Post 1: Die Muttersprachen  in Europa – Sprachgeschichtliche Einführung und Betrachtungen der Deutschen Sprache

  Klaus D. Fuhrmann ©

 Im Thema dieses Blogs sind die beiden großen Textabschnitte bereits benannt:

Zunächst werden sprachgeschichtliche Entwicklungen verschiedener Muttersprachen unseres Erdteils Europa vorgestellt; anschließend – vom Post 15 an – überdenke ich einige Aspekte  der Deutschen Sprache. Für Leserinnen und Leser, die die deutsche Sprache näher kennenlernen wollen (oder sollen), kann dieser Teil besonders hilfreich und interessant sein.  Zur Einführung in das Thema der Sprachgeschichte ist dieser Post 1 jedoch erforderlich.

Zum Thema, zum Inhalt, zum Autor

Zwei sehr verschiedene Ereignisse haben mich zu diesem Text angeregt:

  1. Zum 500. Jahrestag der Reformationhatte ich mir 2017 die neue Lutherbibel gekauft und mich mit den sehr informativen Begleit-Texten dieser Buchausgabe beschäftigt (Deutsche Bibelgesellschaft 2017). [1] [1]Die Geschichte der Bibel . . – Das Buch der Bücherkommt aus dem Morgenland, jenem märchenhaften Land an bzw. hinter der Ostküste des Mittelmeeres,  wo  [jedenfalls morgens und von Italien und Griechenland aus gesehen] die Sonne aufgeht. Die Bibel wird seit mehr als 2.000 Jahren auch das Buch der Bücher genannt, wobei mit ‚Bücher‘ die verschiedenen Schriften gemeint sind, die dort gefunden wurden und die schon seit mehr als 3.000 Jahren von den damals in den östlichsten Landgebieten des Mittelmeers lebten, verfasst und gesammelt,  zusammengebunden und kanonisiert wurden; d.h. sie wurden zu einem Heiligtum erhoben, was sie auch für die ersten Christen und inzwischen für alle Christen dieser Welt geblieben sind. Diese  Schriften wurden immer wieder von den  bedeutenden Personen der Kirche und der wissenschaftlichen Forschung testiert (beglaubigt, wie heute noch Testate über Schul- und Studienveranstaltungen testiert werden). Darum wurden sie Testamente genanntoder auch: das Wort Gottes. Dazu wurden die Schriftfunde bis heute immer wieder von den Bibelforschern sprachgeschichtlich untersucht und kanonisiert (eingeordnet).

In der Bibel wurden/werden prinzipiell zwei Testamente unterschieden. – Und alle diese Leder- oder Pergament- und Papyrusrollen stammten und stammen aus dem vergleichsweise kleinen, ca. 600 x 300 km großen Landgebiet, das in der Abbildung 3 unten orange gepunktet ist – von frz.: lever/ aufstehen, [sich] erheben). Die Levante ist auch  der Entstehungs- und der Brennpunkt der alten großen Religionen unserer Erde (Juden, Christen und seit 1.500 Jahren auch der Islam). In dieser Karten-Skizze sehen wir ein riesiges Landgebiet, eingekeilt zwischen den Kontinenten Europa, Asien und Afrika. In der kleinen Levante liegen heute die Staaten: Libanon, Israel, Palästina und teilweise auch Syrien und Jordanien. Zufall? – Doch zurück zur Bibel:

Abb. 3: Subkontinent zwischen Europa, Asien und Afrika: das Landgebiet von  VORDERASIEN ist größer als ein Drittel von EUROPA. Vorderasien  gehört geografisch zu Asien.

Der erste Teil, das Alte Testament, besteht aus den ältesten Texten. Es sind uralte Sprüche, Verse, Lieder (Psalmen), Lehrsätze, Briefe, Chroniken und Aufrufe (‚Weisheiten‘) von mehr als zwanzig Propheten, zum Teil noch in Keilschrift geschrieben. Propheten waren nicht etwa weise „Seher“, die die Zukunft voraussahen: Das ist eine verbreitete irrtümliche Volksmeinung. Diese Propheten, die Autoren der Bibel, hatten vielmehr durch göttliche Eingebung oder Visionen eine Botschaft zu verkünden und auch – teilweise nach mündlicher Überlieferung über Generationen hinweg – von ihren Schülern aufgeschrieben,  zumeist in Hebräisch, aber auch in Aramäisch und in Griechisch.  Man unterscheidet [heute] vier Bücher dieses Alten Testaments, abgekürzt AT: Gesetzesbücher, Geschichtsbücher, Poetische Bücher und Lehrbücher.

Der zweite Bibelteil heißt das Neue Testament, abgekürzt NT. Nach Wikipedia umfasst er „eine Sammlung von 27 Schriften des Urchristentums in griechischer Sprache, die Jesus Christus als den zur Rettung Israels und des Kosmos gekommenen Messias und Sohn Gottes verkünden. Auch diese Schriften beziehen sich oft auf das Alte Testament, die heiligen Schriften der Juden, aber sie sind nicht älter als ca. 2.000 Jahre.“ Wir können diese Autoren also als Zeitzeugen von Jesus betrachten.

Die Schriften des NT lassen sich in vier Textgattungen unterscheiden: Erstens die vier Evangelien, die aus Jesu Leben, Sterben und Auferstehen erzählend berichten, zweitens die ‚Apostelgeschichte‘, drittens 21 Briefe an christliche Gemeinden und Mitarbeiter sowie viertens eine Apokalypse, ‚Johannesoffenbarung‘ genannt.

Beide Schriften zusammen – Altes und Neues Testament – bilden also die Bibel, die von allen christlichen Glaubensgemeinschaften als Wort Gottes und Grundlage ihres Glaubens betrachtet wird.

2. Meine Tochter hat mich auf einen Blog mit dem Titel Die Geschichte der deutschen Sprache von Stefan Jacob aufmerksam gemacht (© 2003-2006 in Wikipedia). Und sie hat mir das ganze Know-how zum Bloggen beigebracht. Dafür danke ich Dir sehr, Rikki.

Martin Luther   

ist nicht nur der Glaubensmann, der gegen mehrere Verhaltensregeln der „alten“ christlichen Kirche protestierte und den Protestantismus, den lutherisch-evangelischen Glauben predigte. Seit Luther – seit 500 Jahren also bestimmt der Protestantismus das Christentum neben dem katholischen und weiteren Glaubensrichtungen den christlichen Glauben in unserer Welt.

Mit dem Jahr 1517 und mit  der Reformation verbinden wir im Allgemeinen den Protest-Akt von dem Mönch, Prediger und Theologie-Professor Luther gegen seine Kirche. Reformation[2] [2] Die Reformation (das Wort bedeutet geistige Wiederherstellung, Erneuerung) war schon ein sensationelles Ereignis innerhalb der deutschen und der europäischen Gesellschaft: sie spaltete die „neue“ evangelische Konfession von dem 1.500 Jahre alten römischen Katholizismus ab, der schon 500 Jahre zuvor die Hälfte seiner Gläubigen an die orthodoxen Christen (Osteuropas), abgegeben hatte. Zur Zeit der Reformation hatten die Menschen gerade von der „neuen Welt Amerika“ erfahren, und die Naturwissenschaften, der technische Fortschritt und die neuen geistigen Bewegungen des Humanismus und der Renaissance verstärkten diesen enormen Umsturz im Alltagsleben, der dazu noch durch die Erfindung des Buchdrucks eine nie dagewesenen Leselust der Menschen und so einem beachtlichen Bildungsschub in der Gesellschaft auslöste /Vgl. dazu: die achte Zwischenbemerkung im Post 17!). Die Schattenseiten dieser tiefgreifenden Erneuerungen innerhalb des christlichen Glaubens zeigten sich in mehr als 100 Jahren voller schrecklicher Kriege in ganz Europa. 

In den Jahren vor und während der Reformation – im Mittelalter also – zogen von Rom, also vom Papst beauftragte Botschafter durch die Deutschen Länder, um möglichst hohe Geldspenden vom Volk einzusammeln. Das zumeist sehr arme streng gläubige Volk konnte sich dafür – so der große Schwindel – nach dem Tod ein friedliches Leben im Himmelreich ‚erkaufen‘ . . .

Abbildung 1: Luther-in-Worms-auf-Rt.jpg ‎(800 × 546 pixels, file size 118 KB, MIME type Imagejpeg)

Luther wurde für seinen Protest von der Kirche verbannt. Er musste fliehen und konnte sich bei einem Landesfürsten verstecken, der sich als einer der ersten seinen „protestantischen“ Lehren anschloss. Luther übersetzte die Bibel, die bis dahin nur in lateinischer Sprache geschrieben war und nur für Kirchenmänner erlaubt war. Er ‚erfand‘ dafür eine eigene Sprache, eine Kombination aus dem Amtsdeutsch seines Heimatlandes Thüringen und persönlichen Wort- und Satzkonstruktionen.

In Luthers Zeit fiel aber auch die Erfindung des Buchdrucks, der in wenigen Jahren zu zigtausend Bibeln in deutscher Sprache führte. Das können Sie in diesem Beitrag (vom Post 16 an) gut nacherleben. – Und Martin Luther gilt darum auch als der Vater der heutigen Deutschen Sprache, sogar unter Sprachforschern.

Oben, in der Mitte des Beitragsbildes, steht Luthers Familienwappen, die Lutherrose. Die Rose trägt den lateinischen Leitspruch VIVIT; das heißt: Er lebt. Sehen Sie darin ein Zeichen Luthers für seinen unerschütterlichen Glauben an seinen und unseren Gott.

Zum Inhalt

  • Der Autor Stefan Jacob ist ein anerkannter Sprachhistoriker, aber sein Text leidet unter der Fülle fachwissenschaftlicher Fakten. Damit setzt er, wie sehr viele Fachwissenschaftler, ein entsprechend hohes Maß an Vorkenntnissen bei seinen Lesern voraus. Andererseits isoliert Jacob die sprachgeschichtliche Entwicklung radikal von jedem allgemeingeschichtlichen Kontext [3]Kontext: Erklärungen über den engen Themenbereich (des Textes) hinaus; schließlich handelt es sich um die Sprache, über die hier nachgedacht wird, und Sprache ist ein zentraler Kulturbereich der Menschheit und ihrer Kommunikation (vgl. Post 25), aber sie ist auch mit fast allen anderen Abteilungen unserer Kultur verknüpft. Gerade ein vorwissenschaftlicher Text muss (in Blogs, die für vor-wissenschaftliche Texte eingerichtet sind)  bemüht sein, den speziell fachwissenschaftlichen Bereich für interessierte Laien zu öffnen, indem er Verbindungen zur Allgemeinbildung seiner Leserinnen und Leser herstellt.
    So wird der Kreis interessierter Leserinnen und Leser allerdings deutlich eingeschränkt.

Mein Konzept ist ein anderes:

Um den Begriff des Indoeuropäischen konkreter aufzuzeigen, erweitere ich den sprachgeschichtlichen Teil einerseits auf die Entstehungswege aller europäischen Sprachen. Andererseits wird die Entwicklung der deutschen Sprache (unter Bezugnahme auf den Jacob-Artikel) zwar ein wenig abgekürzt und gleichzeitig um die geschichtlichen Veränderungen der als deutsch geltenden Gesellschaft – unserer Vorfahren also – ergänzt, zusätzlich aber auch auf  die Sprache unserer Gegenwart fortgeführt. So erhalten auch „Anfänger“ mit Interesse an diesem Thema einen ersten Einblick in die Geschichte unserer Sprache und damit in unsere Kultur.

  • Die zahlreichen nummerierten Anmerkungen in meinem Text (früher: Fußnoten genannt) begründe ich als alter Lehrer mit dem Motto: Besser eine zu viel als eine zu wenig.

