsprechenden Posts und die Sprach-Nr. dazu: z. B.: „Friesisch (Post 11/30)“
  • Zum Kurdischen auf  Post 14/69
Erläuterungen zum Aufbau:

Dieses Modell zur  Sprachforschung unterscheidet drei Generationen:

a) Der Stammbaum nimmt seinen Ausgang  in einer indoeuropäisch[3] [3]Die frühere Bezeichnung „indogermanisch“ und das noch ältere „indoarisch“ sind aus Gründen der political Correctness überholt, – nicht in fremdsprachigen wissenschaftlichen Texten, aber im Deutschen [auch ein Beleg für „das Leben“ einer Sprache] genannten Sprache, hier: in der 1. Generation

 b) In der2. Generationsind zwölf alte Sprachen aufgeführt, die unabhängig voneinander im Verlauf mehrerer Jahrhunderte entstanden; sie müssten eigentlich alle nebeneinander stehen! Außerdem sind sie dreifach zu unterscheiden: 1) Zwei dieser Sprachgruppen existieren inzwischen nicht mehr: Tocharisch ist seit dem 1. Jahrtausend v.Chr. zwar bekannt, archäologische Funde lassen diese Sprache schon 5.000 Jahre früher vermuten, als gesprochene Sprache ist es aber seit dem 8. Jh. n.Chr. nicht mehr überliefert. 2) Auch die Sprachen Anatolisch (4.000 v.Chr.) mit den ‚Nachfolgern‘ Luwisch, Hethitisch und Lykisch sind inzwischen „tote“ Sprachen, von ihnen sind nur Schrift-Funde aus einigen  Jahrhunderten v.Chr. überliefert. Zwei weitere bedeutsame Sprachgruppen wurden ebenfalls ausgeklammert; sie hatten nur sehr frühe Einflüsse auf die Sprachen unseres Kontinents, und sie sprengen das Thema dieses Kapitels:

1. Indisch wurde seit 5.000 Jahren im asiatischen Subkontinent gesprochen, die sogenannte indoarische Sprache (um 3000 v.Chr.) ist dort unter mehr als 100 Sprachen eine der wichtigsten Quellen für „uns“. Und das Sanskrit (1500 bis 400 v.Chr.), das als maßgebliche Nachfolgerin dieser Sprachrichtung aufgeführt ist, scheint mir eine letzte Verbindung zu der iranischen und schließlich zu den europäischen Sprachgruppen zu sein. Aus dem Sanskrit entwickelten sich die Sprachen Hindi, Urdi, Bengali und Punjabi, die heute noch in Indien gesprochen werden.

2. Auch die Iranischen Sprachen haben, dem Indischen ähnlich, mehrere Sprachfamilien vorzuweisen, das Avestische (um 1500 v.Chr.) ist inzwischen „tot“. Persisch dagegen ist seit etwa 1000 v.Chr. bekannt, ungefähr zeitgleich mit dem Paschtu, das sich bis Afghanistan verbreitete. Allerdings hat die kurdische Sprache, die sich zunächst in Zentralpersien und schließlich – ab 1920 – in Kurdistan und später in weiten Teilen der Türkei, Persiens und Syriens verbreitete, sich ihre indo-europäischen Wurzeln erhalten – in jahrhundertelanger, fremdsprachiger Nachbarschaft!  Weil heute in Deutschland (geschätzte) 600.000 eingewanderte oder geflüchtete Kurden leben, wird dieses „Sprachthema“ am Ende dieses Kapitels noch einmal aufgegriffen s. Post 14/69!

Drei von diesen zwölf alten Sprachen der 2. Generation  stehen allein, ohne nachfolgende, „neuere“ Sprachen; darum nenne ich diese Sprachen autark:  Griechisch, Albanisch und Armenisch; die griechische Sprache wird in der ersten Sprachgruppe als ‚Sonderfall‘ behandelt, weil ihr für  die europäische Sprach- und Geisteskultur eine integrierende Stellung zukommt, vergleichbar dem Lateinischen – s.u.!

c) aus den verbliebenen fünf Stamm-Sprachen  (vgl. Kap. II / Post 3!)  entwickelten sich – zu verschiedenen Zeiten – unterschiedlich viele aktuelle Sprachen; und die gehören zur „3. Generation“.

Und dann noch dies:

  • Vier in Europa gesprochene Sprachen sind ugrischer Herkunft[4] [4]Die ugrischen Sprachen kommen aus asiatischen Regionen, – aus nordwestlichen Gebieten von Sibirien, weit „hinter“ dem Ural. Entstanden sind sie zwischen 900 und 1.100 v.Chr. – vgl.: Post 11, sie haben seit mehr als 2.000 Jahren inmitten indoeuropäischer Sprachen ‚gelebt‘, klingen aber noch immer „fremd“: Finnisch, Samisch, Estnisch und Ungarisch.
  • Insgesamt sind neun Sprachen „vergangene“ Sprachen; sie werden heute nicht mehr gesprochen; sie werden in der Sprachwissenschaft als ‚tote Sprachen‚ mit einem Kreuz gekennzeichnet – s. o: .
  • Eine einzige ureuropäische Sprache ist unbekannter Herkunft, wird aber nur in Europa gesprochen: Baskisch sie ist ebenfalls  autark wie die alten indogermanischen Sprachen (oben) aus der 2. Generation
  • —Das Lateinische ist zwar auch seit 1.500 Jahren als Muttersprache  „tot“, seine kulturelle Bedeutung für die indoeuropäischen Sprachen ist – wie  beim Griechischen (Post 7) in den wissenschaftlichen Fachsprachen international unentbehrlich: die lateinischen Bezeichnungen für Fachbegriffe aller Wissenschafts-Bereiche basieren auf lateinischen Wörtern, ähnlich den zahlreichen Begriffen in der Mathematik, der Philosophie, Architektur und anderen  Geistesbereichen, die von griechischen Wörtern abgeleitet wurden.
  •  Aber mehr als 60 heute noch gesprochene Sprachen haben sich aus einer einzigen Sprache entwickelt.  Diese beeindruckende „Verzweigung“ der ersten „Stammsprache“ entstand in einem Zeitraum von nahezu 10.000 Jahren.

In der Zeit – von etwa 8.000 vor bis 1.500 n.Chr. haben sich aus der einen indoeuropäischen Sprache allein in Europa jene 56 „neueren“ Muttersprachen entwickelt, die ich in den Posts 8 bis 14 einzeln benennen möchte.

Im 1. Teil des KAPITELS II wurden im Vorgriff aus diese verwirrende Sprachen-Vielfalt bereits sieben „ursprüngliche“ Sprachgruppen und deren historisch bedingte Stammgebiete festgestellt: Alte autarke Sprachenugrische Sprachengermanische keltische(italisch-)romanische – baltisch-slawische und weitere Sprachen aus Nationen, deren Hoheitsgebiete zwar in Teilen dem europäischen Kontinent zuzuschreiben, deren Sprachwurzeln aber nicht im Indoeuropäischen zu finden sind.

Für die hier aufgelisteten europäischen sprachlichen Hauptzweige nehme ich eine Nummerierung nach ihrer wahrscheinlichen Entstehungszeit vor, wie oben angemerkt. Allerdings bin ich dabei auf zum Teil recht vage Schätzungen angewiesen, die Angaben zur Entstehung der Muttersprachen in dem entsprechenden Staat beziehen sich einerseits auf großzügig bemessene Zeiträume, andererseits gehören zu der Bevölkerung vieler Staaten auch heute noch verschiedene ethnische Gruppen[5] [5]ethnisch: einer sprachlich und kulturell einheitlichen Volksgruppe angehörend, einer Ethnie (andere Volksstämme), die sich ihre ganz eigene Kultur und auch ihre Sprache über die historische Entwicklung hinweg bis heute bewahrt haben. Ich gehe zwar nach der offiziellen Landessprache vor, nenne aber dabei auch die zugehörigen separaten Sprachgemeinschaften dieses Landes. Auch hier muss ich mitunter schätzen: Welche dieser Mundarten die ältere „im Lande“ ist, kann zumeist nicht geklärt werden. Und wie und wann (dann) die heute geltende Staatssprache entstand, konnte oft auch nicht eindeutig bestimmt werden. Mein doppelgleisiges System bringt es daher mit sich, dass (in allen folgenden Beiträgen)  häufiger Vor- und Rücksprünge in der historischen Chronologie auftreten; denn ich gebe den sieben Sprachgruppen stets den  Vorrang vor der  fortschreitenden  geschichtlichen  Zeitleiste (siehe  Legende zu der Zeichnung im Post 3).

Die ältesten, vor allem: die von ihrer Entstehung bis heute einzig gebliebenen Sprachen sind die autarken Sprachen. Mit ihnen beginne ich im folgenden Post 8.

Anmerkungen:

[1]  Als autarke Sprachen bezeichne ich Sprachen, die ganz auf sich allein gestellt eine eigene Entwicklung genommen haben – siehe Post 8!

[2] Als Muttersprache bezeichnet man die erste Sprache, die ein Kleinkind (in aller Regel) von seiner Mutter oder einer anderen Bezugsperson lernt. Kulturwissenschaftler gehen davon aus, dass jeder Mensch schon pränatal, also vor seiner Geburt, durch seine (familiäre) Umwelt erheblich beeinflusst wird und auf diese Weise in die heimisch-kulturelle Sprachumgebung „hineinwächst“, mit all ihren Klängen, Redewendungen und Melodien; und darüber hinaus lernt das ungeborene Kind schon viel über typische Verhaltensweisen seiner Familie und der nachbarschaftlichen Umgebung. Sprachwissenschaftler bezeichnen Menschen, die in ihrer Muttersprache kommunizieren, als Muttersprachler.

[3]  Die frühere Bezeichnung „indogermanisch“ und das noch ältere „indoarisch“ sind aus Gründen der political Correctness überholt, – nicht in fremdsprachigen wissenschaftlichen Texten, aber im Deutschen [auch ein Beleg für „das Leben“ einer Sprache]

[4]  Die ugrischen Sprachen kommen aus asiatischen Regionen, – aus nordwestlichen Gebieten von Sibirien, weit „hinter“ dem Ural. Entstanden sind sie zwischen 900 und 1.100 n.Chr. – vgl.: Post 11

[5]  ethnisch: einer sprachlich und kulturell einheitlichen Volksgruppe angehörend, einer Ethnie ..

Anmerkungen   [ + ]

1. Als autarke Sprachen bezeichne ich Sprachen, die ganz auf sich allein gestellt eine eigene Entwicklung genommen haben – siehe Post 8!
2. Als Muttersprache bezeichnet man die erste Sprache, die ein Kleinkind (in aller Regel) von seiner Mutter oder einer anderen Bezugsperson lernt. Kulturwissenschaftler gehen davon aus, dass jeder Mensch schon pränatal, also vor seiner Geburt, durch seine (familiäre) Umwelt erheblich beeinflusst wird und auf diese Weise in die heimisch-kulturelle Sprachumgebung „hineinwächst“, mit all ihren Klängen, Redewendungen und Melodien; und darüber hinaus lernt das ungeborene Kind schon viel über typische Verhaltensweisen seiner Familie und der nachbarschaftlichen Umgebung. Sprachwissenschaftler bezeichnen Menschen, die in ihrer Muttersprache kommunizieren, als Muttersprachler
3. Die frühere Bezeichnung „indogermanisch“ und das noch ältere „indoarisch“ sind aus Gründen der political Correctness überholt, – nicht in fremdsprachigen wissenschaftlichen Texten, aber im Deutschen [auch ein Beleg für „das Leben“ einer Sprache]
4. Die ugrischen Sprachen kommen aus asiatischen Regionen, – aus nordwestlichen Gebieten von Sibirien, weit „hinter“ dem Ural. Entstanden sind sie zwischen 900 und 1.100 v.Chr. – vgl.: Post 11
5. ethnisch: einer sprachlich und kulturell einheitlichen Volksgruppe angehörend, einer Ethnie

Post 8: Autarke Sprachen

 Zum Beitragsbild: Dies ist der Parthenon, der Tempel für die Stadtgöttin Pallas Athena Parthenos, er wurde im Jahr 470 v.Chr. auf der Akropolis in Athen  errichtet, er gehört zu den sieben Weltwundern der Antike (Post 3), er wird gerade in Athen restauriert und gilt als Das Wahrzeichen der Kultur der Antike.  – Vgl. die Abbildung 107 im Post 25:  die Documenta ist seit 1955 die weltweit größte Ausstellung aktueller Kunst, sie findet  alle fünf Jahre in Kassel statt. Die Documenta 2017 fand in Athen und in Kassel statt)!

–  –  –  –  –  –  –

Als autark bezeichne ich Sprachen, die ganz auf sich allein gestellt eine eigene Entwicklung genommen haben, die zwar die lateinische Schrift und auch einige grammatikalische Strukturen übernommen haben, die aber kaum nennenswerte Ausstrahlung auf andere oder nachfolgende Muttersprachen aufweisen. Eine Ausnahme davon ist das Griechische, das ich als übernächste Muttersprache vorstelle.

1:     Baskisch

Abb. 21: Baske mit Schalmei

http://www.nationalflaggen.de.flagge-Basken-Fahne

Die älteste heute noch gesprochene Sprache in Europa – baskisch – hat nach sorgfältigen Nachforschungen keinen indoeuropäischen Ursprung; Fachleute bezeichnen sie daher auch als die einzige (und älteste) heute noch gesprochene Ursprache Europas, – eine echte „Sprachinsel“ im großen indoeuropäischen „Sprachenmeer“. Darum habe ich der Baskischen Sprache zwar das Blau der autarken Farbgruppe gegeben, aber ein sehr dunkles Blau, denn die Sprache ist einzigartig in der Welt. – Etwa 2,7 Millionen Basken leben in dem gebirgigen Winkel des Golfs von Biskaya auf 7.000 km2 Land, das zu 2 Dritteln zu Spanien und zu einem Drittel zu Frankreich gehört.