Wer nicht mag, muss sie ja nicht (ganz) lesen. …

  • Mein Text ist fortlaufend in 25 Abschnitte nummerierte unterteilt, Posts genannt.

Ich habe erforderliches historisches Grundwissen in vertretbarer Vereinfachung – u. a. aus dem Net – hinzugefügt, denn man muss wissen, wann und warum unsere Sprache sich verändert hat. Außerdem benutze ich erste Fachbegriffe einer „Deutschen Sprachlehre“ und erläutere sie später (im Post 23), weil ich ein Grundwissen für das Verständnis unserer Sprache – neben ihrer Geschichte – für sehr wichtig halte. Wer solche Begriffe kennt und mit ihnen umgehen kann, übergeht die entsprechenden Textstellen oder Erläuterungen einfach; aber ich vermute, es gibt inzwischen auch Blogger, die erst dabei sind, Deutsch zu lernen.

  • Ach ja: lernen. Das Wort finden Sie schon in der Präsentation dieser Textkategorie BLOG: Texte zum vorwissenschaftlichen Lernen, steht da. Und zum Lernen, glauben Sie mir, gehört das Lesen. Nicht das Twittern, nicht das Mal-Reingucken, nicht das blitzartige Hin- und Her-Blenden oder -Wischen von hier nach dort oder sonst wohin. Ich verstehe meine Posts als Text-Teile, die den gesamten Inhalt dieses Themas erschließen können. – Sie werden hoffentlich nicht versuchen, den ganzen Text in einem Zug zu erfassen. Das geht nämlich nicht; denn mein Beitrag ist zwar vorwissenschaftlich konzipiert, damit interessierte Leserinnen und Leser ihn verstehen können. Er ist aber auch wissenschaftlich, nämlich systematisch aufgebaut und in seiner Methode Schritt für Schritt überprüfbar. Nur:
  • Es sind viele Schritte, – eine gute Wegstrecke. Der jeweils folgende Post schließt sich inhaltlich an oder ergänzt den thematischen Zusammenhang. Lesen müssen Sie allerdings den Text, nur zur Klärung einiger wenig bekannter Schlagworte [4]Weil ich bei der Aufarbeitung der Sprachgeschichte auch auf Zusammenhänge mit wichtigen historischen Erscheinungen hinweisen wollte, habe ich zehn Zwischenbemerkungen in den Text eingeflochten, in denen ca. 20 Schlagwörter zur allgemeinen Kulturgeschichte angesprochen werden. Die können Ihnen das Verständnis der betreffenden Situation (vor Ort) erleichtern, aber einer sachlich angemessenen, gründlichen Definition halten sie nicht stand. Darum sperre ich mich dagegen, diese Begriffe zu verlinken – aus den o. gen. Gründen. 20 Schlagwörter auf einmal, – das fühlt sich an wie Schläge oder wie schlechte Schule. sind Lexika und Wikipedia viel geeigneter. Aber das ist weder wissenschaftlich noch vorwissenschaftlich. Wer das einsieht, dem wünsche ich viel Freude beim Lernen.

Klaus Fuhrmann,  am 1. November 2017

Inhaltsverzeichnis

Eine Einführung in die Geschichte der Muttersprachen Europas und in einige Bereiche der deutschen Sprache

Vorbemerkung: Das Software-Programm „Blog“ gestattete mir, jeden Beitrag – hier „Post“ genannt – mit einem „Beitragsbild“ einzuleiten und ihn auch mit Bildern anzureichern; denn ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte. Natürlich habe ich als Kunstlehrer diese Chancen genutzt. . . .

TEIL 1 – Muttersprachen in Europa

Post 1:   Einführung:   Thema  –  Inhalt  –  Autor

Post 2:  Eine kleine Geschichte zur Besiedlung Europas und zur Theorie des indo-europäischen Ursprungs unserer Sprache

Post 3:    Die Entwicklungsgeschichte der Menschen seit der Steinzeit

Post 4: Ursprüngliche Sprachgruppen in Europa

Post 5: Vermutungen über das unterschiedliche Sprechen

Post 6: Geschriebene Sprache  Das Schreiben

Post 7: Der Sprachen-Stammbaum

Post 8: Sonderfälle: Autarke Sprachen

Post 9: Keltisch

Post 10: Ugrische Ursprünge

Post 11: Germanisch

Post 12: Romanisch

Post 13: Balto-Slawisch

Post 14: Ergänzende Aufstellung aller indoeuropäischen Muttersprachen und einiger „sprachlicher Grenzfälle“

TEIL 2 – Die Deutsche Sprache

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Alle Flaggen in diesem Blog kommen aus dieser Quelle: http://www.nationalflaggen.de/flagge.ht

Post 15:  Methoden der Sprachforschung

Post 16:  Vom Germanischen zum Althochdeutschen

Post 17: Geschichte und Emanzipation der Deutschen Sprache im Mittelalter

Post 18:  Lutherdeutsch: 16. bis 18. Jahrhundert

Post 19:  Das 19. Jahrhundert

Post 20:  Deutsch im 20. Jahrhundert  –  Die Weltkriege  –  Geteiltes und wieder vereinigtes Deutschland  – Die Deutsche Sprache bis heute

Post 21:  Sprache und Politik

Post 22:  Zur indoeuropäischen Sprach-Systematik am Beispiel des Deutschen

Post 23:  Deutsch sprechen und schreiben

Post 24:  Sprechen und Denken

Post 25:  Kultur  –  Kunst  –  Literatur  –  Sprac

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Zum Autor:

Abb. 2: 2015 – Trio Blueswinx

Mein Name ist Klaus-D. Fuhrmann, meine Frau und ich waren 56 Jahre verheiratet, sie starb am Anfang des letzten Jahres, fast 80 Jahre alt; 80 – so alt bin ich inzwischen geworden.

Ich war Kunst- und Deutschlehrer an Grund-, Haupt-, Realschulen und an Gymnasien. Zwischen 1978 und 2000 habe ich annähernd zweitausend Studienreferendare an Gymnasien ausgebildet. Zu meiner Arbeit als Ausbildungs- oder Seminarleiter gehörte natürlich auch die eigene Unterrichtsverpflichtung. –

Sechs Jahre lang habe ich die bundesweit vertriebene Fachzeitschrift des Bundes Deutscher Kunsterzieher, BDK-MITTEILUNGEN,  zudem zahlreiche Lehrer-Fortbildungskurse geleitet.

Und nebenbei war ich 65 Jahre lang ein passabler und begeisterter Swing-Drummer, bis meine verkalkten Finger nicht mehr wollten; mein ‚Pensions-Werk‘, eine Enzyklopädie über den Umgang mit Bildern (www.Mit Bildern umgehen.de) wurde leider nicht verlegt, – die Tantiemen für mehr als 1.000 Abbildungen darin waren den Verlegern (und auch mir) zu hoch.

Ich habe drei Kinder und vier Enkelkinder und blicke, inzwischen Oberstudiendirektor a.D., gelassen und dankbar der vor mir liegenden Zeit entgegen.

Klaus Fuhrmann

 

Anmerkungen:

[1] Die Geschichte der Bibel

[5]Die Geschichte der Bibel . . – Das Buch der Bücher kommt aus dem Morgenland. Das liegt an und hinter der Ostküste des Mittelmeeres, wo – von Italien und Griechenland aus gesehen – die Sonne aufgeht. Das Buch der Bücher, so wird die Bibel seit mehr als 2.000 Jahren auch genannt, wobei mit ‚Büchern‘ die verschiedenen Schriften gemeint waren, die dort gefunden wurden und die schon seit mehr als 3.000 Jahren von Juden, die damals ebenfalls  in den östlichsten Landgebieten des Mittelmeers lebten, gesammelt, zusammengebunden und kanonisiert, d.h. zu einem Heiligtum erhoben wurden; und diese Heilige Schrift wurden sie auch für die ersten Christen und für alle Christen dieser Welt – bis heute. Alle diese Schriften wurden von den Christen und später von bedeutenden Personen der Kirche und der Forschung testiert (beglaubigt/wie es heute noch Testate über Schul- und Studienveranstaltungen gibt): sie wurden Testamente genannt – und auch: das Wort Gottes. Dazu wurden die genannten Schriftfunde immer wieder von Bibelforschern schriftsprachlich untersucht und kanonisiert (eingeordnet), und dabei wurden prinzipiell zwei Testamente unterschieden. – Denn alle diese Leder- oder Pergament- und Papyrusrollen stammen aus dem vergleichsweise kleinen, ca. 600 x 300 km großen Gebiet, in dem auch heute noch der Brennpunkt der großen Religionen unserer Erde liegt, seit 1.500 Jahren um den Islam erweitert. Es sind die orange gepunkteten Gebiete in der Abbildung 3 unten, sie heißen auch die Levante, – das Land, wo die Sonne aufgeht (von frz.: lever/aufstehen, [sich] er|heben). In dieser Karten-Skizze sehen wir ein riesiges Landgebiet, eingekeilt zwischen den Kontinenten Europa, Asien und Afrika. In der kleinen Levante liegen heute die Staaten: Libanon, Israel, Palästina und teilweise auch Syrien und Jordanien. Dort lebten schon damals zwei und – seit ca. 1.500 Jahren – auch drei Weltreligionen dicht beieinander: Juden, Christen und Moslems. Zufall? – Doch zurück zur Bibel: Die Abb. 3 zeigt einen so genannten Subkontinent zwischen Europa, Asien und Afrika: das Landgebiet von VORDERASIEN ist größer als ein Drittel von EUROPA. Vorderasien gehört geografisch zu Asien.
Der erste Teil, das Alte Testament, besteht aus den ältesten Texten. Es sind uralte Sprüche, Verse, Lieder (Psalmen), Lehrsätze, Briefe, Chroniken und Aufrufe (‚Weisheiten‘) von mehr als zwanzig Propheten, zum Teil noch in Keilschrift geschrieben. Propheten waren nicht etwa weise „Seher“, die die Zukunft voraussahen: Das ist eine verbreitete irrtümliche Volksmeinung. Diese Propheten, die Autoren der Bibel, hatten vielmehr durch göttliche Eingebung oder Visionen eine Botschaft zu verkünden und auch aufgeschrieben (- teilweise von ihren Schülern – zumeist in Hebräisch, einige in Aramäisch und in Griechisch). Man unterscheidet [heute] vier Bücher dieses Alten Testaments, abgekürzt AT: Gesetzesbücher, Geschichtsbücher, Poetische Bücher und Lehrbücher.
Der zweite Bibelteil heißt das Neue Testament, abgekürzt NT.Nach Wikipedia umfasst er „eine Sammlung von 27 Schriften des Urchristentums in griechischer Sprache, die Jesus Christus als den zur Rettung Israels und des Kosmos gekommenen Messias und Sohn Gottes verkünden. Auch diese Schriften beziehen sich oft auf das Alte Testament, die heiligen Schriften der Juden, aber sie sind nicht älter als ca. 2.000 Jahre.“ Wir können diese Autoren also als Zeitzeugen von Jesus betrachten.
Die Schriften des NT lassen sich in vier Textgattungen unterscheiden: Erstens die vier Evangelien, die aus Jesu Leben, Sterben und Auferstehen erzählend berichten, zweitens die ‚Apostelgeschichte‘, drittens 21 Briefe an christliche Gemeinden und Mitarbeiter sowie viertens eine Apokalypse, ‚Johannesoffenbarung‘ genannt.
Beide Schriften zusammen – Altes und Neues Testament – bilden die Bibel, die von allen christlichen Glaubensgemeinschaften als Wort Gottes und Grundlage ihres Glaubens betrachtet wird.