Mehr als eine Millionen Menschen sprechen[1] [1]In der Sprachwissenschaft werden Menschen, die in einer  gemeinsamen Sprache (oder Muttersprache) kommunizieren, „Sprecher“ dieser Sprache genannt. Achtung: Nicht alle Sprecher sind auch Muttersprachler. Als emanzipierter Autor benutze ich bei diesem „Statistik-Begriff“ nur den neutralen Plural baskisch, eine wohl 6.000 Jahre alte autarke  Sprache aus der Zeit vor dem Eindringen fremder Völker und allen indoeuropäischen Sprachgutes. Es ist erst wenige Jahrzehnte her, dass Frankreich und Spanien dieser ethnischen Minderheit alle Rechte einräumten, die sich die Euskal Herritar, wie die uralte Ethnie sich nennt, erkämpft und ertrotzt haben.

2: Griechisch

http://www.nationalflaggen.de.flagge-Griechenland.
Abb. 22: Musik aus Griechenland – aus. Saarbrücker Zeitung

Die griechische Sprache ist seit etwa 2.500 v.Chr. überliefert, sie war bis 600 n.Chr.  im oströmischen Kaiserreich von Konstantinopel – und über alle östlichen Mittelmeerküsten – eine „Weltsprache“. Erst danach, als dieses Herrschaftsgebiet unterging, beschränkte sich die Sprache auf ihr Stammland. Seit 800 v.Chr. hatten die Griechen das phönizische Alphabet übernommen (siehe Kap. II/Post 5: Geschriebene Sprache), mit dem Neugriechischen wurden die „alten“ Majuskeln (Großbuchstaben) auch mit Minuskeln (Kleinbuchstaben) kombiniert.

Unabhängig  davon strahlte  die griechische Kultur  weit über die alten Landesgrenzen aus: Seine Architektur, das Theater, die Dichtung, Mathematik, Geometrie, Medizin und die Schulbildung (natürlich: Olympia!), vor allem auch die Philosophie waren zu allen Zeiten und bis heute feste geistige Bestandteile „abendländischen Denkens“. An der Griechischen Sprache bewundere ich ihre ungewöhnliche  Fähigkeit zur Diagnose und Findung von Fachbegriffen aller Art für konkrete oder „nur gedachte“ (abstrakte) Erscheinungen, Situationen, Vorkommnisse oder wissenschaftliche Gedanken aller Art, ob sie nun der Vergangenheit angehören oder der „modernen“ Gegenwart unseres Lebens[2] [2]Diagnose: gemeint ist hier die einzigartige Fähigkeit der griechischen Sprache, eine treffende Bestimmung für eine konkrete oder eine ’nur‘ gedachte Sache, eine Erscheinung oder Situation zu schaffen, in nur einem einzigen Wort zu erfassen, wie kompliziert diese Sache auch sei; ein morphologisches Problem: vgl. Post 5!.

Diese Verehrung fand schon im Hellenismus[3] des 19. Jahrhunderts [3]Hellenismus: Allgemeine Wertschätzung und Verehrung der griechischen Künste und Geisteshaltung: Alexander d. Gr. hatte um 300 n.Chr. das o. gen. Kaiserreich wieder zu Weltruhm gebracht (von Griechenland bis nach Ägypten und nach Osten über ganz Persien bis zum Indus) und damit der Kultur der „Hellenen“ (Hauptstamm des griechischen Volkes) im Bewusstsein des europäischen Denkens im 19. Jahrhundert zur besonderen Beachtung verholfen eine weltweite Beachtung: Ungezählt viele Fachbegriffe aus allen oben angedeuteten Bereichen sind in die europäischen Sprachen unserer Zeit eingeflossen: Aero-, Pädagogik, Akrobat, Archäologie, Monarchie, Arktis, Auto-, Biathlon, Basilika, Chlor, Chronik, Dogma, Drama, Dynamo, Meteor, Hologramm, Prognose, Telefon usw. usw. uswSo durchdringen griechische Wörter und Wortteile die Sprachen unserer Welt, die lebendige griechische Sprache ist jedoch autark geblieben. Vgl. im Post 9: die 1. Zwischenbemerkung!

Nach Wikipedia: Die abendländische Kultur ist maßgeblich durch die Sprache und Kultur des antiken Griechenlands geprägt. In griechischer Sprache beginnt die europäische Literatur, Philosophie und Wissenschaft. Bedeutende Werke der Weltliteratur wie die homerischen Epen, die großen Dramen von Aischylos, Sophokles und Euripides, die philosophischen Schriften von Platon und Aristoteles oder das Neue Testament sind auf Griechisch verfasst. In zahlreichen Lehn- und Fremdwörtern (Gräzismen) ist Griechisch in vielen modernen Sprachen lebendig.

Immerhin wird Neugriechisch heute noch auch an der Westküste der Ägäis (im türkischen Staatsgebiet) und in Zypern gesprochen.

3. Albanien

Abb. 23: Albanischer Musiker
http://www.nationalflaggen.de.flagge-Albanien

Albanisch ist seit etwa 1000 n.Chr. als eine der eigenständigen Balkansprachen an der Ostküste der Adria bekannt, das Land gehörte zum Oströmischen Reich, später zum Osmanischen Reich und entwickelte um 1400 n.Chr. seine autonome Staatsform, wurde aber immer wieder in Kriege verwickelt und hatte sich durch seine intensiven Verbindungen zur Türkei allmählich in eine islamische Nation verwandelt. Sprachlich hat Albanien seine Landessprache modernisiert, ist allenfalls mit den Nachbarstaaten Montenegro und dem Kosovo verbunden. Albanisch ist, wie auch die armenische Sprache eine der autarken Sprachen des „Stammbaums“ – s. o.!

4: Armenien

http://www.nationalflaggen.de.flagge-Armenien
Abb. 24: Armenischer Wandteppich

Die armenische Sprache ist ebenfalls aus vorchristlichen Zeiten (durch Funde von Reiseberichten) bekannt, das Volk der Armenier etablierte sich jedoch erst nach vielen Verfolgungen und Kämpfen innerhalb des Byzantinischen und – nach 500 n.Chr. auch des Osmanischen Reiches. Endlich – im frühen Mittelalter konnte sich „die gejagte Nation“ als Staat im Kaukasusgebiet einrichten, wo es inzwischen auch  kulturell und  schriftsprachlich aufgeblüht ist.

Abb. 25: Armenisches Alphabet.tif

Altarmenisch, das seit dem 5. Jahrhundert   in Schriftzeugnissen vorliegt, wurde als Literatursprache bis in das 19. Jahrhundert hinein  genutzt, und im kirchlichen Bereich ist es auch noch heute in Gebrauch (z. B. im Gottesdienst). Das Westarmenische kam ursprünglich aus Anatolien und wird auch nach dem Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich[4] [4]Der Völkermord (= Genozid) an den Armeniern war einer der ersten systematischen Genozide des 20. Jahrhunderts. Er geschah während des Ersten Weltkrieges unter Verantwortung der jungtürkischen, vom Komitee für Einheit und Fortschritt gebildeten Regierung des Osmanischen Reichs. Bei Massakern und Todesmärschen, die im Wesentlichen in den Jahren 1915 und 1916 stattfanden, kamen je nach Schätzung zwischen 300.000 und mehr als 1,5 Millionen Menschen zu Tode. Der türkische Staat leugnet bis heute jede Schuld an diesem Verbrechen von vielen Armeniern gesprochen, auch – in der Diaspora – im Libanon und den Vereinigten Staaten. Die armenische Sprache hat einige Ähnlichkeiten mit dem Griechischen (viele Parallelen bei etymologischen Wurzeln), weswegen eine enge Verwandtschaft innerhalb der Indoeuropäischen Sprachen angenommen wird. Die Sprache enthält aber auch sehr viele Lehnwörter aus dem Iranischen (Parthisch, Persisch).

Wenden wir uns nun einer anderen kleinen Sprachgruppe zu, deren ursprünglicher Volksstamm zwar nicht mehr ‚lebt‘, dessen Sprache aber in verschiedenen „Ecken“ Europas noch erhalten geblieben ist: Keltisch in fünf Muttersprachen: im Post 9.

 

Anmerkungen:

[1] In der Sprachwissenschaft werden Menschen, die in einer  gemeinsamen Sprache (oder Muttersprache) kommunizieren, „Sprecher“ dieser Sprache genannt. Achtung: Nicht alle Sprecher sind auch Muttersprachler. Als emanzipierter Autor benutze ich bei diesem „Statistik-Begriff“ nur den neutralen Plural

[2] Diagnose: gemeint ist hier die einzigartige Fähigkeit der griechischen Sprache, eine treffende Bestimmung für eine konkrete oder eine ’nur‘ gedachte Sache, eine Erscheinung oder Situation zu schaffen, in nur einem einzigen Wort zu erfassen, wie kompliziert diese Sache auch sei; ein morphologisches Problem: vgl. Post 5!

[3] Hellenismus: Allgemeine Wertschätzung und Verehrung der griechischen Künste und Geisteshaltung: Alexander d. Gr. hatte um 300 n.Chr. das o. gen. Kaiserreich wieder zu Weltruhm gebracht (von Griechenland bis nach Ägypten und nach Osten über ganz Persien bis zum Indus) und damit der Kultur der „Hellenen“ (Hauptstamm des griechischen Volkes) im Bewusstsein des europäischen Denkens im 19. Jahrhundert zur besonderen Beachtung verholfen

[4]  Der Völkermord (= Genozid) an den Armeniern war einer der ersten systematischen Genozide des 20. Jahrhunderts. Er geschah während des Ersten Weltkrieges unter Verantwortung der jungtürkischen, vom Komitee für Einheit und Fortschritt gebildeten Regierung des Osmanischen Reichs. Bei Massakern und Todesmärschen, die im Wesentlichen in den Jahren 1915 und 1916 stattfanden, kamen je nach Schätzung zwischen 300.000 und mehr als 1,5 Millionen Menschen zu Tode. Der türkische Staat leugnet bis heute jede Schuld an diesem Verbrechen.

Anmerkungen   [ + ]

1. In der Sprachwissenschaft werden Menschen, die in einer  gemeinsamen Sprache (oder Muttersprache) kommunizieren, „Sprecher“ dieser Sprache genannt. Achtung: Nicht alle Sprecher sind auch Muttersprachler. Als emanzipierter Autor benutze ich bei diesem „Statistik-Begriff“ nur den neutralen Plural
2. Diagnose: gemeint ist hier die einzigartige Fähigkeit der griechischen Sprache, eine treffende Bestimmung für eine konkrete oder eine ’nur‘ gedachte Sache, eine Erscheinung oder Situation zu schaffen, in nur einem einzigen Wort zu erfassen, wie kompliziert diese Sache auch sei; ein morphologisches Problem: vgl. Post 5!
3. Hellenismus: Allgemeine Wertschätzung und Verehrung der griechischen Künste und Geisteshaltung: Alexander d. Gr. hatte um 300 n.Chr. das o. gen. Kaiserreich wieder zu Weltruhm gebracht (von Griechenland bis nach Ägypten und nach Osten über ganz Persien bis zum Indus) und damit der Kultur der „Hellenen“ (Hauptstamm des griechischen Volkes) im Bewusstsein des europäischen Denkens im 19. Jahrhundert zur besonderen Beachtung verholfen
4. Der Völkermord (= Genozid) an den Armeniern war einer der ersten systematischen Genozide des 20. Jahrhunderts. Er geschah während des Ersten Weltkrieges unter Verantwortung der jungtürkischen, vom Komitee für Einheit und Fortschritt gebildeten Regierung des Osmanischen Reichs. Bei Massakern und Todesmärschen, die im Wesentlichen in den Jahren 1915 und 1916 stattfanden, kamen je nach Schätzung zwischen 300.000 und mehr als 1,5 Millionen Menschen zu Tode. Der türkische Staat leugnet bis heute jede Schuld an diesem Verbrechen

Post 9: Keltische Sprachen

Abb, 26: 800px-Menhir_Dol-de_Bretagne1.jpg Kelten – Ein Menhir (von tausenden) an der bretonischen Westküste („Asterix‘ Hinkelstein“)

Seit etwa 3.000 v.Chr. verbreiteten sich die Kelten und die keltische Sprache mit ihrer Entdecker- und Eroberungslust von ihrem Stammland im Nordwesten Europas über den ganzen Westen und Süden des Kontinents, von den britischen Inseln über Frankreich, Spanien, und Süddeutschland bis an die Küsten des  Mittelmeers und des Schwarzen Meeres vor. Die Abbildungen hier sollen Ihnen  klarmachen, dass ein so hoch entwickeltes Volk trotz gering überlieferter Sprachkultur und mit nur unzureichender Schriftsprache so gewaltige Landgebiete besiedeln und über gewisse Zeiträume beherrschen konnte. Vielleicht ranken sich gerade darum um das Volk und seine Runen  so viele Geheimnisse. Keltische Riten und Schriften sind Kult – von Stonehenge  über die internationale Tattoo-Szene bis Dumbledore.

Abb. 27: Younger Runes (above) and The Northumbrian Order (below)

Abb. 27: 360px-Menhir_von_St._Uzec.jpg
17. April 2017

Abb. 28: Keltischer Schmuck Hochdorf_Ensemble_300.jpg 17. April 2017

 

Aber die Kelten hatten allzu weite Eroberungsgebiete besiedelt – bis in die Sahara und nach Kleinasien  hinein,  sodass  sie sich in den einheimischen Gesellschaften regelrecht verloren, und so wurde die einstmals größte Sprachgruppe Europas schon um 800 v.Chr. von den Römern (im Mittelmeerraum) und zusätzlich (ab 300 v.Chr.) von vordringenden Germanen verdrängt.

Heute ist die keltische Sprache praktisch ausgestorben, bis auf das Gälische in einigen Landesteilen an den äußersten Nordwestküsten von Europa.

 Die fortlaufende  Nummerierung aller europäischen  Muttersprachen  (vom Post 8) wird hier fortgesetzt:

5: Bretonisch

https://de.wikipedia.org/wiki/Bretagne#/media/File:Flag_of_Brittany_(Gwenn_ha_du).svg

www.Nationalflagge.de/Fahne-Bretagne

Das Bretonische war schon im Jahr 1000 v.Chr. eine keltische Sprache, es hat sich über ein sogenanntes Mittelbretonisch (um 1700) zum  heute  noch  gesprochenen  Neubretonischen die alten Sprachanteile bewahrt und damit gerade im 20. Jahrhundert die stark national geprägte Haltung der Regierung in Frankreich provoziert, die immer wieder gegen die Kommunikation in ‚fremden‘ Sprachen vorgeht, – auch in der Bildungspolitik.

6: Walisisch

https://de.wikipedia.org/wiki/Wales#/media/File:Flag_of_Wales_2.svg

In Wales dagegen hat die britische Regierung die traditionelle walisische Sprache als Amts- und Schulsprache ermöglicht. Wales ist der kleinste Landesteil von Großbritannien, liegt wie eine „breite“ Halbinsel an der Westseite Englands und ist von Teilen der Irischen See umgeben. Walisisch ist eine keltische Sprache,  sie bildet mit dem Bretonischen und dem Kornischen die britannische Untergruppe der keltischen Sprachen, die sich um  500 v.Chr. in England, Schottland und Cornwall festgesetzt hatten.

7: Cornisch

www.Nationalflaggen.de-Fahne_Cornwall

Cornwall ist eine Grafschaft auf der südwestlichen Halbinsel des Vereinigten Königreiches. Die cornische Sprache ist eine dem Walisischen und Bretonischen nahe verwandte keltische Sprache,  die bis ins späte 18. Jahrhundert in Cornwall gesprochen und im 20. Jahrhundert wiederbelebt wurde. Der Name der Sprache Kernowek leitet sich, wie auch der Landesname, von den spätantiken Bewohnern Cornwalls ab.

8: Gälisch  

www.Nationalflaggen.de/gälischer_loewe

 Gälisch, eine keltische Sprache und verwandt mit dem Irischen, sprechen heute noch ca. 70.000 der fünf Millionen Einwohner Schottlands.  Die meisten gälisch sprechenden Menschen leben auf den Äußeren Hebriden, aber auch im Westen der Highlands, in der Region Strathclyde und in den Städten Glasgow, Edinburgh und Inverness.

9: Irland   

http://www.nationalflaggen.de/flagge-irland.html

 

Die irische Sprache ist auch eine der gälischen Sprachen – wie  auch das Schottisch-Gälische (s. o.)

Abb. 29: Wikipedia: irish Blessing

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 30: Ausschnitt aus einer Urkunde in lateinischer Schrift

Diese Sprachen gehören zum inselkeltischen Zweig der keltischen Sprachen. Altirisch wurde bereits zw. 500 und 400 v.Chr. gesprochen, aber die mittelirische Sprache wurde erst mit der irischen Schrift im 8. Jh. n.Chr. bekannt. Irland besitzt eine der ältesten Schriftkulturen Europas und gehört in die erste Reihe der Weltliteratur. Irland, die „grüne Insel“ im Westen von Britannien, pflegt aber auch bis heute an seiner Westküste auch das gälische Keltisch, das vom 9. bis zum 11. Jahrhundert in Schottland sogar ausschließlich gesprochen wurde.

1. Zwischenbemerkung:

Zwei Sprachen von internationaler Bedeutung
Abb. 31: Griechische Kultur – womo-Weltenbummler.de

Zwischen dieser und der folgenden Abbildung unterbreche ich mein System der Sprachgruppen, weil ich neben dem Griechischen (Post 8/ Nr. 2) auch dem Lateinischen als einer Sprache von universeller Bedeutung einen vorderen, verdienten Platz einräumen möchte.

Mir schien erforderlich, Sie schon im obigen Kapitel II bei der Entstehung „unserer“ Schrift mit der geschriebenen Griechischen Sprache und ihrer international genutzten  Wortbestandteile bei der Begriffsfindung für wissenschaftliche Sachverhalte oder Prozesse bekannt zu machen vgl. aus Post 8: Aero-, Pädago-, Akro-, Archä-, -logie, Monarch-,  Auto-, Biathlon, Basilika, Chlor, Chro-, Dogma, Drama-, Dynamo, Meteo-, Holo-, -gramm, Pro-, Tele- . . .

Das Griechische steckt in nahezu allen europäischen Sprachen. Darum soll hier im Vorgriff auch die Lateinische Sprache gewürdigt werden; denn Rom hat – nach Griechenland – mit seiner Sprache kulturelle und sprachliche Einflüsse von grundlegender Bedeutung auf Europa und die Weltkultur ausgeübt. Latein ist zwar keine Muttersprache mehr, ich füge sie als „lebende“ Sprache hier ein, weil die Sprache in nahezu allen Wissenschaftsbereichen präsent ist, und weil Latein seit der Römerzeit ordentliches Unterrichtsfach an allgemeinbildenden Höheren Schulen in Europa ist. Und: der Ursprung aller romanischen Muttersprachen.

Der wichtigste Beweis dafür ist das lateinische Namensverzeichnis: Die Nomenklatur benennt jeden einzelnen lebenden Organismus unserer Erde. Sie wurde im 18. Jahrhundert in allen Wissenschaften (von allen Wissenschaftlern) eingeführt. Dieses Verzeichnis bezieht sich systematisch auf  Pflanzen (einschl. der Pilze und Algen), Tiere, Bakterien und Viren und auf den Menschen, auf jede Einzelheit dieser Organismen, auf ihre Varianten, krankhaften Veränderungen und das entsprechende medizinische Umfeld. Auch die Regeln der Namensgebung und die Systematik unterliegen den Gesetzen der Nomenclatura. 

SENATUS POPULUSQUE ROMANUS

Das Logo auf diesem Lorbeerkranz, mit dem auch die römischen Kaiser gekrönt wurden, heißt in deutsch: SENAT UND VOLK VON ROM. 

Abb. 32: wiki.Vatikan-Museum – Augustus, römischer Kaiser, formte das Staatswesen im Römischen Reich nachhaltig, ihm zu Ehren trug die Stadt Trier seinen Namen (s. u.!)

Latein: Besonders in Italien hatte sich durch die kultivierende Verbreitung des Griechischen auch deren Sprache angesiedelt, die aber in Mittelitalien um 900 v.Chr. von den Etruskern und in Sizilien um 550 v.Chr. von den Latinern verdrängt wurde. Als sich ein paar hundert Jahre später das Römische Reich über den größten Teil Nordwest-Europas ausdehnte, waren die italischen Volksstämme zu einem Staatsvolk vereint, und die Lateinische Sprache hatte sich als Sprache der Herrschenden verbreitet, während die „italienische“ Bevölkerung weiter ihre 7 bis 9 regionalen Sprachen pflegte, bis sich im 19. Jahrhundert der florentinische Dialekt als italienische Einheitssprache durchsetzen konnte. Denn die großen Städte – Rom, Florenz, Venedig, Mailand – waren  bis in das 17. Jahrhundert hinein international bekannter  als  das Land Italien, obwohl junge Künstler und  Wissenschaftler  schon wenig später, besonders aber vom 19. Jahrhundert an ihre kulturelle Bildung durch eine Italienreise zu krönen versuchten, wie auch der Dichterfürst Johann Wolfgang Goethe. –  Erst der Diktator Mussolini vereinte das Land Italien in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, und erst 1946 wurde die Republik Italien gegründet. – Durch die Herrschaft der Römer und deren jahrhundertelange Überfremdung Galliens, Spaniens und des Balkans hatten die dort lebenden Völker ihre eigenen Sprachen aufgegeben. Es entstanden verschiedene vulgär-lateinische Dialekte[1] [1]vulgär ist ein abwertender Ausdruck für „vom Volk (= in der Gossensprache) vereinfacht; vulgärlateinisch kann man mit der Gattung der Mundarten eines Gebietes vergleichen oder mit Dialekten, die eine „offizielle“ Ausdrucksform einer Sprache klanglich stark verändern können, [das bayerische Deutsch können viele Norddeutsche oft kaum verstehen], aus denen sich später, im beginnenden Mittelalter, die (weiteren) romanischen Sprachen entwickelten. Im Post 12 wird diese Sprachfamilie differenziert bearbeitet. Diese Zwischenbemerkung galt nur der Verehrung zweier bedeutender Weltsprachen. –

porta nigra.jpg

Abb. 33: Ruine der Porta Nigra, eines römischen Stadttores, erbaut ca. 350 n.Chr. in der Stadt Trier; der damalige Name der Stadt: Augusta Treverorum

– – – – – – – –

Im folgenden Post 10 lernen Sie die letzte der kleineren Sprachgruppen kennen, die aus Asien „zugewanderten“  vier ugrischen Muttersprachen in Europa.

Anmerkung:

[1]  vulgär ist ein abwertender Ausdruck für „vom Volk (= in der Gossensprache) vereinfacht; vulgärlateinisch kann man mit der Gattung der Mundarten eines Gebietes vergleichen oder mit Dialekten, die eine „offizielle“ Ausdrucksform einer Sprach klanglich stark verändern können, [das bayerische Deutsch können viele Norddeutsche oft kaum verstehen].

 

Anmerkungen   [ + ]

1. vulgär ist ein abwertender Ausdruck für „vom Volk (= in der Gossensprache) vereinfacht; vulgärlateinisch kann man mit der Gattung der Mundarten eines Gebietes vergleichen oder mit Dialekten, die eine „offizielle“ Ausdrucksform einer Sprache klanglich stark verändern können, [das bayerische Deutsch können viele Norddeutsche oft kaum verstehen]

Post 15: Methoden der Sprachforschung

 

In diesem Beitragsbild sind nur vier Wörter zu finden:

Mutter, Vater, Bruder, Schwester . . .

Nachdem die Theorie der indoeuropäischen Sprachverwandtschaften im KAPITEL I vorgestellt und anhand historisch gesicherter Forschungsergebnisse (Altertums-Funde aller Art) im europäischen Sprachraum als bestätigt betrachtet wurde (KAPITEL II und III), wenden wir uns nun konkret der  Sprachforschung zu.[1] [1]Beide Schreibweisen sind möglich: indo-europäisch oder indoeuropäisch

Die Sprachforschung der methodische Teil der Sprachgeschichte:    Sprachgeschichte, Teil 1

Diese Wissenschaft untersucht die Herkunft und die Bedeutung der einzelnen Wörter einer Sprache. Wie die Geschichtswissenschaft ist Sprachforschung auch eine empirische Wissenschaft[2] [2]Die Geschichtswissenschaft ist eine Geisteswissenschaft. Das ist – nach Wilhelm Dilthey (Philosophie-Prof. der Universitäten Berlin und Heidelberg – 1833 – 1911) eine Zusammenstellung von etwa 40 unterschiedlichen Einzelwissenschaften („Disziplinen“), die mit verschiedenen Methoden Gegenstandsbereiche der kulturellen, geistigen oder medialen Welt untersuchen [auch soziale bzw. soziologische, historische, politische und religiöse Phänomene]. Die meisten Geisteswissenschaften betreiben dabei also auch in einem gewissen Maße Anthropologie, weil diese den ‚ganzen‘ Menschen, seine Sprache und seine Werke betrachtet. – Daneben gibt es die Gruppe der Naturwissenschaften, die sich im weitesten Sinne mit allem Leben der Umgebung des Menschen befasst. – Ein Teilbereich der Sprachwissenschaft ist die Linguistik (vergleichbar mit Sprachlehre). – Davon wird später – im Post 23 – die Rede sein. In diesem Post  werden die Methoden der (exakten) Beobachtung und der (gezielten) Befragung der Sprach-Wirklichkeit angewandt und die einzelnen Ergebnisse gemessen und verglichen. Aus den Messergebnissen lassen sich dann Lösungen zu dem Untersuchungs-Problem oder sichere Aussagen über das Untersuchungs-Material machen, also über das Aufbau-System der Sprache und über den Sprachgebrauch durch die Sprechenden. Die Empirische Forschung hat sich inzwischen als äußerst zuverlässig und flexibel anwendbar bewährt, zum Beispiel auch in der Marktforschung, einem Untersuchungsgebiet, bei dem sich die Ergebnisse im Verkauf der Produkte genau messen lassen. Unter vielen anderen Anwendungsfeldern soll noch die Verhaltensforschung genannt werden, die in der Soziologie und besonders – für uns gut bekannt – in der Prognose politischer Wahlen bedeutungsvoll sein kann. –

In der Sprachforschung werden also Wörter gezählt und verglichen, – nach ihrer Bedeutung, im Ablauf der Zeitgeschichte, nach Ähnlichkeiten ihrer Schreibweise usw. Daraus können verwertbare Schlüsse auf die Entstehung, die Entwicklungen und Verwendungen der Wörter abgeleitet werden.

Aber das ist nur ein Forschungsbereich der Sprachwissenschaft, von dem Sie bisher immerhin schon die Sprachgeschichtswissenschaft kennenlernen konnten. Andere Teilbereiche (in der Wissenschaftssprache sagt man: Disziplinen) sind die Morphonologie (Wortbildung, Formenlehre), die Indoeuropäistik und dann die Anwendungsmethoden der Linguistik, die den Umgang mit Sprache und ihren Elementen untersuchen.

Das alles würde hier jedoch für den Anfang zu weit führen, obwohl ich diese Disziplinen in einigen Beitragsbildern ansprechen werde. Wir beschränken uns lediglich auf:

Post 15:  Einfache Methoden

  • Wichtig sind die Wortvergleiche

Man kann nun verschiedene Sprachen miteinander vergleichen, um Ähnlichkeiten oder Übereinstimmungen zu finden. Dabei sollte man nicht synthetisch, mit den vollständigen Sätzen beginnen, sondern mit Vergleichen der einzelnen, aber sinnverwandten Wörter. Diese Untersuchungsmethode, die Einzelheiten eines Gegenstandes, eines Sachverhalts zu betrachten und mit vermutlich ähnlichen Einzelheiten eines anderen Gegenstandes, eines anderen Sachverhalts zu vergleichen, nennt man Analyse.