[3]  Kontext: Erklärungen über den engen Themenbereich (des Textes) hinaus; schließlich handelt es sich um die Sprache, über die hier nachgedacht wird, und Sprache ist ein zentraler Kulturbereich der Menschheit und ihrer Kommunikation (vgl. Post 25), aber sie ist auch mit fast allen anderen Abteilungen unserer Kultur verknüpft. Gerade ein vorwissenschaftlicher Text muss (in Blogs, die für vor-wissenschaftliche Texte eingerichtet sind)  bemüht sein, den speziell fachwissenschaftlichen Bereich für interessierte Laien zu öffnen, indem er Verbindungen zur Allgemeinbildung seiner Leserinnen und Leser herstellt

[4]  Weil ich bei der Aufarbeitung der Sprachgeschichte auch auf Zusammenhänge mit wichtigen historischen Erscheinungen hinweisen wollte, habe ich elf Zwischenbemerkungen in den Text eingeflochten, in denen ca. 20 Schlagwörter zur allgemeinen Kulturgeschichte angesprochen werden. Die können Ihnen das Verständnis der betreffenden Situation (vor Ort) erleichtern, aber einer sachlich angemessenen, gründlichen Definition halten sie nicht stand. Darum sperre ich mich dagegen, diese Begriffe zu verlinken – aus den o. gen. Gründen. (20 Schlagwörter auf einmal, – das fühlt sich an wie Schläge oder wie schlechte Schule.)

 

 

Anmerkungen   [ + ]

1. Die Geschichte der Bibel . . – Das Buch der Bücherkommt aus dem Morgenland, jenem märchenhaften Land an bzw. hinter der Ostküste des Mittelmeeres,  wo  [jedenfalls morgens und von Italien und Griechenland aus gesehen] die Sonne aufgeht. Die Bibel wird seit mehr als 2.000 Jahren auch das Buch der Bücher genannt, wobei mit ‚Bücher‘ die verschiedenen Schriften gemeint sind, die dort gefunden wurden und die schon seit mehr als 3.000 Jahren von den damals in den östlichsten Landgebieten des Mittelmeers lebten, verfasst und gesammelt,  zusammengebunden und kanonisiert wurden; d.h. sie wurden zu einem Heiligtum erhoben, was sie auch für die ersten Christen und inzwischen für alle Christen dieser Welt geblieben sind. Diese  Schriften wurden immer wieder von den  bedeutenden Personen der Kirche und der wissenschaftlichen Forschung testiert (beglaubigt, wie heute noch Testate über Schul- und Studienveranstaltungen testiert werden). Darum wurden sie Testamente genanntoder auch: das Wort Gottes. Dazu wurden die Schriftfunde bis heute immer wieder von den Bibelforschern sprachgeschichtlich untersucht und kanonisiert (eingeordnet).
2. Die Reformation (das Wort bedeutet geistige Wiederherstellung, Erneuerung) war schon ein sensationelles Ereignis innerhalb der deutschen und der europäischen Gesellschaft: sie spaltete die „neue“ evangelische Konfession von dem 1.500 Jahre alten römischen Katholizismus ab, der schon 500 Jahre zuvor die Hälfte seiner Gläubigen an die orthodoxen Christen (Osteuropas), abgegeben hatte. Zur Zeit der Reformation hatten die Menschen gerade von der „neuen Welt Amerika“ erfahren, und die Naturwissenschaften, der technische Fortschritt und die neuen geistigen Bewegungen des Humanismus und der Renaissance verstärkten diesen enormen Umsturz im Alltagsleben, der dazu noch durch die Erfindung des Buchdrucks eine nie dagewesenen Leselust der Menschen und so einem beachtlichen Bildungsschub in der Gesellschaft auslöste /Vgl. dazu: die achte Zwischenbemerkung im Post 17!). Die Schattenseiten dieser tiefgreifenden Erneuerungen innerhalb des christlichen Glaubens zeigten sich in mehr als 100 Jahren voller schrecklicher Kriege in ganz Europa.
3. Kontext: Erklärungen über den engen Themenbereich (des Textes) hinaus; schließlich handelt es sich um die Sprache, über die hier nachgedacht wird, und Sprache ist ein zentraler Kulturbereich der Menschheit und ihrer Kommunikation (vgl. Post 25), aber sie ist auch mit fast allen anderen Abteilungen unserer Kultur verknüpft. Gerade ein vorwissenschaftlicher Text muss (in Blogs, die für vor-wissenschaftliche Texte eingerichtet sind)  bemüht sein, den speziell fachwissenschaftlichen Bereich für interessierte Laien zu öffnen, indem er Verbindungen zur Allgemeinbildung seiner Leserinnen und Leser herstellt
4. Weil ich bei der Aufarbeitung der Sprachgeschichte auch auf Zusammenhänge mit wichtigen historischen Erscheinungen hinweisen wollte, habe ich zehn Zwischenbemerkungen in den Text eingeflochten, in denen ca. 20 Schlagwörter zur allgemeinen Kulturgeschichte angesprochen werden. Die können Ihnen das Verständnis der betreffenden Situation (vor Ort) erleichtern, aber einer sachlich angemessenen, gründlichen Definition halten sie nicht stand. Darum sperre ich mich dagegen, diese Begriffe zu verlinken – aus den o. gen. Gründen. 20 Schlagwörter auf einmal, – das fühlt sich an wie Schläge oder wie schlechte Schule.
5. Die Geschichte der Bibel . . – Das Buch der Bücher kommt aus dem Morgenland. Das liegt an und hinter der Ostküste des Mittelmeeres, wo – von Italien und Griechenland aus gesehen – die Sonne aufgeht. Das Buch der Bücher, so wird die Bibel seit mehr als 2.000 Jahren auch genannt, wobei mit ‚Büchern‘ die verschiedenen Schriften gemeint waren, die dort gefunden wurden und die schon seit mehr als 3.000 Jahren von Juden, die damals ebenfalls  in den östlichsten Landgebieten des Mittelmeers lebten, gesammelt, zusammengebunden und kanonisiert, d.h. zu einem Heiligtum erhoben wurden; und diese Heilige Schrift wurden sie auch für die ersten Christen und für alle Christen dieser Welt – bis heute. Alle diese Schriften wurden von den Christen und später von bedeutenden Personen der Kirche und der Forschung testiert (beglaubigt/wie es heute noch Testate über Schul- und Studienveranstaltungen gibt): sie wurden Testamente genannt – und auch: das Wort Gottes. Dazu wurden die genannten Schriftfunde immer wieder von Bibelforschern schriftsprachlich untersucht und kanonisiert (eingeordnet), und dabei wurden prinzipiell zwei Testamente unterschieden. – Denn alle diese Leder- oder Pergament- und Papyrusrollen stammen aus dem vergleichsweise kleinen, ca. 600 x 300 km großen Gebiet, in dem auch heute noch der Brennpunkt der großen Religionen unserer Erde liegt, seit 1.500 Jahren um den Islam erweitert. Es sind die orange gepunkteten Gebiete in der Abbildung 3 unten, sie heißen auch die Levante, – das Land, wo die Sonne aufgeht (von frz.: lever/aufstehen, [sich] er|heben). In dieser Karten-Skizze sehen wir ein riesiges Landgebiet, eingekeilt zwischen den Kontinenten Europa, Asien und Afrika. In der kleinen Levante liegen heute die Staaten: Libanon, Israel, Palästina und teilweise auch Syrien und Jordanien. Dort lebten schon damals zwei und – seit ca. 1.500 Jahren – auch drei Weltreligionen dicht beieinander: Juden, Christen und Moslems. Zufall? – Doch zurück zur Bibel: Die Abb. 3 zeigt einen so genannten Subkontinent zwischen Europa, Asien und Afrika: das Landgebiet von VORDERASIEN ist größer als ein Drittel von EUROPA. Vorderasien gehört geografisch zu Asien.
Der erste Teil, das Alte Testament, besteht aus den ältesten Texten. Es sind uralte Sprüche, Verse, Lieder (Psalmen), Lehrsätze, Briefe, Chroniken und Aufrufe (‚Weisheiten‘) von mehr als zwanzig Propheten, zum Teil noch in Keilschrift geschrieben. Propheten waren nicht etwa weise „Seher“, die die Zukunft voraussahen: Das ist eine verbreitete irrtümliche Volksmeinung. Diese Propheten, die Autoren der Bibel, hatten vielmehr durch göttliche Eingebung oder Visionen eine Botschaft zu verkünden und auch aufgeschrieben (- teilweise von ihren Schülern – zumeist in Hebräisch, einige in Aramäisch und in Griechisch). Man unterscheidet [heute] vier Bücher dieses Alten Testaments, abgekürzt AT: Gesetzesbücher, Geschichtsbücher, Poetische Bücher und Lehrbücher.
Der zweite Bibelteil heißt das Neue Testament, abgekürzt NT.Nach Wikipedia umfasst er „eine Sammlung von 27 Schriften des Urchristentums in griechischer Sprache, die Jesus Christus als den zur Rettung Israels und des Kosmos gekommenen Messias und Sohn Gottes verkünden. Auch diese Schriften beziehen sich oft auf das Alte Testament, die heiligen Schriften der Juden, aber sie sind nicht älter als ca. 2.000 Jahre.“ Wir können diese Autoren also als Zeitzeugen von Jesus betrachten.
Die Schriften des NT lassen sich in vier Textgattungen unterscheiden: Erstens die vier Evangelien, die aus Jesu Leben, Sterben und Auferstehen erzählend berichten, zweitens die ‚Apostelgeschichte‘, drittens 21 Briefe an christliche Gemeinden und Mitarbeiter sowie viertens eine Apokalypse, ‚Johannesoffenbarung‘ genannt.
Beide Schriften zusammen – Altes und Neues Testament – bilden die Bibel, die von allen christlichen Glaubensgemeinschaften als Wort Gottes und Grundlage ihres Glaubens betrachtet wird.

Post 2: Der indogermanische Ursprung

 

Der indogermanische Ursprung

Diese Abbildung zeigt zwar nicht die Entstehung, jedoch sie verdeutlicht die Verbreitung der indoeuropäischen Sprachfamilie[1] [1] Prof. Bopps Bezeichnung für diese Ursprache war indo-germanisch, angelehnt an eine noch ältere Bezeichnung für die Sprache Indo-arisch, die aber heute nur für einen Zweig der indo-iranischen Sprachfamilie gilt: Es gibt hunderte Abarten indo-arischer Sprache, vor allem im Norden Indiens, – eine von ihnen ist übrigens die Ursprungssprache der Roma,  deren Volksgruppen auch in Europa leben. – In Deutsch nennen wir das Indo-germanische – politisch korrekt und von hier an: indo-europäisch. Ich komme im Post 3 darauf zurück Dieses Bild zeigt die Indoeuropäischen Sprachen zu einem späteren Zeitpunkt, geschätzt etwa 500 Jahre n.Chr.[2] [5]v.Chr. heißt „vor Christi Geburt“: Im Jahr 1582 führte das Oberhaupt der Christlichen Kirchen – Papst Gregor VIII. – diesen bis heute weltweit geltenden Kalender ein (als letztes Land übernommen von China 1949), der das geschätzte Geburtsjahr von Jesus Christus als das Jahr0“ bezeichnete. Die Jahre davor werden rückwärts gezählt, weil sie „vor Christus“ waren, die „jüngeren“ Jahre – bis heute / 2019 – sind also (nach) „n.Chr.   Heute käme man mit so wenigen Farben wie im Beitragsbild nicht aus:  es gibt weit mehr als 60 Muttersprachen in Europa, die sich aus diesem Farbfeld (rot-gelb-braun-orange-violett-grün)  entwickelt haben.[3] [2]Als Muttersprache bezeichnet man die erste Sprache, die ein Kleinkind (in aller Regel) von seiner Mutter oder einer anderen Bezugsperson lernt. Kulturwissenschaftler gehen davon aus, dass jeder Mensch schon pränatal, also vor seiner Geburt, durch seine (familiäre) Umwelt erheblich beeinflusst wird und auf diese Weise in die heimisch-kulturelle Sprachumgebung „hineinwächst“, mit all ihren Klängen, Redewendungen und Melodien; und darüber hinaus lernt das ungeborene Kind schon viel über typische Verhaltensweisen seiner Familie und der nachbarschaftlichen Umgebung. Sprachwissenschaftler bezeichnen Menschen, die in ihrer Muttersprache kommunizieren, als Muttersprachler Und es kommen noch fünf oder mehr andere Sprachen dazu, die nachweislich keine indo-europäischen Wurzeln besitzen (vgl.: Post 14!). Der Ausgangspunkt ist hier der rote Sprachbereich, der die Gebiete vom heutigen, nördlichen Teil  Indiens (am rechten Bildrand), vom heutigen Iran und von den Küstengebieten des Kaspischen und des Schwarzen Meeres in der oberen Bildmitte markiert. Aber die gelb und braun-rot gefärbten Landgebiete wurden schon vor mehr als 1000 Jahren von Turk-Völkern beherrscht, die ihrerseits jedoch innerasiatische Wurzeln besitzen, vgl. unten: Abb. 4.[4] [3]In Kleinasien, der heutigen Türkei, begann die Unterbrechung der Indoeuropäischen ‚Sprachgemeinschaft‘ erstmals schon um 2.000 v.Chr., als die Assyrer und die Hethiter dort die Herrschaft übernahmen, deren Sprachen inzwischen „ausgestorben“ sind. 1.500 Jahre später wurde im Armenischen Reich, im Römischen Reich und schließlich im Byzantinischen Reich wieder indoeuropäisch und sogar griechisch als Muttersprache gesprochen (in alten Sprachformen, versteht sich).  – Aber schon im 11. Jahrhundert (ca. 500 Jahre später) übernahmen die Seldschuken und nach ihnen die Osmanen (heutige Bezeichnung: die Türken) die Herrschaft über diesen Brennpunkt zwischen den Kulturen (vgl.: Abb. 3 im Post 1!), den wir gern allgemein als den Punkt sehen, an dem das Morgenland beginnt. – Türkisch ist aber eine altaische Sprache, die weit über den asiatischen Kontinent verstreut ist, u. a. auch in Kleinasien

Intensive Sprachforschung hat jedoch ergeben, dass fast alle heute noch lebenden europäischen Sprachen einen gemeinsamen „indo-europäischen Ursprung“ haben, – mit Ausnahme des Finnischen (FE), des Ungarischen (Un), des Estnischen (Est) und des Baskischen (Ba); diese Theorie entwickelte als Erster um 1820 der Sprachforscher Franz Bopp. Er wies nach, dass Englisch, Italienisch, Griechisch, Deutsch und Russisch (um nur einige der bekannteren Sprachen zu nennen), alle auf dieselben sprachlichen Wurzeln zurückgehen. Außerhalb Europas gehören noch die Hauptsprachen des indischen Subkontinents,  Hindi  bzw. Urdu der indogermanischen Sprachenfamilie an, zudem auch das Armenische (in der Karte unten – Abb. 2: braun) und das Persische. – Um die ganze geographische Spannweite der Völker gleicher sprachlicher Abstammung in einen Begriff zu fassen, hatte Professor Bopp den Doppelnamen Indo-germanisch erfunden, nach den äußersten Grenzvölkern dieser Sprachgemeinschaft: den Indern im Osten und den Germanen im Westen; denn die Germanen waren  bereits  im  Mittelalter – um 750 n.Chr. westwärts bis  nach Island vorgedrungen.

Zur Besiedlung Europas

Altertumsforscher sind sich einig, dass schon in der Altsteinzeit – also vor rund 200.000 Jahren – sprachlich kommuniziert wurde[5] [4]kommunizieren heißt miteinander sprechen, sich mitteilen; Kommunikation heißt Verständigung überall auf der Erde, wo Menschen gelebt haben konnten, also auch in Europa. Das beweisen Knochenfunde aus der Nähe von Düsseldorf, Weimar und anderswo, deren Alter von Archäologen[6] [6]archäologisch betrifft die Archäologie: die Wissenschaft von den sichtbaren Überresten alter Kulturen, die von den Archäologen ausgegraben, untersucht und erforscht werden; das Wort  biologisch betrifft die Biologie: die Wissenschaft von allem, was in der Natur lebt; hier: besonders die Bio-Chemie auf mindestens 180.000 Jahre bestimmt wurde. Danach begann noch eine „letzte“ Kaltzeit[7] [7]Steinzeit, Eiszeit, Kaltzeit  und auch Urzeit  sind in unserer Umgangssprache gern benutzte, aber auch schwammige Begriffe, erst recht in unserer Fantasie, genährt durch eben die erwähnten Bilder und Filme, in denen mitunter die ersten Menschen auftauchten, obwohl die erst 200 Millionen Jahre später auf der Erde leben konnten [siehe oben!] Mehr dazu am Anfang von Post 3

So war’s nicht!

Abb. 5: [Ein Säbelzahntiger attackiert einen Menschen (aus dem Kinofilm „10.000 BC“): Es war nur eins von vielen riesigen Tieren, die in der Vergangenheit die Erde beherrschten, – aber eine Erde ohne Menschen       Quelle: Warner  –  aus: Wikipedia]

In Kaltzeiten lagen die durchschnittlichen Jahrestemperaturen ständig deutlich unter 0° Celsius, – in Warmzeiten näherten sie sich den heutigen Durchschnittstemperaturen an.

Im heutigen Europa hatte es  zwei letzte Eiszeiten gegeben: die Riß-Kaltzeit (im Alpenraum – zwischen 300 000 bis 120 000 Jahren v.Chr.) und die Saale-Eiszeit bzw. Weichsel- oder Würm-Eiszeit (im norddeutschen Raum – zwischen 115 000 bis 10 000 Jahren v.Chr.).  Nach deren Ende war Europa vor ca. 7.000 Jahren schließlich völlig eisfrei – bis auf  die Gletscher der Alpen und in Skandinavien.

Erst vor 12.000 Jahren setzte sich die aktuelle Warmzeit in unseren Breiten durch. Neueren Forschungen nach sind die durchschnittlichen Jahrestemperaturen seither langsam und stetig auf die Klimalage vorangegangener Warmzeiten  angestiegen; und sie sie steigen langsam immer weiter an. . . –

Die Besiedlung Europas hatte vor ca. 60.000 Jahren begonnen. Zu dieser Zeit lagen allerdings ganz Nord- und Mitteleuropa und auch Nord- und Mittelasien unter einer Eisdecke, nur die Mittelmeer-Länder (und die „roten“ Gebiete der kleinen Karte oben waren eisfrei.  Der deutlich größere Teil der nördlichen Halbkugel (Europa, Asien und Nordamerika) hatte also gar keine oder nur eine sehr karge Vegetation (Pflanzenwuchs) aufzuweisen. Und die „bunten“ Flächen unserer kleinen Karte (unten) hatten sich, von dem roten oder rotbraunen Bereich ausgehend, nur ganz allmählich nach Westen wandernd (auch mit den „Besuchen“ von wandernden Menschengruppen) eingefunden. Dafür gibt es immerhin eindeutige Beweise, ebenfalls Funde, die wir alle schon irgendwo in Museen gesehen haben. Die angenommene (vollständige) „indogermanische“ Sprachgemeinschaft auf dieser kleinen Landkarte wird sich demnach bereits vor etwa 6.000 Jahren oder noch früher langsam aufgelöst haben, was sich an den Farbveränderungen der Abbildung ablesen lässt. Sie zeigen schließlich  die Veränderungen innerhalb der Sprachfamilie um das Jahr 500 n.Chr.

Abb. 4    –    

Neuere Forschungen haben ergeben, dass das Herkunftsgebiet der Ursprache auch nördlich und südlich zwischen den beiden Binnenmeeren  (oben im Bild weiß eingekreist) gewesen sein kann und sich von dort nach beiden Seiten verbreitet hat, – von dem braun-roten Farbbereich aus: Die oben erwähnten Turkvölker hatten (und haben) Kleinasien besiedelt. Diese ‚Halbinsel‘ begrenzt das Mittelmeer in seinem Nordosten. Über  die bunten Sprachfelder der europäischen Landfläche und deren Bewohner dort erfahren Sie Genaueres im Post 3. – Aber der wichtigste Beweis für die Sprachforschung und für die Herkunft der vielen Sprachen unserer indoeuropäischen Völker ist die Sichtbarmachung der Sprachen durch ihre Schrift. Das indische Sanskrit ist neben dem Griechischen eine der ältesten schriftlich belegten Sprachen, die zum Vergleich herangezogen werden konnten (und durch die Franz Bopps‘ Verwandtschaftstheorie letztlich bewiesen wurde s. o.).

Und Bopp erforschte auch andere Gemeinsamkeiten unter den Sprachen: er fand eine gemeinsame Wurzel bei so unterschiedlichen Sprachen wie Portugiesisch, Albanisch, Isländisch und Kurdisch, weil diese Sprachen auffallend häufig übereinstimmen.

Es gibt noch eine weitere, bedeutsame Begründung für eine ähnliche und gleichzeitige Entwicklung  der Menschen bei der Besiedlung Europas – und bei der Sprachentwicklung zwischen Island und dem Iran sowie dem Norden Vorderindiens. Mehr dazu im nächsten Post 3, wo wir  diesen gewaltigen Zeitabschnitt von sechs- oder achttausend Jahren betrachten werden.

Anmerkungen:

[1]  Prof. Bopps Bezeichnung für diese Ursprache war indo-germanisch, angelehnt an eine noch ältere Bezeichnung für die Sprache Indo-arisch, die aber nur für einen Zweig der indo-iranischen Sprachfamilie gilt: Es gibt hunderte Abarten indo-arischer Sprache, vor allem im Norden Indiens, – eine von ihnen ist übrigens die Ursprungssprache der Roma,  die heute teilweise auch in Europa leben. – In Deutsch nennen wir das Indo-germanische – politisch korrekt und von hier an: indo-europäisch. Ich komme im 2. KAPITEL (Post 3) darauf zurück

[2]   v. Chr. heißt „vor Christi Geburt“: Im Jahr 1582 führte das Oberhaupt der Christlichen Kirchen – Papst Gregor VIII. – den bis heute weltweit geltenden Kalender ein (als letztes Land übernommen von China 1949), der das geschätzte Geburtsjahr von Jesus Christus als das Jahr0“ bezeichnete. Die Jahre davor werden rückwärts gezählt, weil sie „vor Christi“ waren, die „jüngeren“ Jahre – bis heute / 2017 – sind also (nach) „n. Chr.

[3]  Als Muttersprache bezeichnet man die erste Sprache, die ein Kleinkind (in aller Regel) von seiner Mutter oder einer anderen Bezugsperson lernt. Kulturwissenschaftler gehen davon aus, dass jeder Mensch schon pränatal, also vor seiner Geburt, durch seine (familiäre) Umwelt erheblich beeinflusst wird und auf diese Weise in die heimisch-kulturelle Sprachumgebung „hineinwächst“, mit all ihren Klängen, Redewendungen und Melodien; und darüber hinaus lernt das ungeborene Kind schon viel über typische Verhaltensweisen seiner Familie und der nachbarschaftlichen Umgebung. Sprachwissenschaftler bezeichnen Menschen, die in ihrer Muttersprache kommunizieren, als Muttersprachler.