1         Hoch-deutsch 2       Urindo-german.‘ 3      Altnor-disch 4            Germa-nisch 5         Altsäch-sisch 6          Althoch-deutsch 7             Alt-englisch 8       Englisch
Vater *pətér faðir *fađer fadar fater fæder father
Mutter *mater móðir *mōđer modar muoter modor mother
Bruder *bhrater bróðir *brōþer brođar bruoder brođor brother
Schwester *suesor systir *swes-ter swestar swester sweostor sister
Tochter *dhugəter dóttir *duχter dohtar tohter dohtar daughter
Sohn *suənu sunr *sunuz sunu sunu sunu son
Fuß *pod fótr *fōt- fot fuoz fot foot
Kuh *gwou kýr *k(w)ou ko kuo cu cow
Wasser *wódr̥ vatn *watōr watar wazzar wæter water
Feuer *péh₂ur fúrr *fōr, *fuïr fiur fiur fȳr fire
neu *neujo nýr *neuja niuwi niuwi niwe new

Die Analyse-Ergebnisse dieser Tabelle sieht – etwas allgemein formuliert – so aus (Achtung: Kontrollieren Sie jede der folgenden Aussagen („Punkt“-Sätze!):

  • Diese Tabelle besteht aus 12 Zeilen oder Reihen (waagerecht) und aus 8 Spalten (senkrecht)
  • In der ersten Zeile steht links „Hochdeutsch“, dann folgen nach rechts die Bezeichnungen für 7 andere Sprachen – am Ende (rechts) steht „Englisch“; dies ist die Titelzeile
  • In Spalte 1 stehen in unter „Hochdeutsch“ 11 Wörter, sechs aus den Wortfamilien Familie und darunter die Wörter: Fuß, Kuh, Wasser, Feuer und neu
  • Neben den deutschen Wörtern stehen – Zeile für Zeile die entsprechenden Begriffe dieser „Beispiel-Wörter“ (von links) – in der darüber (in der  Zeile ganz oben) genannten anderen Sprache 
  • So können Sie Zeile für Zeile lesen, wie „anders“ jedes Wort aus der 1. Spalte klingt – und gleichzeitig: wie ähnlich sich die Wörter in dieser Zeile sind!

So geht Empirie: Wort für Wort, Satz für Satz, (bzw. Teil für Teil, Stück für Stück).

Durch die historische Systematisierung der Sprache (wie sie oben beschrieben wurde) tauchen auch immer wieder gemeinsame oder ähnliche Sprachregeln innerhalb des Indoeuropäischen auf. Genau wie oben formuliert ist, haben es auch die ersten deutschen Sprachforscher gemacht. Die ‚Brüder Grimm‘ zum Beispiel gehörten zu diesen Wissenschaftlern, die (an der Universität Göttingen) fast zeitgleich mit Franz Bopp (siehe Post 1) Aufbau und Schreibweise unserer Sprache untersuchten, sie gehören zu den Gründervätern der Germanistik, der Wissenschaft von der deutschen Sprache[3] [3]Brüder Grimm wurden die Sprachwissenschaftler und Volkskundler Jacob Grimm (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859) genannt. Sie sammelten alle mündlich überlieferten Märchen und Erzählungen (von sogenannten Märchenerzählern) die über viele Generationen mündlich überliefert waren) und veröffentlichten das erste deutsche Märchenbuch[4] [4]Kinder- und Hausmärchen, mehrere Ausgaben zwischen 1812 und 1858. Und „nebenbei“ haben sie auch die vielen verschiedenen Wörter gesammelt, analysiert und aufgeschrieben[5] [5]analysieren bedeutet: etwa (wissenschaftlich) zergliedern, ein Gebilde, ein Material oder einen Stoff [z.B.: den Sprachstoff] in seine Einzelteile [in einzelne Wörter] zerlegen. Dabei bestätigte sich die Theorie von Bopp von der indogermanischen (heute indo-europäischen) Sprachfamilie.

  • Weitere Vergleichsmethoden

Wie nahe sich z.B. die deutsche und die russische Grammatik sind, wird deutlich, wenn man sie mit der japanischen, einer indianischen oder afrikanischen Sprache vergleicht. Kategorien wie „Kasus“ (Nominativ, Dativ), „Tempus“ (Präsens, Präteritum, Futur) oder „Modus“ (Indikativ/ Konjunktiv) sind allen europäischen Sprachen vertraut[6] [6]Kasus: Fall/hier: .. bei Beugung eines Nomens in 1. Fall (= Nominativ ..), 3. Fall (= Dativ ..) oder 4. Kasus (= Akkusativ);  – Tempus: Zeitform des Verbs: Präsenz (Gegenwartsform  – ich gehe);  Präteritum (Vergangenheitsform  – sie ging);  Futur (Zukunftsform  – wir werden gehen);  Modus (Art und Weise des Geschehens [einer Tätigkeit]: Indikativ   in der Wirklichkeitsform – wir fliegen/flogen/werden fliegen..); Konjunktiv  (Möglichkeitsform – als ob er flöge …) Mehr zu diesen Grammatik-Begriffen in diesem und den folgenden Posts. – in außereuropäischen Sprachsystemen tauchen die Modi (Plural von Modus) kaum oder gar nicht auf!

A – Zufälligkeit: Es ist natürlich möglich, dass zwei weit voneinander entfernte Sprachen, die geschichtlich nichts verbindet, zufällig ähnliche Wörter für dieselbe Sache hervorbringen. Das kann rein willkürlich geschehen oder auch in der Natur der Sache liegen, z.B. wenn ein Vogel wie etwa der Kuckuck durch ein Wort beschrieben wird, das lautmalerisch seinen Ruf nachahmt. Aber dass kleine Kinder überall auf der Welt zuerst Wörter wie „Mama“ oder „Dada“ produzieren, hat nur mit der körperlichen Entwicklung von Kleinkindern zu tun und nichts mit einer Sprachverwandtschaft

B – Beeinflussung: Ebenso können Wörter einander ähneln, weil sie aus einer Sprache in eine andere übernommen wurden. Diesen Vorgang nennt man „Entlehnung“.

  • Lehnwörter werden meistens importiert, wenn es gilt, ein Ding zu benennen, das der eigenen Kultur oder Lebenswelt bisher fremd war. Neue Dinge brauchen einen Namen, und so wird mit der fremden Sache oft der fremde Name/das fremde Wort gleich eingeführt. Allerdings können Lehnwörter auch aus modischen Gründen in eine Sprache geraten und sogar einheimische Wörter verdrängen, wie es durch die Anglizismen in vielen modernen Sprachen geschieht.[7] [7]Anglizismen, sing.: der Anglizismus: Übertragung englischer/amerikanischer Wörter/Redewendungen ins Deutsche: okay, holy shit, fruitcake, hotdog, keep in touch … Auch durch Entlehnung entstandene Ähnlichkeiten haben natürlich nichts mit gemeinsamer Abstammung zu tun. –
  • Fremdwörter dagegen werden „neu“ und möglichst auch fremdsprachlich korrekt aus einer anderen Sprache übernommen, wie die ungezählten lateinischen Fachbegriffe in den Naturwissenschaften (Biologie) und aus der Technik (Navigation); aber auch Macho, Bonbon, après Ski, Madame, Ciao, bye bye: Toilette dagegen ist inzwischen eingedeutscht, d. h. wird to(i)lette ausgesprochen und nicht |toallett.

C –  Stammverwandtschaft: Viele Wörter in unseren heutigen Sprachen ähneln sich, ohne dass sie zwischen Nachbarsprachen ausgetauscht worden wären, und diese Ähnlichkeit ist auch nicht zufällig, sondern geht auf eine  gemeinsame Abstammung zurück. Das betrifft naturgemäß nur solche Wörter, die für Begriffe stehen, welche schon zur Lebenswelt der Urgermanen gehörten: der Stamm ist zum Beispiel ein sehr altes germanisches Wort: Jeder Baum hat einen Stamm, das ist ein besonders stabiler Ständer, der die ganze Last dieser großen Pflanze trägt und zusammenhält, seine Wurzeln, aus denen er gewachsen ist, sind ebenso wichtig für seine Erscheinung wie die Baumkrone, (das Geschlecht), die (das) sich daraus entwickelt; Stammhalter, Volksstamm, Ständer und standfest gehören zu dieser Verwandtschaft, beide sind für den germanischen Siedler – seine Familie und sein Haus unverzichtbar, Häusler waren im Mittelalter zwar arme Leute, aber sie hatten „ein Dach überm Kopf“[8] [8]Eine typisch (germanische!) Bauweise für das Haus ist der Fachwerkbau (vgl. das Beitragsbild für Post 12!): alle Wände werden aus senkrecht stehenden Ständern (dicken Holzbalken) in genau bemessenen Abständen hergestellt, die waagerecht durch andere Balken (Riegel genannt) verbunden werden; die Vierecke dazwischen werden mit gemauerten Steinen (früher mit geflochtenen Zweigen und Lehm-Verputz) ausgefüllt. Solche Fachwerkhäuser finden sich in ganz Mitteleuropa.. –  So benennen wir unsere Welt, und so benannten auch die Menschen in der Vergangenheit ihre „Welt“. Freund ist ein anderes gutes Beispiel wie das Gegenwort Feind, aus beiden Stammwörtern haben sich zahlreiche verwandte Wörter entwickelt: Freundschaft, Freundin, Freundeskreis, freundlich, sich freuen, unfreundlich, jemanden erfreuen, Freude, sich anfreunden … Feindschaft, feindlich, fremdenfeindlich, sich verfeinden, anfeinden …    –

Damit möchte ich den Einblick in einige Methoden der Sprachforschung abschließen und Sie wieder zur Sprachgeschichte zurückführen; denn die – auf unsere deutsche Sprache beschränkt –  ist wissenswert und dient der Allgemeinbildung: Man weiß dann, woher man kommt. Wir knüpfen an den Post 15 an, der unseren Überblick über die Verbreitung unserer Sprache aufgezeigt hat. Im Post 16 tauchen wir wieder in das Germanische ein.

 

Anmerkungen:

[1] Zur Schreibweise indo-europäisch oder indoeuropäisch: beides ist möglich

[2] Die Geschichtswissenschaft ist eine Geisteswissenschaft. Das ist – nach Wilhelm Dilthey (Philosophie-Prof. der Universitäten Berlin und Heidelberg – 1833 – 1911) eine Zusammenstellung von etwa 40 unterschiedlichen Einzelwissenschaften („Disziplinen“), die mit verschiedenen Methoden Gegenstandsbereiche der kulturellen, geistigen oder medialen Welt untersuchen [auch soziale bzw. soziologische, historische, politische und religiöse Phänomene]. Die meisten Geisteswissenschaften betreiben dabei also auch in einem gewissen Maße Anthropologie, weil diese den ‚ganzen‘ Menschen, seine Sprache und seine Werke betrachtet. – Daneben gibt es die Gruppe der Naturwissenschaften, die sich im weitesten Sinne mit allem Leben der Umgebung des Menschen befasst. – Ein Teilbereich der Sprachwissenschaft ist die Linguistik (vergleichbar mit Sprachlehre). – Davon wird später – im Post 23 – die Rede sein.

 [3] Brüder Grimm wurden die Sprachwissenschaftler und Volkskundler Jacob Grimm (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859) genannt

[4] Kinder- und Hausmärchen , mehrere Ausgaben zwischen 1812 und 1858

[5] analysieren bedeutet: etwa (wissenschaftlich) zergliedern, ein Gebilde, ein Material oder einen Stoff (z.B.: den Sprachstoff) in seine Einzelteile (in einzelne Wörter) zerlegen

[6] Kasus: Fall/hier: .. bei Beugung eines Nomens in 1. Fall (= Nominativ ..), 3. Fall (= Dativ ..) oder 4. Kasus (= Akkusativ);  – Tempus: Zeitform des Verbs: Präsenz (Gegenwartsform  – ich gehe);  Präteritum (Vergangenheitsform  – sie ging);  Futur (Zukunftsform  – wir werden gehen);  Modus (Art und Weise des Geschehens [einer Tätigkeit]: Indikativ   in der Wirklichkeitsform – wir fliegen/flogen/werden fliegen..); Konjunktiv  (Möglichkeitsform – als ob er flöge …) Mehr zu diesen Grammatik-Begriffen im Kap. VI.

[7] Anglizismen, sing.: der Anglizismus: Übertragung englischer/amerikanischer Wörter/Redewendungen ins Deutsche: okay, holy shit, fruitcake, hotdog, fuck, fake, keep in touch …

[8]  Eine typisch (germanische!) Bauweise für das Haus ist der Fachwerkbau (vgl. das Beitragsbild für Post 12!): alle Wände werden aus senkrecht stehenden Ständern (dicken Holzbalken) in genau bemessenen Abständen hergestellt, die waagerecht durch andere Balken (Riegel genannt) verbunden werden; die Vierecke dazwischen werden mit gemauerten Steinen (früher mit geflochtenen Zweigen und Lehm-Verputz) ausgefüllt. Solche Fachwerkhäuser finden sich in ganz Mitteleuropa.

 

Anmerkungen   [ + ]

1. Beide Schreibweisen sind möglich: indo-europäisch oder indoeuropäisch
2. Die Geschichtswissenschaft ist eine Geisteswissenschaft. Das ist – nach Wilhelm Dilthey (Philosophie-Prof. der Universitäten Berlin und Heidelberg – 1833 – 1911) eine Zusammenstellung von etwa 40 unterschiedlichen Einzelwissenschaften („Disziplinen“), die mit verschiedenen Methoden Gegenstandsbereiche der kulturellen, geistigen oder medialen Welt untersuchen [auch soziale bzw. soziologische, historische, politische und religiöse Phänomene]. Die meisten Geisteswissenschaften betreiben dabei also auch in einem gewissen Maße Anthropologie, weil diese den ‚ganzen‘ Menschen, seine Sprache und seine Werke betrachtet. – Daneben gibt es die Gruppe der Naturwissenschaften, die sich im weitesten Sinne mit allem Leben der Umgebung des Menschen befasst. – Ein Teilbereich der Sprachwissenschaft ist die Linguistik (vergleichbar mit Sprachlehre). – Davon wird später – im Post 23 – die Rede sein
3. Brüder Grimm wurden die Sprachwissenschaftler und Volkskundler Jacob Grimm (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859) genannt
4. Kinder- und Hausmärchen, mehrere Ausgaben zwischen 1812 und 1858
5. analysieren bedeutet: etwa (wissenschaftlich) zergliedern, ein Gebilde, ein Material oder einen Stoff [z.B.: den Sprachstoff] in seine Einzelteile [in einzelne Wörter] zerlegen
6. Kasus: Fall/hier: .. bei Beugung eines Nomens in 1. Fall (= Nominativ ..), 3. Fall (= Dativ ..) oder 4. Kasus (= Akkusativ);  – Tempus: Zeitform des Verbs: Präsenz (Gegenwartsform  – ich gehe);  Präteritum (Vergangenheitsform  – sie ging);  Futur (Zukunftsform  – wir werden gehen);  Modus (Art und Weise des Geschehens [einer Tätigkeit]: Indikativ   in der Wirklichkeitsform – wir fliegen/flogen/werden fliegen..); Konjunktiv  (Möglichkeitsform – als ob er flöge …) Mehr zu diesen Grammatik-Begriffen in diesem und den folgenden Posts.
7. Anglizismen, sing.: der Anglizismus: Übertragung englischer/amerikanischer Wörter/Redewendungen ins Deutsche: okay, holy shit, fruitcake, hotdog, keep in touch …
8. Eine typisch (germanische!) Bauweise für das Haus ist der Fachwerkbau (vgl. das Beitragsbild für Post 12!): alle Wände werden aus senkrecht stehenden Ständern (dicken Holzbalken) in genau bemessenen Abständen hergestellt, die waagerecht durch andere Balken (Riegel genannt) verbunden werden; die Vierecke dazwischen werden mit gemauerten Steinen (früher mit geflochtenen Zweigen und Lehm-Verputz) ausgefüllt. Solche Fachwerkhäuser finden sich in ganz Mitteleuropa.

20: Deutschland im 20. und 21. Jahrhundert

 Zum Beitragsbild

Otto Dix (1891-1969) – 1932: Der Krieg, ein Triptychon. Dresden Gemäldegalerie. 204 x 408, Sockel 60 x 20.  Das Bildformat Triptychon ist – bis zu diesem Dix-Werk – immer ein dreiteiliges Altarbild gewesen. Altarbilder stehen traditionell auf dem Altar(tisch) im vorderen Kirchenraum, oder sie sind über dem Altar fest montiert. Sie sind meistens auf Holzplatten und in Öl gemalt. Dieses Altarbild hat – ebenfalls traditionell – zwei Flügel, die auf- oder zugeklappt werden können und ggf. auch beidseitig bemalt sind. Das Sockelbild dient als Aufsatz für die drei Altarbilder. Altarbilder haben in aller Regel religiöse, biblische Themen; sie regen zur Andacht und zum Gebet an. Krieg, wie hier, gehörte bisher nicht in ‚die Kirche‘. Oder im 20. Jahrhundert doch? dachte Dix, der deutsche Maler.

Das 20. Jahrhundert

 Abb. 108: Otto Dix, 1927 – 28: Großstadt,                     Triptychon, 181 x 402 cm. Folkwang Museum Essen

Die Entscheidung des Künstlers, gleich für zwei seiner Darstellungen die Form des Triptychons zu wählen,  macht deutlich, wie kritisch Dix seine Bildinhalte verstanden wissen wollte: Die ‚verrückte‘ Gläubigkeit der Menschen an den Glanz ihrer Zeit und wenig später an den Irrsinn der Kriegsvorbereitungen. [Er malte übrigens das Kriegsbild in Erinnerung an den schrecklichen Ersten Weltkrieg [mit den ersten „Tanks“ (Panzerwagen), die die Schützengräben zuschaufelten und die Soldaten darin zermalmten, mit den Flammenwerfer- und Giftgas-Einsetzen. Und danach die „Goldenen 20er Jahre“ in Berlin mit den Kriegsverstümmelten vor den Bars, die Schnürsenkel und Streichhölzer anboten, um überleben zu können, und wo „drinnen“ wilde Partys gefeiert wurden.]

Diese beiden Abbildungen von Dix, einem (bis 1935) angesagten Künstler seiner Zeit [1] [1]Otto Dix, * 2. Dezember 1891 in  Gera; † 25. Juli 1969 in Singen a. R., war einer der bedeutendsten Maler und Grafiker des 20. Jahrhunderts (Realismus), kämpfte im 1. Weltkrieg (wie viele junge Künstler), wurde Professor an der Künstlerakademie Dresden und erhielt nach Hitlers Machtergreifung als einer der ersten Künstler Malverbot. Auch in der DDR wurde er, trotz seines kritischen Realismus, nicht sonderlich geschätzt, 1959 wurde er in der Bundesrepublik mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt spiegeln die Extreme der 1. Hälfte des vergangenen Jahrhunderts wider. Die deutsche Gesellschaft schwankte zwischen dem katastrophalen Zusammenbruch und den Hungerjahren nach dem Ersten Weltkrieg und dem Aufschwung der Neureichen, der Kriegsgewinnler mit ihrer Spießigkeit und ihrem Größenwahn, der Hitler den Erfolg vorbereitete, diese ‚Stimmung‘ steigerte sich noch einmal zu der Massenhysterie des Nationalsozialistischen Weltsieg-Glaubens und international zu den größten Kriegsverbrechen der Weltgeschichte bis heute.

Das 20. Jahrhundert wird für uns deutsche von den beiden Weltkriegen überschattet, an deren Entstehen und Verläufen wir als Nation große Verantwortung zu tragen haben.

1. Teil:  Geschichte der deutschen Sprache  

In die Zeit des  Jahrhundert-Wechsels fällt der Übergang Deutschlands von einem landwirtschaftlich geprägten Land zu einem modernen Industriestaat. Dabei dominierten zu Beginn des Reiches der Eisenbahnbau und die Schwerindustrie; später kamen als neue Leitsektoren die chemische Industrie und die Elektroindustrie hinzu. 1895 kam die Landwirtschaft nur noch auf 32 %, der sekundäre Sektor dagegen auf 36 %. Im Jahr 1910 zählte man 10,5 Millionen Beschäftigte in der Landwirtschaft, hingegen in Industrie, Verkehr und Dienstleistungsberufen bereits 13 Millionen Arbeitnehmer.

Abb. 109: 800px-Deutsches_Reich_(1871-1918)-de.svg.png. Das Kaiserreich, von Preußen dominiert – vgl. Abb. 101/Post 19!
 
Sozialgeschichtlich war das Kaiserreich vor allem vom Aufstieg der Arbeiterschaft geprägt. Dabei entwickelten die unterschiedlichen Herkunftsgruppen aus ungelernten, angelernten und gelernten Arbeitern bei allen weiterbestehenden Unterschieden durch die gemeinsamen Erfahrungen am Arbeitsplatz und in den Wohnquartieren tendenziell ein spezifisches Selbstverständnis der Arbeiterbevölkerung. Mit der Entstehung von Großbetrieben, neuen staatlichen Dienstleistungen und der Zunahme von Handel und Verkehr nahm daneben die Zahl der Angestellten sowie der kleineren und mittleren Beamten zu. Diese achteten auf soziale Distanz zu den Arbeitern, auch wenn sich ihre ökonomische Lage von der der Industriearbeiter wenig unterschied.
 

Zu den stagnierenden Kräftenen der Gesellschaft gehörte der alte städtische Mittelstand. Handwerker fühlten sich oft von der Industrie in ihrer Existenz bedroht. Die Realität zeigte sich  allerdings unterschiedlich: Es gab überbesetzte traditionelle Handwerksberufe; andererseits profitierten das Bau- und  Nahrungsmittelgewerbe von der wachsenden Bevölkerung und der Stadtentwicklung. Viele Berufe passten sich an diese Entwicklungen an, zum Beispiel stellten die Schuhmacher keine Schuhe mehr her, sondern reparierten sie nur noch. Vergleichbare Veränderungen waren auch in der Bekleidungs- und der Möbelproduktion zu beobachten.

Zunächst gelang es dem Bürgertum, seine kulturellen Ansprüche weitgehend aufrecht zu erhalten, wobei das Wirtschaftsbürgertum (einschließlich der großen Industrie-Unternehmer) ökonomisch am meisten profitierte. Dank der allgemeinen  Regsamkeit der Bildungsbürger verbreitete sich zunächst auch das Vereinswesen (Kultur, Musik und Sport), der politische Einfluss des Bürgertums blieb dennoch begrenzt,  zum Beispiel durch die Eigenarten des politischen (Wahl-)Systems und durch die starren Schranken zwischen den gesellschaftlichen Schichten. Dennoch wuchs Deutschland zu einem Zentrum der Wirtschaft, der  Wissenschaft und der Forschung an.

2. Teil: Die Weltkriege und dazwischen: Die erste Deutsche Republik

Gemessen an dem oben angedeuteten, aus dem vorigen Jahrhundert resultierenden emanzipatorischen Schub des geistigen Bewusstseins der (deutschen) Gesellschaft[2] [2].. mit allem, was ich oben in Post 18 und Post 19 zusammengestellt habe: mit dem Wissen und dem Erleben, das unsere Welt bereichert hat, einschließlich aller Erfahrungen, die uns die unermesslichen Welten neuer Bilder, neuer Klänge und neuer Texte anbieten, schienen die politischen Brüche in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts für die Geschichte unserer Sprache von geringer Bedeutung. Die Menschen hatten sich verändert, hatten auch leiden müssen – Veränderungen sind oft schmerzlich, – aber letztlich gesellschaftlich hatten die Menschen doch „überlebt“, zumindest war ihre Sprache (und ihr Denken?) wenig verändert worden. Das Elend der arbeitenden Stadtmenschen wurde „gesellschaftlich“ überdeckt (siehe Beitragsbilder!) und zeigte sich erst später. – Für die Weltgeschichte waren diese „Veränderungen“ allerdings von enormer Bedeutung, eher mit Umstürzen vergleichbar. Und daran hatten und  haben wir Deutschen [fortan] einen unrühmlichen Anteil.[3] [3]Das deutsche Kaiserreich (1871-1918) war zwar für kurze Zeit die stärkste Macht in Europa, aber die innenpolitisch aufgestauten Gegensätze und auch die Spannungen zu den Nachbarstaaten Frankreich, England und Russland waren unüberbrückbar und führten schließlich zum Ersten Weltkrieg, den Deutschland mit Österreich begann [1914] – – und verlor [1918)].

1914 – 1918: Der Erste Weltkrieg

Das Deutsche Reich erklärte (mit Österreich) innerhalb von 16 Tagen – Anfang August 1914 – „dem Rest der Welt“ den Krieg und verlor ihn nach vier Jahren; 8 Millionen Menschen waren getötet

Abb. 110: deutsches_reich_1919+.gif – –

und 20 Millionen verletzt worden; der deutsche Kaiser musste abtreten, Bismarck, sein Reichskanzler folgte ihm. Deutschland musste (die roten) Gebiete an Polen, Dänemark und Frankreich abtreten und hohe Reparationen zahlen. Die Bevölkerung litt Hunger und Armut – schon während des Krieges, der alle Männer “ an den Fronten festgehalten hatte[4] [4]Die Ostfront erstreckte sich von der Adria (nördlich von Albanien) über Ungarn [an Polen vorbei] bis Königsberg, die Westfront ging von den Vogesen im Osten Frankreichs direkt bis Verdun und an die Somme (zwei jahrelange Kämpfe und Schlachten) bis an den Kanal, – ganz Belgien, Luxemburg und die Niederlande waren bereits besetzt [Wikipedia:] auch im betrieblichen Alltag vollzogen sich dramatische Veränderungen: Alle mussten in der expandierenden Rüstungsindustrie arbeiten, in den Munitionsbetrieben schufteten Frauen und Mädchen unter zum Teil gefährlichen Bedingungen. Immer wieder ereigneten sich tödliche Unfälle. In seinem Buch schildert Volker Ullrich am Beispiel der Großstadt Hamburg und der norddeutschen Küstenregion, wie sich der Widerstand gegen den Krieg im Laufe von vier Jahren aus kleinsten Anfängen zu einer Massenbewegung entwickelte. Hungerrevolten und Streiks beschleunigten den Auflösungsprozess der wilhelminischen Gesellschaft. Als Ende Oktober 1918 auch Matrosen und Soldaten den Gehorsam verweigerten, war der kaiserliche Obrigkeitsstaat am Ende, die Revolution nicht mehr aufzuhalten.

Durch die Novemberrevolution 1918 wurde Deutschland eine Republik

Nach Wikipedia: Die Zeit zwischen 1918 und 1933 wird als Weimarer Republik  bezeichnet, in dem erstmals eine parlamentarische Demokratie in Deutschland bestand. Diese Epoche endete mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933.

Die Weimarer Nationalversammlung gab Deutschland 1919 eine demokratisch-parlamentarische Verfassung.[5] [5]In Teilen der Weimarer Verfassung werden Passagen der Verfassung von 1848 (aus der Paulskirche – Post 18) aufgegriffen oder übernommen, – wie auch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland von 1949 (und im Völkerrecht) beide Verfassungen widergespiegelt werden Friedrich Ebert wurde der erste deutsche Reichskanzler.[6] [6]Der Friedensvertrag von Versailles brachte Deutschland viele Gebietsverluste, es musste sehr große Reparationsleistungen auf sich nehmen. In den ersten fünf Jahren war das Bestehen der Weimarer Republik durch innere Wirren, durch einen gewaltigen wirtschaftlichen Niedergang (Inflation) und durch die französische Besetzung des Ruhrgebiets immer wieder bedroht. Erst 1924 gab es unter dem Außenminister Stresemann eine Beruhigung. Deutschland wurde 1926 Mitglied des Völkerbundes

  • Die Weimarer Reichsverfassung trat am 14. August 1919 in Kraft. Sie konstituierte das Deutsche Reich als föderative Republik.  Die Regierung führte der vom Reichspräsidenten zu ernennende und zu entlassende Reichskanzler, der dem Deutschen Reichstag gegenüber verantwortlich war. Diese Volksvertretung mit umfassenden Gesetzgebungs-, Budget- und Kontrollrechten wurde für eine Legislaturperiode von vier Jahren nach dem Verhältniswahlrecht gewählt. Die Länder vertrat der Reichsrat.
  • 1929 zog die Weltwirtschaftskrise das deutsche Volk sehr in Mitleidenschaft; überall herrschte Massenarbeitslosigkeit. Die radikalen Parteien gewannen viele Wählerstimmen, die demokratischen Parteien waren uneinig bzgl. eines gemeinsamen Regierungsprogramms. Die Regierungen mussten das Land mit Hilfe von Notverordnungen verwalten. Schließlich berief  der Reichspräsident  von Hindenburg einen neuen Kanzler . . .
  • Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hatte fast 900 Jahre existiert, das Deutsche Kaiserreich fast 90 Jahre … (das zweite Reich) die Weimarer Republik Deutsches Reich bestand nicht einmal 20 Jahre … bald würde ein „Drittes Reich“ entstehen, das sollte – eigentlich – 1.000 Jahre überdauern …
  • 1933  wählte die Nationalversammlung im Berliner Reichstag den Führer der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands (NPD), Adolf Hitler, zum Reichskanzler. Es war eine demokratische Wahl.