[4]  In Kleinasien, der heutigen Türkei, begann die Unterbrechung der Indoeuropäischen ‚Sprachgemeinschaft‘ erstmals schon um 2.000 v. Chr., als die Assyrer und die Hethiter dort die Herrschaft übernahmen, deren Sprachen inzwischen „ausgestorben“ sind. 1.500 Jahre später wurde im Armenischen Reich, im Römischen Reich und schließlich im Byzantinischen Reich wieder indoeuropäisch und sogar griechisch als Muttersprache gesprochen (in alten Sprachformen, versteht sich).  – Aber schon im 11. Jahrhundert (ca. 500 Jahre später) übernahmen die Seldschuken und nach ihnen die Osmanen (heute: die Türken) die Herrschaft über diesen Brennpunkt zwischen den Kulturen (vgl.: Abb. 3 im Post 1!), die wir gern allgemein zwischen Abendland und Morgenland trennen. – Türkisch ist aber eine altaische Sprache, die weit über den asiatischen Kontinent verstreut ist, u. a. auch in Kleinasien.

[5]  kommunizieren heißt miteinander sprechen, sich mitteilen; Kommunikation heißt Verständigung

[6]  archäologisch betrifft die Archäologie: die Wissenschaft von den sichtbaren Überresten alter Kulturen, die von den Archäologen ausgegraben, untersucht und erforscht werden; das Wort  biologisch betrifft die Biologie: die Wissenschaft von allem, was in der Natur lebt; hier: besonders die Bio-Chemie

[7] Steinzeit, Eiszeit, Kaltzeit  und auch Urzeit  sind in unserer Umgangssprache gern benutzte, aber auch schwammige Begriffe, erst recht in unserer Fantasie, genährt durch eben die erwähnten Bilder und Filme, in denen mitunter die ersten Menschen auftauchten, obwohl die erst 200 Millionen Jahre später auf der Erde leben konnten (siehe oben!)

So war’s nicht!

Abb. 5: [Ein Säbelzahntiger attackiert einen Menschen (aus dem Kinofilm „10.000 BC“): Es war nur eins von vielen riesigen Tieren, die in der Vergangenheit die Erde beherrschten, – aber eine Erde ohne Menschen       Quelle: Warner  –  aus: Wikipedia]

Die beiden letzten Eiszeiten waren die Riß-Kaltzeit (Alpenraum) bzw. Saale-Eiszeit (Norddeutschland) vor 300 000 bis 120 000 Jahren und die Würm-Eiszeit (Alpenraum) bzw. Weichsel-Eiszeit (Norddeutschland) vor 115 000 bis 10 000 Jahren. Nach dem Ende der letzten Eiszeit war Europa vor ca. 6.000 Jahren völlig eisfrei – bis auf  die Gletscher der Alpen und in Skandinavien. (In Kaltzeiten lagen die durchschnittlichen Jahrestemperaturen ständig deutlich unter 0° Celsius, in Warmzeiten näherten sie sich den heutigen Durchschnittstemperaturen an)

 

 

 

Anmerkungen   [ + ]

1. Prof. Bopps Bezeichnung für diese Ursprache war indo-germanisch, angelehnt an eine noch ältere Bezeichnung für die Sprache Indo-arisch, die aber heute nur für einen Zweig der indo-iranischen Sprachfamilie gilt: Es gibt hunderte Abarten indo-arischer Sprache, vor allem im Norden Indiens, – eine von ihnen ist übrigens die Ursprungssprache der Roma,  deren Volksgruppen auch in Europa leben. – In Deutsch nennen wir das Indo-germanische – politisch korrekt und von hier an: indo-europäisch. Ich komme im Post 3 darauf zurück
2. Als Muttersprache bezeichnet man die erste Sprache, die ein Kleinkind (in aller Regel) von seiner Mutter oder einer anderen Bezugsperson lernt. Kulturwissenschaftler gehen davon aus, dass jeder Mensch schon pränatal, also vor seiner Geburt, durch seine (familiäre) Umwelt erheblich beeinflusst wird und auf diese Weise in die heimisch-kulturelle Sprachumgebung „hineinwächst“, mit all ihren Klängen, Redewendungen und Melodien; und darüber hinaus lernt das ungeborene Kind schon viel über typische Verhaltensweisen seiner Familie und der nachbarschaftlichen Umgebung. Sprachwissenschaftler bezeichnen Menschen, die in ihrer Muttersprache kommunizieren, als Muttersprachler
3. In Kleinasien, der heutigen Türkei, begann die Unterbrechung der Indoeuropäischen ‚Sprachgemeinschaft‘ erstmals schon um 2.000 v.Chr., als die Assyrer und die Hethiter dort die Herrschaft übernahmen, deren Sprachen inzwischen „ausgestorben“ sind. 1.500 Jahre später wurde im Armenischen Reich, im Römischen Reich und schließlich im Byzantinischen Reich wieder indoeuropäisch und sogar griechisch als Muttersprache gesprochen (in alten Sprachformen, versteht sich).  – Aber schon im 11. Jahrhundert (ca. 500 Jahre später) übernahmen die Seldschuken und nach ihnen die Osmanen (heutige Bezeichnung: die Türken) die Herrschaft über diesen Brennpunkt zwischen den Kulturen (vgl.: Abb. 3 im Post 1!), den wir gern allgemein als den Punkt sehen, an dem das Morgenland beginnt. – Türkisch ist aber eine altaische Sprache, die weit über den asiatischen Kontinent verstreut ist, u. a. auch in Kleinasien
4. kommunizieren heißt miteinander sprechen, sich mitteilen; Kommunikation heißt Verständigung
5. v.Chr. heißt „vor Christi Geburt“: Im Jahr 1582 führte das Oberhaupt der Christlichen Kirchen – Papst Gregor VIII. – diesen bis heute weltweit geltenden Kalender ein (als letztes Land übernommen von China 1949), der das geschätzte Geburtsjahr von Jesus Christus als das Jahr0“ bezeichnete. Die Jahre davor werden rückwärts gezählt, weil sie „vor Christus“ waren, die „jüngeren“ Jahre – bis heute / 2019 – sind also (nach) „n.Chr.
6. archäologisch betrifft die Archäologie: die Wissenschaft von den sichtbaren Überresten alter Kulturen, die von den Archäologen ausgegraben, untersucht und erforscht werden; das Wort  biologisch betrifft die Biologie: die Wissenschaft von allem, was in der Natur lebt; hier: besonders die Bio-Chemie
7. Steinzeit, Eiszeit, Kaltzeit  und auch Urzeit  sind in unserer Umgangssprache gern benutzte, aber auch schwammige Begriffe, erst recht in unserer Fantasie, genährt durch eben die erwähnten Bilder und Filme, in denen mitunter die ersten Menschen auftauchten, obwohl die erst 200 Millionen Jahre später auf der Erde leben konnten [siehe oben!] Mehr dazu am Anfang von Post 3

Post 3: Die Entwicklungsgeschichte der Menschen seit der Steinzeit

Das Beitragsbild zeigt dekorative Abbildungen der sieben Weltwunder der Antike – von oben links nach unten rechts: Der Koloss von Rhodos – die Zeuss-Statue des Phidias – der Tempel der Artemis – die Pyramiden von Gizeh – das Mausuleum von Harlikarnassos – die hängenden Gärten der Semiramis – der Leuchtturm von Pharos

STEINZEIT: So bezeichnet man den ersten und ältesten Zeitabschnitt der Menschheitsgeschichte, der vor etwa 3 1/2 Millionen Jahren begann, benannt nach den ersten Funden von Stein-Werkzeugen in Afrika, Vorderasien und Europa: Lanzen– und Pfeilspitzen sowie scharfkantige Steine zum Schaben, Schneiden und Sägen

Das Ende der Steinzeit wird auf die Zeit vor etwa 8.000 Jahren geschätzt, auf die Zeit also, in der die Entwicklung (auch) der indoeuropäischen Sprachen begann (vgl. Post 2). In der Geschichtsschreibung  wird diese Zeit – 6.000 v.Chr. – als der Beginn des ALTERTUMS bezeichnet.

Von Volksstämmen zu Nationen:     –      ein Dreisprung durch die Entwicklungsgeschichte der Menschen in Europa 

1) Die angenommene (einheitliche) indoeuropäische  Sprachgemeinschaft wird sich ‚unserer‘ Besiedlungstheorie nach (Post 2) also bereits vor etwa 6.000 Jahren oder noch früher langsam aufgelöst haben.

Abb. 6: Germanen in der Jungsteinzeit.
Abb. 7: Äxte und Beile der Eisen- und der Bronzeze

 

Zu jener Zeit (um 6.000 v. Chr.) durchlebte Europa die Jungsteinzeit. Die Europäer waren eben erst von Jägern und Sammlern
zu Bauern geworden.  Die sogenannten „Volksstämme“ bestanden zunächst wahrscheinlich nur aus überschaubaren Großfamilien, die sich nach und nach mit Steinwerkzeugen und den ersten Haustieren in geeigneten Gegenden ansiedelten. Benachbarte Großgruppen schlossen sich etwa vom Jahr 1000 v.Chr. zunehmend zu Volksstämmen zusammen.

2) Um diese Zeit hatten sich „im Osten“, zwischen dem Indus und Mesopotamien, längst die ersten Hochkulturen entwickelt. Dort hatte man mit der Herstellung und Verarbeitung von verschiedenen Metallen begonnen, ungefähr um 1.500 v.Chr. entstand auch die Eisenkultur, die sich dann allmählich in ganz Europa verbreitete – vgl. Abb. 7 oben. Die ‚Verbreitung‘ wurde von Händlern und Handwerkern betrieben, die in unbekannte Gebiete vordrangen und sich dort mit den (fremden) Bewohnern austauschten. Denn während im europäischen Raum erst allmählich technische Fortschritte das Leben der Menschen erträglicher werden ließ, entstanden in Kleinasien, in Mesopotamien, am Nil und entlang der östlichen Mittelmeerküste erste organisierte „Reiche“, die man als die Vorläufer der heutigen Staaten bezeichnen kann: Herrscher bewachten Land und Leute eines „eigenen“ Gebietes, in dem sie mit Macht (Soldaten) über Arbeit und Leben ihrer Bewohner (die freie Bürger oder Sklaven sein konnten) nach einer festgelegten Ordnung bestimmten.

3) Inzwischen haben wir in unserer Geschichtsbetrachtung den „Alten Orient“ hinter uns gelassen und nähern uns den Hoch-Kulturen der Antike – Beitragsbild oben!),[1] [1]Die Antike ist die Epoche, in der im Mittelmeerraum von den Griechen, den Etruskern und den Römern viele kulturelle Prägungen auf ganz Europa ausgestrahlt haben, von etwa 800 v.Chr. (bis 600 n.Chr.) bis heute – vgl. Kultur im Post 25. Im Gegensatz zu dem noch weiter zurück reichenden Begriff Altertum ist „die Antike“ umgangssprachlich auch mit dem heute ebenfalls veralteten Begriff „abendländisch“ verbunden. ‚Antike‚ (von lateinisch antiquus „alt, altertümlich, altehrwürdig“) unterscheidet sich von vorhergehenden und nachfolgenden Epochen durch gemeinsame und durchgängige kulturelle Traditionen. Sie umfasst die Geschichte des antiken Griechenlands, des Hellenismus und des Römischen Reichs. Insbesondere das Römische Reich vereinte den Mittelmeerraum seit dem 1. Jahrhundert n.Chr. politisch und kulturell. [Nach Wikipedia] einem Zeitabschnitt, der für „das alte Europa“ vor etwa 3.500 Jahren in Gebieten des östlichen Mittelmeerraums seinen Anfang nahm, im heutigen Griechenland). 1.000 Jahre später – rechnen Sie bitte zurück: also um das Jahr 500 v.Chr. – wurde auch das Römische Reich gegründet, dessen Herrscher und Soldaten fast den ganzen Kontinent Europa durchstreiften, eroberten und darüber auch genaue schriftliche Berichte hinterließen. –

Zur weiteren Betrachtung der Sprachentwicklung  ergänzen Sie diesen schlichten historischen Dreisprung durch folgende vier „Bilder“:

  • Zu der riesigen Zeitspanne zwischen der letzten Eiszeit und der Steinzeit: Es spricht auch für die Theorie einer nördlichen Herkunft der „Indo-Germanen“, dass alle europäischen Völker relativ hellhäutig sind. Unsere Vorfahren hatten über viele tausend Jahre unter kaltzeitlichen Bedingungen leben müssen mit sehr langen Wintern und vielen kurzen Tagen, mit relativ wenig Sonnenschein. Nur so ist es zu erklären, dass wir Europäer vergleichsweise hochgradige Pigmentverluste[2] [2]Pigmente sind Farbstoffe in unserer Haut. Je weniger braune und schwarze Pigmente in der menschlichen Haut vorhanden sind, desto heller („weißer“) ist die Hautfarbe erleiden mussten, die uns von allen Menschen auf den anderen Kontinenten unterscheiden; wir waren von Anfang an „die Weißen“.
  • Zur Abbildung 6 oben: Die zahlreichen überschaubar großen Menschengruppen – siehe oben – die das Land auf der Suche nach Nahrung durchstreiften und sich schließlich als Bauern an geeigneten Stellen ansiedelten, wuchsen innerhalb mehrerer Jahrhunderte zu Volksstämmen an, mit mehr als einigen tausend Stammesmitgliedern, die in den noch immer dünn besiedelten, wald- und gebirgsreichen Landstrichen unseres Erdteils lebten. Aber sie mussten sich immer wieder gegen andere Stämme verteidigen, vielleicht wollten sie auch „besseres Land“ von anderen erobern.
  • Zur Antike, der Zeit der griechischen und der römischen Klassik, in die auch die „Weltwunder“ des Beitragsbildes oben fallen[3] [3]Als Klassik bezeichnet man etwas (ein Ding oder eine Situation), das oder die als vorbildlich, mustergültig gilt, wie man den Ausspruch „Klasse“ auch umgangssprachlich als eine ‚wirklich gute‘ Bewertung versteht. Im engeren Sinne sind Dinge oder Situationen gemeint, die aus der oben angesprochenen Zeit der Griechen und der Römer herrühren oder sogar aus der Antike kommen: Kunstwerke, Bauten usw.: Römische Armeen drangen in Begleitung von Geschichtsschreibern in alle Regionen Europas vor, bis hinauf nach Schottland und Dänemark, auch nach Spanien, nach Südost-Europa und in die Türkei. Die Römer sicherten uns mit ihren Aufzeichnungen kostbare Erkenntnisse über unsere Vergangenheit.
  • Ausgrabungen  des 19. Jahrhunderts haben nachgewiesen, dass es zwischen 200 vor und 1.000 nach Chr. allein in Mitteleuropa mehr als 350 Volksstämme gegeben haben muss.

Und der Abschluss unserer Zeitsprünge:

Aus Asien bzw. aus dem Schwarzmeergebiet und Skandinavien wanderten weitere Volksstämme nach Mitteleuropa ein. Diese Völkerwanderung[4] [4]Völkerwanderung:  Klimatische und wirtschaftliche Veränderungen führten schon vor rund 2.000 Jahren zu erheblichen Wanderungen ganzer Volksstämme innerhalb des indoeuropäischen Großraums, ausgelöst durch das Eindringen asiatischer Völker etwa 300 n.Chr. in die wenig besiedelten osteuropäischen Gebiete. Dadurch wichen dort lebende Germanenstämme nach Mittel- und Westeuropa aus und setzten eine regelrechte Wanderung anderer Volksstämme kreuz und quer durch Europa in Gang. Die Völkerwanderung wird von etwa 350 bis 700 n.Chr. datiert; in dieser Zeit zogen auch Missionare durchs Land und versuchten, die heidnischen Völker zum Christentum zu bekehren, kreuz und quer durch den ganzen Kontinent, kam erst „zur Ruhe“, nachdem sich im 10. Jahrhundert n.Chr. die Volksstämme – inzwischen mit einheimischen Bewohnern vermischt – zu Nationen oder zu Gesellschaften von (europäischen) Königreichen zusammengefunden hatten. Ein erstes großes Reich war das Kaiserreich Karls des Großen[5] [5]Karl der Große, im Jahr 800 in Aachen zum Kaiser gekrönt, gilt als der „Vater Europas„.  Er eroberte von Gallien aus (im Nordwesten des europäischen Festlandes) das ganze heutige Frankreich und Deutschland bis zur Elbe im Osten und im Süden bis zur Adria], auch Mittel-und Norditalien: das alles gehörte zum  Kaiserreich Karls d. Gr. Und er sorgte für Schulbildung, verbesserte die Landbebauung, erzwang die Christianisierung und führte die Deutsche Sprache für sein Reich ein; mehr dazu im Post 11 (Germanisch). – In dieser Zeit und wenig später richteten sich auch andere Völker auf (neuen) Siedlungsgebieten ein, und es entstanden die ersten heutigen, europäischen Nationalstaaten wie Polen, Frankreich, England, dann entstanden England, das Reich der Franken, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation[6], [6]Das Heilige Römische Reich war 962 aus dem Ostteil des Frankenreichs von Karl d. Gr. entstanden, vom Ende des 15. Jahrhunderts an hieß es Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation. Es vereinigte alle deutschsprachigen Fürstentümer einschl. Nord-Italien bis 1806; erst danach („nach Napoleon“) entstanden die Staaten Deutschland, Österreich, Ungarn und die Schweiz.

Abb. 8: Spiegel-Titel von August 2006 – 842 Jahre Heiliges Römischer Reich – 22 der 56 Deutschen Herrscher, die in den fast 990 Jahren auf dem römisch-deutschen Kaiserthron saßen, sind hier abgebildet

 

 

Anmerkungen:

[1] Die Antike ist die Epoche, in der im Mittelmeerraum von den Griechen, den Etruskern und den Römern viele kulturelle Prägungen auf ganz Europa ausgestrahlt haben, von etwa 800 v.Chr. (bis 600 n.Chr.) bis heute – vgl. Kultur im Post 25. Im Gegensatz zu dem noch weiter zurück reichenden Begriff Altertum ist „die Antike“ umgangssprachlich auch mit dem heute ebenfalls veralteten Begriff „abendländisch“ verbunden. ‚Antike‚ (von lateinisch antiquus „alt, altertümlich, altehrwürdig“) unterscheidet sich von vorhergehenden und nachfolgenden Epochen durch gemeinsame und durchgängige kulturelle Traditionen. Sie umfasst die Geschichte des antiken Griechenlands, des Hellenismus und des Römischen Reichs. Insbesondere das Römische Reich vereinte den Mittelmeerraum seit dem 1. Jahrhundert n.Chr. politisch und kulturell. [Nach Wikipedia]

[2] Pigmente sind Farbstoffe in unserer Haut. Je weniger braune und schwarze Pigmente in der menschlichen Haut vorhanden sind, desto heller („weißer“) ist die Hautfarbe.

[3] Als Klassik bezeichnet man etwas (ein Ding oder eine Situation), das oder die als vorbildlich, mustergültig gilt, wie man den Ausspruch „Klasse“ auch umgangssprachlich als eine ‚wirklich gute‘ Bewertung versteht. Im engeren Sinne sind Dinge oder Situationen gemeint, die aus der oben angesprochenen Zeit der Griechen und der Römer herrühren oder sogar aus der Antike kommen: Kunstwerke, Bauten usw.

Die Klassik der („griechischen„) Antike entfiel ungefähr auf die Zeit zwischen 500 und 300 v.Chr. Man sprach damals noch voller Respekt von den Weltwundern, die zw. 2.500 und 250 v.Chr. entstanden sein müssen (Beitragsbild). Die Cheops-Pyramiden und das Mausoleum und Reste der übrigen Bauwerke sind noch zu besichtigen.

[4] Völkerwanderung:  Klimatische und wirtschaftliche Veränderungen führten schon vor rund 2.000 Jahren zu erheblichen Wanderungen ganzer Volksstämme innerhalb des indoeuropäischen Großraums, ausgelöst durch das Eindringen asiatischer Völker etwa 300 n.Chr. in von Germanen besiedelte Gebiete. Die Völkerwanderung wird von etwa 350 bis 700 n.Chr. datiert; in dieser Zeit zogen auch Missionare durchs Land und versuchten, die heidnischen Völker zum Christentum zu bekehren.

[5] Karl der Große, im Jahr 800 in Aachen zum Kaiser gekrönt, gilt als der „Vater Europas„.  Er eroberte von Gallien aus (im Nordwesten des europäischen Festlandes) das ganze heutige Frankreich und Deutschland bis zur Elbe im Osten und im Süden bis zur Adria], auch Mittel-und Norditalien: das alles gehörte zum  Kaiserreich Karls d. Gr. Und er sorgte für Schulbildung, verbesserte die Landbebauung, erzwang die Christianisierung und führte die Deutsche Sprache für sein Reich ein; mehr dazu im Post 11 (Germanisch). – In dieser Zeit und wenig später richteten sich auch andere Völker auf (neuen) Siedlungsgebieten ein, und es entstanden die ersten heutigen, europäischen Nationalstaaten wie Polen, Frankreich, England.

Abb. 8: Spiegel-Titel von August 2006 – 842 Jahre Heiliges Römischer Reich – 22 der 56 Deutschen Herrscher, die in den fast 990 Jahren auf dem römisch-deutschen Kaiserthron saßen, sind hier abgebildet

[6] Das Heilige Römische Reich war 962 aus dem Ostteil des Frankenreichs von Karl d. Gr. entstanden, vom Ende des 15. Jahrhunderts an hieß es Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation. Es vereinigte alle deutschsprachigen Fürstentümer einschl. Nord-Italien bis 1806; erst danach („nach Napoleon“) entstanden die Staaten Deutschland, Österreich, Ungarn und die Schweiz.

 

Anmerkungen   [ + ]

1. Die Antike ist die Epoche, in der im Mittelmeerraum von den Griechen, den Etruskern und den Römern viele kulturelle Prägungen auf ganz Europa ausgestrahlt haben, von etwa 800 v.Chr. (bis 600 n.Chr.) bis heute – vgl. Kultur im Post 25. Im Gegensatz zu dem noch weiter zurück reichenden Begriff Altertum ist „die Antike“ umgangssprachlich auch mit dem heute ebenfalls veralteten Begriff „abendländisch“ verbunden. ‚Antike‚ (von lateinisch antiquus „alt, altertümlich, altehrwürdig“) unterscheidet sich von vorhergehenden und nachfolgenden Epochen durch gemeinsame und durchgängige kulturelle Traditionen. Sie umfasst die Geschichte des antiken Griechenlands, des Hellenismus und des Römischen Reichs. Insbesondere das Römische Reich vereinte den Mittelmeerraum seit dem 1. Jahrhundert n.Chr. politisch und kulturell. [Nach Wikipedia]
2. Pigmente sind Farbstoffe in unserer Haut. Je weniger braune und schwarze Pigmente in der menschlichen Haut vorhanden sind, desto heller („weißer“) ist die Hautfarbe
3. Als Klassik bezeichnet man etwas (ein Ding oder eine Situation), das oder die als vorbildlich, mustergültig gilt, wie man den Ausspruch „Klasse“ auch umgangssprachlich als eine ‚wirklich gute‘ Bewertung versteht. Im engeren Sinne sind Dinge oder Situationen gemeint, die aus der oben angesprochenen Zeit der Griechen und der Römer herrühren oder sogar aus der Antike kommen: Kunstwerke, Bauten usw.
4. Völkerwanderung:  Klimatische und wirtschaftliche Veränderungen führten schon vor rund 2.000 Jahren zu erheblichen Wanderungen ganzer Volksstämme innerhalb des indoeuropäischen Großraums, ausgelöst durch das Eindringen asiatischer Völker etwa 300 n.Chr. in die wenig besiedelten osteuropäischen Gebiete. Dadurch wichen dort lebende Germanenstämme nach Mittel- und Westeuropa aus und setzten eine regelrechte Wanderung anderer Volksstämme kreuz und quer durch Europa in Gang. Die Völkerwanderung wird von etwa 350 bis 700 n.Chr. datiert; in dieser Zeit zogen auch Missionare durchs Land und versuchten, die heidnischen Völker zum Christentum zu bekehren
5. Karl der Große, im Jahr 800 in Aachen zum Kaiser gekrönt, gilt als der „Vater Europas„.  Er eroberte von Gallien aus (im Nordwesten des europäischen Festlandes) das ganze heutige Frankreich und Deutschland bis zur Elbe im Osten und im Süden bis zur Adria], auch Mittel-und Norditalien: das alles gehörte zum  Kaiserreich Karls d. Gr. Und er sorgte für Schulbildung, verbesserte die Landbebauung, erzwang die Christianisierung und führte die Deutsche Sprache für sein Reich ein; mehr dazu im Post 11 (Germanisch). – In dieser Zeit und wenig später richteten sich auch andere Völker auf (neuen) Siedlungsgebieten ein, und es entstanden die ersten heutigen, europäischen Nationalstaaten wie Polen, Frankreich, England
6. Das Heilige Römische Reich war 962 aus dem Ostteil des Frankenreichs von Karl d. Gr. entstanden, vom Ende des 15. Jahrhunderts an hieß es Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation. Es vereinigte alle deutschsprachigen Fürstentümer einschl. Nord-Italien bis 1806; erst danach („nach Napoleon“) entstanden die Staaten Deutschland, Österreich, Ungarn und die Schweiz.