Beachten Sie die fett gedruckten Begriffe im mittleren Textabschnitt, ersetzen Sie die Wortteile Reich– durch Bundes-, und Sie erkennen, dass die Nationalversammlung von 1919 entscheidende Vorlagen für das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland geliefert hat; wenn Sie nun auf die Anm. 17 im vorigen Post 19 zurückschauen – Das Protokoll der Demokratisierung Deutschlands -,  erhalten Sie einen Beleg für die Geschichte des Deutschen Parlamentarismus.

Die Diktatur – das nationalsozialistische „Dritte Reich“ 1933 – 1945

Hitler erhielt vom Reichstag befristete Ermächtigungen, die entstandene Notlage der Bevölkerung zu beheben, aber er beseitigte Schritt für Schritt alle gesetzlichen Einrichtungen, die ihm die Alleinherrschaft streitig machen konnten. Öffentliche Arbeitsvorhaben und die schnell beginnende Rüstung wirkten gegen die Arbeitslosigkeit und führten vordergründig zu einer wirtschaftlichen Besserung.[7] [7]Junge Arbeitskräfte wurden aus dem Handwerk für die Rüstungsindustrie und die Wehrmacht (!) abgezogen und schwächten die Versorgung der Bevölkerung Hitler löste sich von den Fesseln des Versailler Vertrages und suchte andere Verbündete.[8] [8]Hitler führte 1935 die allgemeine Wehrpflicht ein; 1936 ließ er [um den befreundeten Diktator Franko in Spanien zu unterstützen – vgl. Post 25: Beitragsbild und –Text:] das Pyrenäen-Dorf Guernika bombardieren besetzte das Rheinland und ging Bündnisse mit Italien und Japan ein; 1938 wurden Österreich und das Sudetenland an das Reich „angeschlossen“; tatsächlich waren das militärische Annexionen (= einseitig beschlossene Besetzungen/politische Übernahmen). Diese ‚Erfolge‘ sicherten Hitler die begeisterte Stimmung des größten Teils des Volkes und ließen viele Menschen über Gesetzlosigkeit und Brutalitäten seines Regimes hinwegsehen, als deren furchtbarste die Judenvernichtung in die Geschichte eingegangen ist. Der Plan zu diesem Verbrechen lag längst vor, und die Wannseekonferenz gab 1942 schließlich das offizielle Startsignal für den Massenmord an allen Juden Unmittelbar nach seiner Ernennung zum Reichskanzler 1933 sahen sich die deutschen Juden einer zunehmenden Feindseligkeit ausgesetzt. Die Nürnberger Gesetze von 1935 gaben dem Judenhass der Nationalsozialisten eine juristische Basis. Die Reichs-Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 war nur der äußere Auftakt zur Vernichtung aller Juden in Europa. Die Namen der größten Vernichtungs-lager Auschwitz, Majdanek, Treblinka wurden und werden immer Synonyme für die unfassbare Grausamkeit und Barbarei sein.[9] [9]Es hatte nicht nur „diese zwanzig“ industriell organisierten Vernichtungslager gegeben: über 1.000 „Konzentrationslager“ hatten die Deutschen im von ihnen eroberten Europa und natürlich „in der Heimat“ errichtet, dort wurde ‚durch Arbeit, Hunger und Folter (auch von Medizinern)‘ gemordet Die Brutalität und der Hass dieser Zeit, die sich längst nicht nur auf Juden beschränkte, hat sich in der deutschen Sprache bis heute festgesetzt. – Darum stehen in diesem Post historische Ereignisse und Abläufe im Vordergrund, ihre Folgen für die deutsche Sprache werden später reflektiert – im Post 21.

Der 2. Weltkrieg begann 1939 und endete 1945. Er verursachte ein verheerendes Elend in der Bevölkerung Europas – von 1944 an, als Deutschland angegriffen und zerstört wurde, bei uns, der deutschen Bevölkerung zu Hause[10]. [10]Im August 1939 griff Hitler Polen an, in etwas mehr als zwei Jahren eroberte das Hitler-Deutschland fast ganz Europa. Sein Vorstoß nach Russland bis vor Moskau geriet zum Fiasko [ca. 150.000 Deutsche Soldaten starben, mehr als 200.000 wurden Kriegsgefangene, die letzten wurden 1955 „in die Heimat“ entlassen. Der Kriegsausbruch zwischen Japan und den USA im Dezember 1941 führte auch die USA in den Krieg gegen Deutschland. Die Alliierten (das waren verbündete Staaten und deren Soldaten, die den Deutschen entkommen waren und nun entschlossen auf der Seite der ‚Retter‘ kämpften,) zerstörten die deutschen Städte durch Bombenangriffe, der Luft- und der Seekrieg gingen bald verloren, die deutschen Heere wurden immer weiter zerschlagen oder/und zurückgedrängt. 1944 misslang auch der Versuch eines Widerstandskreises um den Grafen Stauffenberg, die Hitlerherrschaft zu beseitigen; alle wurden – insgesamt mehr als 1.000! –  umgebracht: gehenkt, erschossen, mit dem Fallbeil oder einfach erschlagen. 1945 wurde Deutschland erobert und musste am 9. Mai kapitulieren. Hitler hatte zuvor Selbstmord begangen

Am Ende des 2. Weltkriegs (im Mai 1945) war Deutschland ein zerstörtes Land. Seine Städte lagen in Trümmern, viele Menschen hungerten. Zusätzlich zu der Bevölkerung im restlichen Deutschland mussten acht Millionen Vertriebene aus den an Polen und die

Abb. 111: 1945-die Staatsgrenze im Osten – e1519559458858.jpg- Einzeichnung: Fu

Tschechoslowakei  verlorengegangenen  Ostgebieten  versorgt  werden Ostpreußen, Hinterpommern und Schlesien

Bilanz des Zweiten Weltkrieges, die wir Deutschen zu verantworten haben: am 10. 10.1945 wurden ca. 70 Millionen Tote „gezählt“, davon aus der Sowjetunion ca. 25 Millionen, aus dem ehemaligen Deutschen Reich 25 Millionen, aus Japan 2 Millionen, aus China 10 Millionen; mehr als 50 Millionen Menschen waren vertrieben worden, wenn auch etwa 15 Millionen nach dem Krieg wieder in ihre Heimat zurückkehren konnten; aus den Deutschen Ostgebieten des ehemaligen Reiches  waren ca. 14 Millionen Menschen vertrieben worden bzw. geflohen, fast nur alte Männer, mehrheitlich Frauen mit ihren Familien, die Väter und Söhne über 16 (!) waren „im Krieg  gefallen“ oder Kriegsgefangene der Alliierten, insgesamt 11 Millionen, – 11% von ihnen starben in den Lagern). Von Deutschen Soldaten waren von 1939 an ca. 11 Millionen Kriegs-gefangene zur Zwangsarbeit „ins Reich“ gebracht worden, geschätzt 30 bis 40% waren dabei hier in Deutschland verstorben. Und: mehr als 6 Millionen Juden wurden zwischen 1939 und 1945 von Deutschen ermordet – ohne „Krieg“, – nur, weil sie Juden waren (Lesen Sie dazu: Chronik der Unmenschlichkeit im Post 11).

3. Teil: Die Nachkriegszeit im geteilten Deutschland

Der Historie der Folgezeit ist schnell erklärt, wenn man  das Nachkriegsdeutschland übergeht. Aber das werde ich nicht, denn beides hat direkte Auswirkungen auf unsere Sprache. Zunächst einmal war Deutschland von vier Siegermächten vollständig besetzt: Beschlossen in einer Konferenz der ‚Drei Großmächte‘ schon im Febr. 1945, als die Sowjetunion, die USA und Großbritannien sich einig waren, dieses Hitler-Deutschland zu vernichten.[11] [11]Noch immer: Bilanz des Zweiten Weltkrieges: 51 Staaten hatten Deutschland den Krieg erklärt; 65 Millionen Kriegstote (eher) über 80 Millionen (Soldaten, Zivilopfer, Vernichtungsopfer), ca. 6 Millionen vernichtete Juden in Konzentrationslagern, außerdem zahllose Verbrechen an Sinti und Roma, Behinderten, politischen Gegnern, Homosexuellen; zusätzlich waren etwa 14 Millionen Vertriebene aus ehemaligen Ostgebieten über die Elbe geflohen. die ehemaligen Länder Ostpreußen, Hinterpommern und Schlesien wurden dem (wieder einmal) neu eingerichteten Staat Polen zugesprochen; dessen Grenze zu ‚Deutschland‘ (verlief) verläuft nun etwa entlang der Oder und der Neiße. – Deutschlands Kriegsverbrechen  (s.o.) erfüllten natürlich den Tatbestand der „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sie wurden vor den Prozessen von Nürnberg und Tokio behandelt. Frankreich war in dem ersten Treffen der Großen Drei (Weltmächte) UdSSR – GB – USA von Churchill dazu geladen worden, weil die Deutschen in Nordafrika (!) noch nicht besiegt waren und Frankreich in ganz Nordwest-Afrika als Kolonialmacht geherrscht hatte. Diese vier Siegermächte verhandelten Deutschlands Zukunft   Aber in dem zerstörten Land lebten Menschen!

Abb. 112: vier Besatzungszonen im Land, vier Sektoren in der ehemaligen Hauptstadt, zwei Deutsche Staaten

Jedem der vier Siegerstaaten USA, England, das inzwischen politisch einbezogene Frankreich und Russland bzw. die UdSSR (Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken)[12] [12]Frankreich war wegen seiner riesigen Kolonien in Nordafrika nicht nur durch die frühe deutsche Besetzung (1941 bis 45) betroffen, General de Gaulle hatte den Widerstand des Freien Frankreichs gegen die deutsche Besatzung angeführt und später – mit entflohenen Militärs von London aus – auch fortgesetzt.  1945 wurde er der Französische Staatspräsident wurde ein Teil von Deutschland als Besatzungszone zur Verwaltung zugewiesen. 1947 schlossen sich die westlichen Besatzungsmächte zu einem Alliierten Kontrollrat der Deutschen zusammen; 1948 wurden die westdeutschen Bundesländer[13] [13]Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern, später das Saarland, und seit 1991 gehören endlich auch  Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Sachsen und Thüringen zur Bundesrepublik Deutschland in einem 2+4-Vertrag zu einem freiheitlichen Staat anerkannt: Im Mai 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet; Bonn war bis 1990  die Hauptstadt. – Ein halbes Jahr später, im Oktober 1949 entstand im Osten das „andere“ Deutschland: die Deutsche Demokratische Republik (DDR), – aber hier hatte Russland mit dem Diktator Stalin die Macht, wie in allen Staaten ganz Ost- und Südost-Europas und Nord-Asiens. (UdSSR: Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken).

Die Bundesrepublik Deutschland trat 1954 den westlichen Verteidigungsbündnissen bei und bildete mit Frankreich, Italien und den Benelux-Staaten die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Die „soziale Marktwirtschaft“ wurde nun zur Schöpferin des wachsenden deutschen  Wohlstandes („Wirtschaftswunder“).

So entstanden dort der Ostblock und ‚hier‘, im Westen der NATO-Block[14] [14]Die NATO (englisch North Atlantic Treaty Organization,  im Deutschen  als Nordatlantikpakt bezeichnet)  ist eine Internationale Organisation ohne Hoheitsrechte. Ihre Mitgliedstaaten behalten ihre volle Souveränität und Unabhängigkeit. Basis der NATO ist der Nordatlantikvertrag nach Artikel 51 der UN-Charta. Ihre Organisation versteht sich nicht nur als Verteidigungsbündnis, sondern auch als militärisch-politische Organisation von 29 europäischen und nordamerikanischen Mitgliedstaaten mit dem Ziel eigener Sicherheit und weltweiter Stabilität. – Der Verwaltungssitz ist Brüssel mit den west- und südeuropäischen Staaten und den USA;- und Deutschland mittendrin – und zerteilt. Bis in die Mitte der 80er Jahre herrschte zwischen diesen beiden Machtblöcken der Kalte Krieg – mit gegenseitigem Misstrauen und Wettrüsten. Es war ein Krieg mit Worten, – kein Wunder also, dass er auch die Sprachen veränderte: Deutschland war zweimal der Gefahr ausgesetzt, sich zu einer Diktatur zu entwickeln, beide Male haben sich diese Phasen in unserer Sprache niedergeschlagen, im Hitler-Deutschland (12 oder 13 Jahre) und in der DDR (40 bis 45 Jahre), die uns ein Zwei-Staaten– und Zwei-Sprachen-Land bescherten. Zum Glück währte die Teilung „nur“ 12 bis 45 Jahre, bis die Grenze der Teilung und die Berliner Mauer wieder  fielen.

Abb. 113: Die Mauer durch Berlin, bewachte Befestigungsanlagen von Norden nach Süden durch ganz Deutschland. – Dieses Foto findet sich auch in dem Buch „Mauerstücke“
Erinnerungsgeschichten, Hrsg. Bettina Buske und Patricia Koelle, Verl. Dr. Ronald Henss –
ISBN 978-3-939937-08-1

Aber das Vokabular des Dritten Reiches und die Verwandlungen von Hunderten von Begriffen hatten deutliche Spuren in unserer Sprache hinterlassen. (Post 23!)

Auch die Deutsche Demokratische Republik noch 1949 als Staat gegründet, auch sie erreichte einen wirtschaftlichen Aufschwung, wenn auch später als die Bundesrepublik und in geringerem Ausmaß; wegen der erheblichen Einschränkungen in allen Lebensbereichen durch Regierung und die sowjetischen Besatzer.[15] [15].. vor allen Dingen wegen des Auswanderungs– und Reiseverbots in ‚westliche‘ (kapitalistische) Länder, zu denen auch ‚Westdeutschland‘ bestimmt wurde .. Darum flüchteten auch bis 1961 etwa drei Millionen Bewohner der DDR in die Bundesrepublik („in den Westen“). Um dies zu verhindern, wurde seit 1952 zunächst die Grenze nach Westdeutschland so ausgebaut, dass sie kaum zu überwinden war. – Die DDR galt im ‚Ostblock‘ als Musterschüler Russlands, ein Briefauszug (im Post 23) wird Ihnen das deutlich machen. – Verhandlungen zwischen den beiden deutschen Staaten verliefen äußerst schleppend. 1961 wurde dann auch die Sektorengrenze in Berlin durch den Bau einer hohen Mauer zu einer Sperre ausgebaut – s. o.: Abb. 105[16] [16]Grenzanlagen aus der DDR-Zeit sind in Berlin und an früheren Grenz-Übergängen zur Besichtigung erhalten geblieben. Durch einen Beschluss der Sowjetunion und der DDR-Regierung wurde im August 1961 die Berliner Mauer und die 1378 Kilometer lange innerdeutsche Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland mit Stacheldrahtzaun, „Todesstreifen“ und Grenzwachen durch die Volksarmee befestigt. Für die DDR-Grenzsoldaten galt seit 1960 in Fällen des „ungesetzlichen Grenzübertritts“ der Schießbefehl, der erst 1982 formell in ein Gesetz gefasst wurde. Bei den Versuchen, die 167,8 Kilometer langen und schwer bewachten Grenzanlagen in Richtung West-Berlin zu überwinden, wurden nach einem Forschungsstand von 2009 zwischen 136 und 245 Menschen getötet. Die genaue Zahl der Todesopfer an der Berliner Mauer ist nicht bekannt. –

Noch im Mai 1989 flohen fast tausend DDR-Bürger, die aufgrund von Medienmeldungen teilweise spontan und gezielt in Ungarn Urlaub machten, nach Österreich. Weitere folgten, die Deutschen Botschaften in Budapest und Warschau waren plötzlich von geflohenen DDR-Bürgern überfüllt. Ungarn ließ ohne vorherige Absprache mit der DDR-Regierung alle anwesenden Ausreise willigen DDR-Bürger in den Westen passieren. Im Herbst und Winter 1989 setzte ein Wechsel des Regierungssystems ein: in Polen, in Ungarn, in der ČSSR sowie in Bulgarien und Rumänien, letztlich auch in der DDR, wo sich schon seit September 1989 an jedem Montag eine stetig ansteigende Menschenmenge in und an verschiedenen Kirchen der Messestadt Leipzig zu  Friedensgebeten trafunter Leitung des evangelischen Pfarrers Christoph Wonneberger an der Leipziger Nikolei-Kirche. Diese Montagsdemonstrationen waren ein bedeutender Bestandteil der Friedlichen Revolution in der DDR und der so genannten Wende im Herbst 1989.

Die grundlegende Ursache für die Unzufriedenheit der Bevölkerung lag neben dem Mangel an Selbstbestimmung und Freiheit auch im wirtschaftlichen Zusammenbruch der einheitlich aufgebauten und diktatorisch regierten Staaten in der Sowjetunion.

4. Teil: Deutschland, wieder vereint und . . .

Schon 1985 hatte der neue Generalsekretär der Sowjetunion Michail Gorbatschow auf den absehbaren Missstand reagiert. Er leitete ab Anfang 1986 den Prozess zu Umbau und Modernisierung (Perestroika) des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Systems der Sowjetunion ein (nach Wikipedia).  in der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 fiel aufgrund der friedlichen Demonstration und eines Fehlers in einer Pressekonferenz der DDR die Mauer!  Unglaubliche Freude, Jubel in Berlin.

Abb. 114: Deutsche aus den beiden Staaten stehen auf der „Todesmauer“ vor dem Brandenburger Tor in Berlin und feiern die Freiheit

1991 war Gorbatschows Perestroika abgeschlossen. Für diese Entwicklung waren wesentliche Systemfaktoren des Ostblocks geschrumpft worden der auch bald als Ost-Block auseinanderfiel.

Michail Gorbatschow erklärte 1992 in seinen Memoiren: „Alles, was in den letzten Jahren in Osteuropa geschehen ist, wäre ohne diesen Papst nicht möglich gewesen.“[17] [17]Johannes Paul II. (lateinisch Ioannes Paulus PP. II) bürgerlich Karol Józef Wojtyła; ein polnischer Priester, *  1920 in Wadowice,  †  2005 in der Vatikanstadt, war von 1978 bis zu seinem Tod über 26 Jahre lang Papst der römisch-katholischen Kirche, was alle europäischen Katholiken und ganz besonders alle Polen mit Stolz erfüllte – Das war ein weiterer Beleg für die Kraft des christlichen Glaubens, der – in der römisch-katholischen Kirche der osteuropäischen Staaten tief verwurzelt ist. – 1992 gründete Russland den GUS-Staatenbund.[18] [18]GUS: Gemeinschaft unabhängiger Staaten

. . . die Deutsche Sprache bis heute

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts gab es – und bis heute gibt es – noch weitere Einflüsse auf die deutsche Sprache. Zum einen wurde durch die schnelle Verbreitung audiovisueller Massenmedien eine natürliche Tendenz zur Standardisierung gefördert, zum anderen wurde in ländlichen Gebieten bewusst eine Umerziehung von den Dialekten zum Hochdeutschen betrieben durch die Schulen.[19] [19]Allerdings ist dieser Trend inzwischen einem „Sowohl-als-Auch“ gewichen: in vielen ländlichen Schulgebieten entstehen immer öfter Arbeitsgemeinschaften oder sogar Wahlfächer für den jeweiligen Landes-Dialekt als Beitrag zur Regionalen Kultur-Pflege. Hinzu kam, dass deutsche Sprachinseln in Osteuropa durch den Zweiten Weltkrieg weitgehend verschwanden, und dass viele Sprecher der jüdischen Dialekte des Deutschen und der aus dem Deutschen entstandenen jiddischen Sprache ermordet (Holocaust) worden waren oder als sprachliche Minderheit außerhalb der deutschen Sprachzone leben und aufgrund der Dominanz der umgebenden Sprachen die Verwendung des Deutschen bzw. des Jiddischen immer mehr verlieren.  Und auch die Teilung Deutschlands hat zu einer unterschiedlichen Entwicklung des Vokabulars und der Ausdrucksformen geführt  (siehe Post 23!). Dem entgegen steht eine erneut vereinheitlichende Tendenz durch die Medien und die personelle Mobilität in der Zeit nach der Wiedervereinigung. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der englische, genauer: der angloamerikanische Einfluss auf die deutsche Sprache bedeutsam geworden. Er zeigt sich in Form von Anglizismen, hauptsächlich im Wortschatz und in Redewendungen – (kursiv: nach S. Jacob / Post 1/-  „Denglisch“).

1990 wurde in Moskau ein Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Demokratischen Republik sowie Frankreich, der Sowjetunion, Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika unterzeichnet, der machte den Weg für die Wiedervereinigung Deutschlands frei, die am 15. März 1991, dem Tag der Hinterlegung der letzten Ratifikationsurkunde in Kraft trat.

Deutsch ist heute Staatssprache im wiedervereinigten Deutschland, in Österreich, in der Schweiz (neben Französisch und Italienisch), in Luxemburg (niederfränkisch: „Lëtzebuergesch“), Liechtenstein und Belgien (Minderheitssprache neben Niederländisch und Französisch). Bis vor kurzem hat es deutschsprachige Bevölkerungsgruppen im heutigen Russland, in Polen, Rumänien und Ungarn gegeben. Die sind aber fast verschwunden, seit die Grenzen nach Westeuropa geöffnet sind und die „Auslandsdeutschen“ versuchen, nach Deutschland zu übersiedeln.

Die Geltung und das Ansehen der deutschen Sprache sind durch das Unheil des Nationalsozialismus schwer geschädigt worden. Wenn Deutsch bis 1933 mit großer Selbstverständlichkeit bei den meisten unserer Nachbarn, in Belgien, Holland, Skandinavien, Polen, Ungarn die erste Fremdsprache war, die gelernt und gesprochen wurde, so sind es dort heute gerade noch 10% der Fremdsprachenschüler, die sich dem Deutschen zuwenden. Das Englische hat dem Deutschen als europäische Verkehrssprache aus dem gleichen Grund den Rang abgelaufen.

Die heutige militärische und kulturelle Vormacht der USA ist dadurch begründet worden, dass sie in den Krieg einbezogen wurden, seither als „Schutzmacht“ von Demokratie und Freiheit an der europäischen Politik beteiligt sind und ihre Lebensart exportieren. Nicht nur in Deutschland, sondern fast überall in der westlich ‚zivilisierten‘ Welt sehen wir amerikanische Filme (in vielen Ländern ohne Synchronisation) und hören englisch-sprachige Popmusik. Das hat große  Auswirkungen auf die Muttersprachen: Englisch hat in allen kulturellen Bereichen die früher führenden Sprachen aus ihren Positionen verdrängt – das Deutsche aus der Wissenschaft, das Französische aus der Diplomatie, das Italienische aus der Musik.

(Dieser Absatz gehört wieder vollständig zum Text von S. Jacob, es bildet dort das Schlusswort)

„Zusammenfassend lässt sich der Weg einer Weltsprache als Aneinanderreihung von historischen Zufällen darstellen: Vor 1500 Jahren eroberte eine Schar von Sächsisch sprechenden Germanen aus Deutschland die britischen Inseln. Verstärkt durch wikingischen Abenteuergeist, machten sich diese Auswanderer 1.000 Jahre später auf, ein riesiges Kolonialreich zu begründen. Sie eroberten einen neuen Kontinent und entwickelten dort mit anderen Einwanderern eine neue Staatsform. Die amerikanische Neugründung war so erfolgreich, dass ihre Träger in die Lage versetzt wurden, ihre Sprache über die ganze Erde zu verbreiten. So ist das Idiom der Auswanderer, nun getragen von einem ganz anderen Volk, in neuem Gewand als Eroberer in die alte Heimat zurückgekehrt – nach Mitteleuropa, nach Deutschland.“ –

Ich ziehe einen weniger emotionalen Bogen vor und greife noch einmal das Generalthema auf: Die indoeuropäischen Wurzeln nahezu aller Muttersprachen Europas und einige „Gedanken zum Deutschen“. Über ihre Geschichte hinaus ist die Sprache als Bestandteil des Menschen direkt beteiligt an der Entwicklung unserer Gesellschaft, – sie ist das Deutsche an der Entwicklung aller Deutschen.

 

Anmerkungen

[1] Otto Dix, * 2. Dezember 1891 in  Gera; † 25. Juli 1969 in Singen a. R., war einer der bedeutendsten Maler und Grafiker des 20. Jahrhunderts (Realismus), kämpfte im 1. Weltkrieg (wie viele junge Künstler), wurde Professor an der Künstlerakademie Dresden und erhielt nach Hitlers Machtergreifung als einer der ersten Künstler Malverbot. Auch in der DDR wurde er, trotz seines kritischen Realismus, nicht sonderlich geschätzt, 1959 wurde er in der Bundesrepublik mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

[2] Mit der Formulierung das geistige Bewusstsein unserer Gesellschaft möchte ich (pauschal und laienhaft und auch recht grob) die Gesamtheit dessen andeuten, was ich oben in  Post 18 und Post 19  zusammengestellt habe: Bewusstsein für  das Wissen und das Leben mit allem, was unsere Welt qualitativ und quantitativ bereichert hat, bis zu den Erfahrungen, die uns die unermesslichen Welten der Bilder, der Klänge und der Texte, die unser Leben bereichern

[3]  Das deutsche Kaiserreich (1871-1918) war zwar für kurze Zeit die stärkste Macht in Europa, aber die innenpolitisch aufgestauten Gegensätze wie auch die zu den Nachbarstaaten Frankreich, England und Russland waren unüberbrückbar und führten schließlich bald zum Ersten Weltkrieg, den Deutschland mit Österreich begann (1914 -1918) – – und verlor. Ich war versucht, dieses Jahrhundert als die Ära deutscher Eruptionen zu betiteln, räume aber ein, das diese dramatische Überbewertung nur auf meine politisch nachlässig betriebene Bildung zurückzuführen sein kann

[4] Die Ostfront erstreckte sich von der Adria (nördlich von Albanien) über Ungarn [an Polen vorbei] bis Königsberg, die Westfront ging von den Vogesen im Osten Frankreichs direkt bis Verdun und an die Somme (zwei jahrelange Kämpfe und Schlachten) bis an den Kanal, – ganz Belgien, Luxemburg und die Niederlande waren bereits besetzt

[5] In Teilen der Weimarer Verfassung werden Passagen der Verfassung von 1848 (aus der Paulskirche – Post 18) aufgegriffen oder übernommen, – wie auch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland von 1949 (und im Völkerrecht) beide Verfassungen widergespiegelt werden

[6] Der Friedensvertrag von Versailles brachte Deutschland viele Gebietsverluste, es musste sehr große Reparationsleistungen auf sich nehmen. In den ersten fünf Jahren war das Bestehen der Weimarer Republik durch innere Wirren, durch einen gewaltigen wirtschaftlichen Niedergang (Inflation) und durch die französische Besetzung des Ruhrgebiets immer wieder bedroht. Erst 1924 gab es unter dem Außenminister Stresemann eine Beruhigung. Deutschland wurde 1926 Mitglied des Völkerbundes

[7]  Junge Arbeitskräfte wurden aus dem Handwerk für die Rüstungsindustrie und die Wehrmacht (!) abgezogen und schwächten die Versorgung der Bevölkerung

[8]  Hitler führte 1935 die allgemeine Wehrpflicht ein; 1936 besetzte er das Rheinland und ging Bündnisse mit Italien und Japan ein; 1938 wurden Österreich und das Sudetenland an das Reich „angeschlossen“; tatsächlich waren das militärische Annexionen (= einseitig beschlossene Besetzungen/politische Übernahmen). Diese ‚Erfolge‘ sicherten Hitler die begeisterte Stimmung des größten Teils des Volkes und ließen viele Menschen über Gesetzlosigkeit und Brutalitäten seines Regimes hinwegsehen, als deren furchtbarste die Judenvernichtung in die Geschichte eingegangen ist. Der Plan zu diesem Verbrechen lag längst vor, und die Wannseekonferenz gab 1942 schließlich das offizielle Startsignal für den Massenmord an allen Juden