Post 4: Ursprüngliche Sprachgruppen in Europa

Beitragsbild: Malerei aus den Höhlen von Lascaux im Südosten Frankreichs, ca. 30.000 bis 20.000 Jahre v.Chr.

Dieser kleine Ausschnitt aus den riesigen Höhlenbilder-Ansammlungen zeigt die künstlerische Qualität der Produzenten; die Bilder gehören seit 1979 zum Weltkulturerbe. – Wer sich zeichnerisch/ malerisch so ausdrücken kann (Farben, Petroleumlampen und Baugerüste eingeschlossen), der ist auch geistig  viel zivilisierter, als wir gemeinhin von Steinzeitmenschen annehmen.  Und . . .

. . . es gab auch schon vor dem Indo-europäischen eine oder verschiedene Sprachen im steinzeitlichen Europa! Wenden wir uns lieber „unserer“ Sprachgeschichte zu; denn die ist auch – ein klein wenig – besser nachvollziehbar:

KAPITEL II:

Die Entwicklung erster Sprachgruppen in Europa

Im vorigen Kapitel habe ich im ersten Abschnitt zu erklären versucht, dass die indo-europäische Ausgangssprache sich wahrscheinlich schon während ihrer Ausdehnung zu verändern begann. Dieser Veränderungsprozess, der auch als ein Prozess der Auflösung der indoeuropäischen Ursprachenbezeichnet werden kann, erstreckt sich – mit der dynamischen Besiedlung Europas (s. v.!) –  über einige tausend Jahre.

Beachten Sie auch diese Einschränkung: Sprachen oder Sprachgruppen des Indoeuropäischen, die außerhalb Europas entstanden, z. B. in Gebieten Persiens oder Vorderindiens, werden hier nicht beachtet, sie sprengen den Rahmen meines Themas.              Europakarte mit Sprachgebieten

Abb. 9: Ursprünglich in Europa entstandene Sprachen © Fuhrmann                                     

 

keltisch

germanisch     romanisch

Baltoslawisch  (Rus)

Keine Regel  ohne 

Ausnahmen:                                             Es gibt auch einige sprachliche Sonderfälle in der großen indoeuropäischen Familie:

Mit den hier farbig umrandeten ‚Sprachbereichen‘ verhält es sich ähnlich wie bei der ersten Abbildung (Abb. 1 im Post 2): Von den jeweiligen Ursprungsgebieten aus (Kreis bzw. Elypse)  haben sich diese Sprachen allmählich bei den Völkern in den durch Punktlinien umschlossenen Raum durchgesetzt. Das gilt allerdings nicht bei diesen hier genannten Sprachen:

1. Autarke Sprachen –

Ich bezeichne folgende vier „Einzel-Sprachen“ als  autarke Sprachen[1] [1] autark: ungebunden und selbständig; vom Ausland, von allen Nachbarstaaten unabhängig, weil sie sich nicht in nachfolgenden  Sprachen gezeigt haben, sondern „allein“ geblieben sind, einzig: Baskisch, Griechisch, Albanisch (bei Griechenland) und Armenisch (im Kaukasus). Diese Sprachen werden im KAPITEL III/Post 7 einzeln und genauer vorgestellt.

In der Abbildung 9 sind jedoch insbesondere (außer für das Griechische und die anderen autarken Sprachen) noch  fünf  Sprachbereiche  zu erkennen, die alle aus dem Indoeuropäischen entstanden sind, die ich  darum als ursprüngliche Sprachgruppen Europas bezeichnen möchte.[2] [2]Ich halte dabei an Franz Bopps „indogermanischer Ursprache“ als der Ausgangssprache fest – aus Überzeugung von der Begründung seiner Theorie Von ihnen stammen fast alle übrigen europäischen Muttersprachen ab. Spätestens bei Betrachtung einer Landkarte von Europa erkennt man, dass es mehr als 30 Staaten auf ‚unserem Erdteil‘ geben muss; es sind – ohne die Türkei – 46 Staaten. Und es werden weit mehr als 46 Muttersprachen sein!

Sie alle sollen im KAPITEL III vorgestellt werden, die autarken, keltischen und germanischen, die romanischen, balto-slawischen Sprachen und noch eine weitere Sprachgruppe. Hier ein Überblick:

Die fünf  ursprünglichen Sprachgruppen (Abb. 9):

2. Die germanischen Sprachen, 

entstanden nach neueren Forschungen bereits im 2. Jahrtausend v.Chr.[3] [3]Die „Frühgeschichte“ unterteilt diese Jungsteinzeit in auffallend viele Zeitstufen oder Epochen, weil von 2.500 v.Chr. an auch die Menschen Mitteleuropas große kulturelle Fortschritte erzielten. Davor  durchstreiften nur die Nomadenvölker der Jäger und Sammler unser Europa. Die lebten von allem Essbaren, das sie gerade vorfanden; und wenn sie das verzehrt hatten zogen sie weiter. (Achtung: die später einsetzende Völkerwanderung ist nicht mit dem Nomadentum, dem Nomadismus der alten Steinzeit zu verwechseln!) In der Jungsteinzeit waren aus den Nomadenvölkern der Jäger und Sammler längst Sesshafte geworden, die große und kleine Wildtiere zu Haustieren domestiziert („an das Haus gewöhnt“) hatten, die zunehmend auch Handel trieben mit benachbarten oder fernen Völkern, zumeist angeregt durch „Zugewanderte“, die Neues aus den Hochkulturen des Orients „mitbrachten“ oder vorführten: So war übrigens auch die Metallgewinnung „in den Norden“ gekommen: Sie kam mit der Bronzezeit (ab 1.800 v.Chr.) zu uns, und knapp 1.000 Jahre später folgte dann die Eisenzeit

Inzwischen hatten die Menschen sich zu Volksstämmen zusammengefunden, jeweils eigene Sitten und Gebräuche und damit Rechte und Pflichten, Ehre, Respekt und Gehorsam kennen und danach zu leben gelernt … und für diese Verhaltensweisen hatten sie auch sprachliche Formulierungen gefunden

Die germanischen Volksstämme hatten sich – von ca. 2.000 v.Chr. an – von ihren Stammgebieten in  Schweden, Dänemark und Norddeutschland über Nord-, Nordwest- und Mitteleuropa ausgedehnt und verdrängten allmählich die dort siedelnden Kelten, die gleichzeitig der kriegerischen Ausweitung des Römischen Reiches weichen mussten. „Alte Schriften“ und sprachliche Nachweise (über das Gotische) reichen bis 400 v.Chr. zurück, aber Funde germanischer Schriftzeichen (Runen) gibt es erst aus dem 2. Jahrhundert n.Chr. (vgl. Post 7).

2. Die Kelten,

haben schon vor mehr als 3.000 Jahren in Europa gelebt. Sie hinterließen Siedlungsspuren ihrer Kultur in ganz Westeuropa: in Südost-England,  Frankreich, Nordspanien, aber auch im Südosten zwischen Ungarn und Oberitalien, sogar im heutigen Deutschland bis zum nördlichen Rand der  Mittelgebirge  und auch in der Türkei. Diese Funde sind auf die im 4. Jahrhundert v.Chr. einsetzenden keltischen Wanderungen zurückzuführen. Keltische Sprachen finden sich heute jedoch nur noch (als gelbe Flecken) an den nordwestlichen Rändern (Küstengebieten) Europas.

Die Abbildung 10 zeigt einen der berühmten „Hinkelsteine“, die auch in der Sahara gefunden wurden, Asterix und Obelix haben ganze Arbeit geleistet!;  mehr zur keltischen Sprache im Post 8.

Abb. 10:

Menhir an der Pointe du Raz bei Quimper, Bretagne

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17. April 2017
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3. Die romanischen Sprachen

entwickelten sich im heutigen Italien, wo vor 3.000 Jahren allerdings neun aufstrebende Volksstämme dicht beieinander lebten, die offizielle ‚Handelssprache‘ aber griechisch war; denn die südlichen Küsten der Halbinsel und  des ganzen östlichen Mittelmeeres waren von griechischen Händlern und Siedlern „beherrscht“. Die Etrusker, die Latiner und die Italiker dominierten jedoch das Land und seine Kultur, bis die Macht der Römer und damit die lateinische Sprache von 500 v.Chr. an alles zu beherrschen begann  und sich schließlich über Südosteuropa und noch vor dem Jahr 0 auch über ganz  Westeuropa ausbreitete. Überall, wo die römischen Machthaber 500 oder mehr Jahre ihre Kultur und ihre Sprache verbreiten konnte, ist beides bis heute erhalten geblieben: Die romanische Hallenbauweise (insbesondere für Kirchenbauten) und die weltweit bedeutende (‚römisch‘-) lateinische Schriftkultur. Die habe ich allerdings, um der Chronologie[4] gerecht zu werden, erst später in einer Anmerkung gewürdigt (im Post 8) [4]Chronologie: die jeweils thematisierte zeitliche Reihenfolge; wörtlich griech. von chrónos (Zeit) und griech. lógos (Wort/Lehre), – nach der keltisch-irischen Schreibkunst. Die romanische Sprachgruppe wird dann im Post 10 differenziert dargestellt.

4. Die ugrischen Sprachen

kommen aus asiatischen Regionen, – aus den nordwestlichen Gebieten Sibiriens, weit „hinter“ dem Ural, wo sie (vor ca. 10.000 Jahren) entstanden. In den eingezeichneten Sprachgebieten Europas (oben/(Abb. 9) wurden sie ungefähr zwischen 600 und 1.100 n.Chr. zu Muttersprachen – vgl.: Post 10

5. Die balto-slawischen Sprachen

bilden die letzte Sprachgruppe. Das Baltische entwickelte sich in der Nachbarschaft der kleinen (grünen) ugrischen Gebiete (Abb. 9) und das Slawische noch weiter im Osten, im westlichen Teil des heutigen Russlands, aber deutlich diesseits des Urals. Sie entstanden zwischen 950 (Königreich Polen!) und 1.200  n.Chr., ihr Stammland liegt in der Nachbarschaft der baltischugrischen Sprachen, und sie werden im Post 11 aufgeführt. –

Es ist demnach offenkundig geboten, der Sprachvielfalt auf unserem Kontinent weiter nachzugehen (s. Post 12). Aber bevor im nächsten Kapitel die Entwicklung der Muttersprachen in Europa  dargestellt wird, halte ich eine Reflexion darüber für erforderlich, wie diese verwirrende Vielfalt überhaupt entstehen konnte. Und wie und wann das Schreiben der Sprachen dazu kam.