[9]  Es hatte nicht nur „diese zwanzig“ industriell organisierten Vernichtungslagen gegeben: über 1.000 „Konzentrationslager“ hatten die Deutschen im von ihnen eroberten Europa und natürlich „in der Heimat“ errichtet, dort wurde ‚durch Arbeit, Hunger und Folter (auch von Medizinern)‘ gemordet

[10]  Im August 1939 griff Hitler Polen an, in etwas mehr als zwei Jahren eroberte das Hitler-Deutschland fast ganz Europa. Sein Vorstoß nach Russland bis vor Moskau geriet zum Fiasko [ca. 150.000 Deutsche starben, mehr als 200.000 wurden Kriegsgefangene, die letzten wurden 1955 „in die Heimat“ entlassen. Der Kriegsausbruch zwischen Japan und den USA im Dezember 1941 führte auch die USA in den Krieg gegen Deutschland. Die Alliierten (das waren verbündete Staaten und deren Soldaten, die den Deutschen entkommen waren und nun entschlossen auf der Seite der ‚Retter‘ kämpften,) zerstörten die deutschen Städte durch Bombenangriffe, der Luft- und der Seekrieg gingen bald verloren, die deutschen Heere wurden immer weiter zerschlagen oder/und zurückgedrängt. 1944 misslang auch der Versuch eines Widerstandskreises, die Hitlerherrschaft zu beseitigen (Attentat des Grafen Stauffenberg). 1945 wurde Deutschland erobert und musste am 9. Mai kapitulieren. Hitler hatte zuvor Selbstmord begangen. –

[11]  Noch immer: Bilanz des Zweiten Weltkrieges: 51 Staaten hatten Deutschland den Krieg erklärt; 65 Millionen Kriegstote (eher) über 80 Millionen (Soldaten, Zivilopfer, Vernichtungsopfer), ca. 6 Millionen vernichtete Juden in Konzentrationslagern, außerdem zahllose Verbrechen an Sinti und Roma, Behinderten, politischen Gegnern, Homosexuellen; zusätzlich waren etwa 14 Millionen Vertriebene aus ehemaligen Ostgebieten über die Elbe geflohen. die ehemaligen Länder Ostpreußen, Hinterpommern und Schlesien wurden dem (wieder einmal) neu eingerichteten Staat Polen zugesprochen; dessen Grenze zu ‚Deutschland‘ (verlief) verläuft nun etwa entlang der Oder und der Neiße. – Deutschlands Kriegsverbrechen  (s.o.) erfüllten natürlich den Tatbestand der „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sie wurden vor den Prozessen von Nürnberg und Tokio behandelt. Frankreich war in dem ersten Treffen der Großen Drei (Weltmächte) UdSSR – GB – USA von Churchill dazu geladen worden, weil die Deutschen in Nordafrika (!) noch nicht besiegt waren und Frankreich in ganz Nordwest-Afrika als Kolonialmacht geherrscht hatte. Diese vier Siegermächte verhandelten Deutschlands Zukunft

[12]  Frankreich war wegen seiner riesigen Kolonien in Nordafrika nicht nur durch die frühe deutsche Besetzung (1941 bis 45) betroffen, General de Gaulle hatte den Widerstand des Freien Frankreichs gegen die deutsche Besatzung angeführt und später – mit entflohenen Militärs von London aus – auch fortgesetzt.  1945 wurde er der Französische Staatspräsident.

[13]  Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern, später das Saarland, und seit 1991 gehören endlich auch  Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Sachsen und Thüringen zur Bundesrepublik Deutschland

[14]  Die NATO (englisch North Atlantic Treaty Organization,  im Deutschen  als Nordatlantikpakt bezeichnet)  ist eine Internationale Organisation ohne Hoheitsrechte. Ihre Mitgliedstaaten behalten ihre volle Souveränität und Unabhängigkeit. Basis der NATO ist der Nordatlantikvertrag nach Artikel 51 der UN-Charta. Ihre Organisation versteht sich nicht nur als Verteidigungsbündnis, sondern auch als militärisch-politische Organisation von 29 europäischen und nordamerikanischen Mitgliedstaaten mit dem Ziel eigener Sicherheit und weltweiter Stabilität. – Der Verwaltungssitz ist Brüssel

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[15]  .. vor allen Dingen wegen des Auswanderungs– und Reiseverbots in ‚westliche‘ (kapitalistische) Länder, zu denen auch ‚Westdeutschland‘ bestimmt wurde ..

[16]  Grenzanlagen aus der DDR-Zeit sind in Berlin und an früheren Grenz-Übergängen zur Besichtigung erhalten geblieben

[17] Johannes Paul II. (lateinisch Ioannes Paulus PP. II) bürgerlich Karol Józef Wojtyła; ein polnischer Priester, *  1920 in Wadowice,  †  2005 in der Vatikanstadt, war von 1978 bis zu seinem Tod über 26 Jahre lang Papst der römisch-katholischen Kirche, was alle europäischen Katholiken und ganz besonders alle Polen mit Stolz erfüllte.

[18] GUS: Gemeinschaft unabhängiger Staaten
 
[19] Allerdings ist dieser Trend inzwischen einem „Sowohl-als-Auch“ gewichen: in vielen ländlichen Schulgebieten entstehen immer öfter Arbeitsgemeinschaften oder sogar Wahlfächer für den jeweiligen Landes-Dialekt als Beitrag zur Regionalen Kultur-Pflege

Anmerkungen   [ + ]

1. Otto Dix, * 2. Dezember 1891 in  Gera; † 25. Juli 1969 in Singen a. R., war einer der bedeutendsten Maler und Grafiker des 20. Jahrhunderts (Realismus), kämpfte im 1. Weltkrieg (wie viele junge Künstler), wurde Professor an der Künstlerakademie Dresden und erhielt nach Hitlers Machtergreifung als einer der ersten Künstler Malverbot. Auch in der DDR wurde er, trotz seines kritischen Realismus, nicht sonderlich geschätzt, 1959 wurde er in der Bundesrepublik mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt
2. .. mit allem, was ich oben in Post 18 und Post 19 zusammengestellt habe: mit dem Wissen und dem Erleben, das unsere Welt bereichert hat, einschließlich aller Erfahrungen, die uns die unermesslichen Welten neuer Bilder, neuer Klänge und neuer Texte anbieten,
3. Das deutsche Kaiserreich (1871-1918) war zwar für kurze Zeit die stärkste Macht in Europa, aber die innenpolitisch aufgestauten Gegensätze und auch die Spannungen zu den Nachbarstaaten Frankreich, England und Russland waren unüberbrückbar und führten schließlich zum Ersten Weltkrieg, den Deutschland mit Österreich begann [1914] – – und verlor [1918)].
4. Die Ostfront erstreckte sich von der Adria (nördlich von Albanien) über Ungarn [an Polen vorbei] bis Königsberg, die Westfront ging von den Vogesen im Osten Frankreichs direkt bis Verdun und an die Somme (zwei jahrelange Kämpfe und Schlachten) bis an den Kanal, – ganz Belgien, Luxemburg und die Niederlande waren bereits besetzt
5. In Teilen der Weimarer Verfassung werden Passagen der Verfassung von 1848 (aus der Paulskirche – Post 18) aufgegriffen oder übernommen, – wie auch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland von 1949 (und im Völkerrecht) beide Verfassungen widergespiegelt werden
6. Der Friedensvertrag von Versailles brachte Deutschland viele Gebietsverluste, es musste sehr große Reparationsleistungen auf sich nehmen. In den ersten fünf Jahren war das Bestehen der Weimarer Republik durch innere Wirren, durch einen gewaltigen wirtschaftlichen Niedergang (Inflation) und durch die französische Besetzung des Ruhrgebiets immer wieder bedroht. Erst 1924 gab es unter dem Außenminister Stresemann eine Beruhigung. Deutschland wurde 1926 Mitglied des Völkerbundes
7. Junge Arbeitskräfte wurden aus dem Handwerk für die Rüstungsindustrie und die Wehrmacht (!) abgezogen und schwächten die Versorgung der Bevölkerung
8. Hitler führte 1935 die allgemeine Wehrpflicht ein; 1936 ließ er [um den befreundeten Diktator Franko in Spanien zu unterstützen – vgl. Post 25: Beitragsbild und –Text:] das Pyrenäen-Dorf Guernika bombardieren besetzte das Rheinland und ging Bündnisse mit Italien und Japan ein; 1938 wurden Österreich und das Sudetenland an das Reich „angeschlossen“; tatsächlich waren das militärische Annexionen (= einseitig beschlossene Besetzungen/politische Übernahmen). Diese ‚Erfolge‘ sicherten Hitler die begeisterte Stimmung des größten Teils des Volkes und ließen viele Menschen über Gesetzlosigkeit und Brutalitäten seines Regimes hinwegsehen, als deren furchtbarste die Judenvernichtung in die Geschichte eingegangen ist. Der Plan zu diesem Verbrechen lag längst vor, und die Wannseekonferenz gab 1942 schließlich das offizielle Startsignal für den Massenmord an allen Juden
9. Es hatte nicht nur „diese zwanzig“ industriell organisierten Vernichtungslager gegeben: über 1.000 „Konzentrationslager“ hatten die Deutschen im von ihnen eroberten Europa und natürlich „in der Heimat“ errichtet, dort wurde ‚durch Arbeit, Hunger und Folter (auch von Medizinern)‘ gemordet
10. Im August 1939 griff Hitler Polen an, in etwas mehr als zwei Jahren eroberte das Hitler-Deutschland fast ganz Europa. Sein Vorstoß nach Russland bis vor Moskau geriet zum Fiasko [ca. 150.000 Deutsche Soldaten starben, mehr als 200.000 wurden Kriegsgefangene, die letzten wurden 1955 „in die Heimat“ entlassen. Der Kriegsausbruch zwischen Japan und den USA im Dezember 1941 führte auch die USA in den Krieg gegen Deutschland. Die Alliierten (das waren verbündete Staaten und deren Soldaten, die den Deutschen entkommen waren und nun entschlossen auf der Seite der ‚Retter‘ kämpften,) zerstörten die deutschen Städte durch Bombenangriffe, der Luft- und der Seekrieg gingen bald verloren, die deutschen Heere wurden immer weiter zerschlagen oder/und zurückgedrängt. 1944 misslang auch der Versuch eines Widerstandskreises um den Grafen Stauffenberg, die Hitlerherrschaft zu beseitigen; alle wurden – insgesamt mehr als 1.000! –  umgebracht: gehenkt, erschossen, mit dem Fallbeil oder einfach erschlagen. 1945 wurde Deutschland erobert und musste am 9. Mai kapitulieren. Hitler hatte zuvor Selbstmord begangen
11. Noch immer: Bilanz des Zweiten Weltkrieges: 51 Staaten hatten Deutschland den Krieg erklärt; 65 Millionen Kriegstote (eher) über 80 Millionen (Soldaten, Zivilopfer, Vernichtungsopfer), ca. 6 Millionen vernichtete Juden in Konzentrationslagern, außerdem zahllose Verbrechen an Sinti und Roma, Behinderten, politischen Gegnern, Homosexuellen; zusätzlich waren etwa 14 Millionen Vertriebene aus ehemaligen Ostgebieten über die Elbe geflohen. die ehemaligen Länder Ostpreußen, Hinterpommern und Schlesien wurden dem (wieder einmal) neu eingerichteten Staat Polen zugesprochen; dessen Grenze zu ‚Deutschland‘ (verlief) verläuft nun etwa entlang der Oder und der Neiße. – Deutschlands Kriegsverbrechen  (s.o.) erfüllten natürlich den Tatbestand der „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sie wurden vor den Prozessen von Nürnberg und Tokio behandelt. Frankreich war in dem ersten Treffen der Großen Drei (Weltmächte) UdSSR – GB – USA von Churchill dazu geladen worden, weil die Deutschen in Nordafrika (!) noch nicht besiegt waren und Frankreich in ganz Nordwest-Afrika als Kolonialmacht geherrscht hatte. Diese vier Siegermächte verhandelten Deutschlands Zukunft
12. Frankreich war wegen seiner riesigen Kolonien in Nordafrika nicht nur durch die frühe deutsche Besetzung (1941 bis 45) betroffen, General de Gaulle hatte den Widerstand des Freien Frankreichs gegen die deutsche Besatzung angeführt und später – mit entflohenen Militärs von London aus – auch fortgesetzt.  1945 wurde er der Französische Staatspräsident
13. Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern, später das Saarland, und seit 1991 gehören endlich auch  Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Sachsen und Thüringen zur Bundesrepublik Deutschland
14. Die NATO (englisch North Atlantic Treaty Organization,  im Deutschen  als Nordatlantikpakt bezeichnet)  ist eine Internationale Organisation ohne Hoheitsrechte. Ihre Mitgliedstaaten behalten ihre volle Souveränität und Unabhängigkeit. Basis der NATO ist der Nordatlantikvertrag nach Artikel 51 der UN-Charta. Ihre Organisation versteht sich nicht nur als Verteidigungsbündnis, sondern auch als militärisch-politische Organisation von 29 europäischen und nordamerikanischen Mitgliedstaaten mit dem Ziel eigener Sicherheit und weltweiter Stabilität. – Der Verwaltungssitz ist Brüssel
15. .. vor allen Dingen wegen des Auswanderungs– und Reiseverbots in ‚westliche‘ (kapitalistische) Länder, zu denen auch ‚Westdeutschland‘ bestimmt wurde ..
16. Grenzanlagen aus der DDR-Zeit sind in Berlin und an früheren Grenz-Übergängen zur Besichtigung erhalten geblieben.
17. Johannes Paul II. (lateinisch Ioannes Paulus PP. II) bürgerlich Karol Józef Wojtyła; ein polnischer Priester, *  1920 in Wadowice,  †  2005 in der Vatikanstadt, war von 1978 bis zu seinem Tod über 26 Jahre lang Papst der römisch-katholischen Kirche, was alle europäischen Katholiken und ganz besonders alle Polen mit Stolz erfüllte
18. GUS: Gemeinschaft unabhängiger Staaten
19. Allerdings ist dieser Trend inzwischen einem „Sowohl-als-Auch“ gewichen: in vielen ländlichen Schulgebieten entstehen immer öfter Arbeitsgemeinschaften oder sogar Wahlfächer für den jeweiligen Landes-Dialekt als Beitrag zur Regionalen Kultur-Pflege