Am Ende dieser internen Systematik erscheint mir die Betrachtung externer Sonderfälle erforderlich: Schließlich gab es und gibt es auch Sprachen (und Muttersprachen), die in Europa gesprochen werden, die aber nicht hier beheimatet sind wie die indoeuropäischen Sprachen. (Ich habe den außereuropäischen, östlichen Zweig dieser Sprachfamilie nicht beachtet, um mein Thema nicht zu überfrachten.)  Dafür schließe ich nun die in Europa oder doch in europäischen Randgebieten gesprochenen Sprachen zu einer 7. Gruppe zusammen. Dort werden in Europa gesprochene Muttersprachen aufgeführt, von denen einige weder indoeuropäische Wurzeln noch ein eigene geschichtliche Entwicklung in Europa genommen haben (anders als „unsere“ ugrischen Sprachen der 4. Sprachgruppe, die sich hier entfalten konnten.

Im folgenden Post 5 werde ich mich jedoch zunächst und allgemein  zu dem Miteinander-Sprechen der Menschen äußern, – eben: Schritt für Schritt. Wie begann das alles?

Und im Post 6 erkläre ich kurz, wie es dazu kam, dass wir in Europa gelernt haben, unsere Sprache auch zu schreiben.

 

Anmerkungen:

[1]  autark: ungebunden und selbständig; vom Ausland, von allen Nachbarstaaten unabhängig

[2]  Ich halte dabei an Franz Bopps „indogermanischer Ursprache“ einer Ausgangssprache fest – aus Überzeugung von der Begründung seiner Theorie

[3]  Die „Frühgeschichte“ unterteilt diese Jungsteinzeit in auffallend viele Zeitstufen oder Epochen ein, weil von 2.500 v.Chr. an auch die Menschen Mitteleuropas große kulturelle Fortschritte erzielten, – oft angeregt durch „Zugewanderte“, die Neues aus den Hochkulturen des Orients „mitbrachten“ oder vorführten: So kam die Metallgewinnung „in den Norden“: So kam die Bronzezeit (ab 1.800 v.Chr.) zu uns und knapp 1.000 Jahre später auch die Eisenzeit.  Aus den Nomadenvölkern der Jäger und Sammler waren längst Sesshafte geworden (Achtung: die später einsetzende Völkerwanderung ist nicht mit dem Nomadentum, dem Nomadismus der alten Steinzeit zu verwechseln!), die große und kleine Wildtiere zu Haustieren domestiziert („an das Haus gewöhnt„) hatten, die zunehmend auch Handel trieben mit benachbarten oder fernen Völkern. Inzwischen hatten die Menschen sich zu Volksstämmen zusammengefunden, jeweils eigene Sitten und Gebräuche und damit Rechte und Pflichten, Ehre, Respekt und Gehorsam kennen und danach zu leben gelernt … und dafür auch sprachliche Formulierungen gefunden.

[4]  Chronologie:  die jeweils  thematisierte zeitliche Reihenfolge; wörtlich griech. von chrónos (Zeit) und griech. lógos (Wort/Lehre)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkungen   [ + ]

1. autark: ungebunden und selbständig; vom Ausland, von allen Nachbarstaaten unabhängig
2. Ich halte dabei an Franz Bopps „indogermanischer Ursprache“ als der Ausgangssprache fest – aus Überzeugung von der Begründung seiner Theorie
3. Die „Frühgeschichte“ unterteilt diese Jungsteinzeit in auffallend viele Zeitstufen oder Epochen, weil von 2.500 v.Chr. an auch die Menschen Mitteleuropas große kulturelle Fortschritte erzielten. Davor  durchstreiften nur die Nomadenvölker der Jäger und Sammler unser Europa. Die lebten von allem Essbaren, das sie gerade vorfanden; und wenn sie das verzehrt hatten zogen sie weiter. (Achtung: die später einsetzende Völkerwanderung ist nicht mit dem Nomadentum, dem Nomadismus der alten Steinzeit zu verwechseln!) In der Jungsteinzeit waren aus den Nomadenvölkern der Jäger und Sammler längst Sesshafte geworden, die große und kleine Wildtiere zu Haustieren domestiziert („an das Haus gewöhnt“) hatten, die zunehmend auch Handel trieben mit benachbarten oder fernen Völkern, zumeist angeregt durch „Zugewanderte“, die Neues aus den Hochkulturen des Orients „mitbrachten“ oder vorführten: So war übrigens auch die Metallgewinnung „in den Norden“ gekommen: Sie kam mit der Bronzezeit (ab 1.800 v.Chr.) zu uns, und knapp 1.000 Jahre später folgte dann die Eisenzeit

Inzwischen hatten die Menschen sich zu Volksstämmen zusammengefunden, jeweils eigene Sitten und Gebräuche und damit Rechte und Pflichten, Ehre, Respekt und Gehorsam kennen und danach zu leben gelernt … und für diese Verhaltensweisen hatten sie auch sprachliche Formulierungen gefunden

4. Chronologie: die jeweils thematisierte zeitliche Reihenfolge; wörtlich griech. von chrónos (Zeit) und griech. lógos (Wort/Lehre

Post 5: Sprechen

Post 5: Vermutungen über das unterschiedliche Sprechen

Zum Beitragsbild: In der Sprachwissenschaft ist die Morphologie die Lehre von den Formen der Wörter. Es geht um die Regeln, nach denen Wörter geformt werden oder – zu weiteren Wörtern – umgeformt werden. Das Wort Unmorphologie ist so gar nicht bildbar, es ist unsinnig (wie alle Wörter dieses Beitragsbildes). Schmunzeln beim Lesen ist erlaubt.

–  –  –  –  –  –  –

Im vorigen Post habe ich die Frage gestellt: woher kommen so viele Sprachen wie es (wahrscheinlich) Völker gegeben hat? Wie kommt es zu einer so breit gestreuten Sprachvielfalt? Es wäre doch viel hilfreicher für unsere Ururahnen gewesen, wenn der Fortschritt (was auch immer er bedeutet) einsprachig den indoeuropäischen Raum erobert hätte!

Zur Beantwortung haben uns die Sprachhistoriker bisher kaum weiterhelfen können. Sie haben „nur“ gemacht, was alle Historiker tun: sie forschten (und forschen), von ihrer Gegenwart ausgehend, zurück in die Vergangenheit. Schriften gab es nicht, aber Höhlenmalereien, deren ‚Malgründe‘, die Felswände dieser Höhlen, ziemlich sicher (von Geologen[1]) datiert werden können. [1]Ein Geologe ist ein Gesteinsforscher, er hat die Gesteine und Erden unserer Erdkruste – und deren Alter – studiert Um die menschliche Fähigkeit zur Kommunikation zu untersuchen, benötigt man sämtliche anthropologischen Wissenschaftsbereiche[2] [2]Anthropologische Wissenschaften berühren alles, was mit Menschen zu tun hat: Humanwissenschaften wie Anatomie, Sozialgeschichte, Psychologie, Soziologie, Etymologie, die ganze Gruppe der Geistes- und der Kulturwissenschaften einschl. der klassischen Geschichtswissenschaft, der Kunstwissenschaft und der Philosophie. Aber es gibt auch unsere Zoologen, die im Altertum forschen (Paläontologen)[3]: [3]Zoologen sind Tierwissenschaftler und Paläontologen kennen sich mit „Urzeit-Tierfunden“ aus, die vor ca. 300- bis 500Millionen Jahren gelebt haben; laaange Zeit vor den Menschen Wir kennen alle die Tierwelt der damaligen Zeit mit den Mammuts, Höhlenlöwen usw. aus den Animationsfilmen und entsprechende, spannende Geschichten‘ aus der Urzeit[4] [4]Urzeit ist ein schwammiger Begriff unserer Umgangssprache, in unserer Fantasie (genährt durch eben diese Bilder und Filme), in denen mitunter die ersten Menschen auftauchten, obwohl die erst 200 Millionen Jahre später auf der Erde leben konnten – vgl. Post 1, Anm. 4!. Wir wissen inzwischen – vgl. Kapitel IEntwicklungsgeschichte der Menschheit, dass Europa, vor 60- oder 50.000 Jahren nur spärlich besiedelt war, aber immerhin besiedelt[5]. [5]Zur damaligen Bevölkerungsdichte im heute deutschsprachigen Raum habe ich keine haltbaren Angaben gefunden, auch keine Schätzwerte. Das lässt mich vermuten, dass die Besiedlung maximal bei 10 bis 20 Menschen pro km2 lag Es fällt mir schwer zu glauben, dass jemand sich über diese riesigen Zeiträume konkrete Vorstellungen machen kann. Darum versuche ich noch einmal, aus der Sicht eines Erzählers die Vergangenheit zu erfassen:

Abb. 11: de.wickipedia.org.jgg

Rund 10.000 Jahre nach der letzten Kaltzeit war die einstmals karge Heide- und Moos-Vegetation der Tundra allmählich zurückgedrängt worden. Doch „schon“ 4.000 Jahre später (!) war der ganze Norden Europas – von Nordspaniens Atlantikküste bis zum Ural, – ausschließlich des Mittelmeerraumes und der Länder südlich der Alpen, der Karpaten und des Kaukasus, – „begrünt“ und mit artenreichen Wald- und Steppenlandschaften ausgestattet. 

Abb. 12: Urwald – aus einer Bilderserie über Polens Urwälder
Abb. 13: Germanische Gefäße – Museum Koeln

Allerdings traf man Menschen nur selten an, so dass suchenden Siedlern die Gegenden unbewohnt erschienen. Jäger und Sammler und ihre Familien (‚Steinzeitmenschen‘) hatten gerade begonnen, aus Feldsteinen und Reisig Lagerhütten für ihre Vorräte zu bauen.  Und natürlich hatten sie „ihre“ eigene Sprache. Und die nächsten ‚Großgruppen‘, vielleicht hunderte von Kilometern entfernt, hatten auch ihre eigenen. Sie alle zogen mit Tongefäßen, einigen Hausgeräten und primitiven Waffen durch ihre „Ernte- und Jagdgebiete“. Manche in „den Bergen“ – mit Höhlen, andere in Sumpfgebieten, an Flüssen oder Seen. Die brauchten Häuser auf Pfählen, hatten Boote und Fischfanggeräte, die anderen mussten Steine behauen und hatten Fallen, Felle und Stein-Geschosse. Wieder andere Menschen kamen vorbei, die für sich und ihre Familien eine feste Bleibe suchten, in einem geeigneten Gelände, wo sie Lager errichten wollten und sich ein möglichst friedliches und auskömmliches Leben erhofften, viele hatten sogar schon einige Tiere an ihre Gemeinschaft gewöhnt. Aber diese „Besetzungen“ geschahen zumeist nicht durch riesige Heere von Kriegern, sondern eher durch überschaubar große Volksgruppen, die sich allenfalls aus einigen befreundeten Großfamilien zusammengefunden hatten – drei oder vier Generationen umfassend. – Die Menschen lebten dann einige Zeit, vielleicht sogar mehrere Jahre lang „unter sich“ und oft auch ungestört. Vielleicht war die Gruppe nach 50 oder 100 Jahren auf 300 Köpfe angewachsen und verstand sich inzwischen als ‚Stamm‘ oder zumindest als Teil eines größeren ‚Volksstamms‘, sie hatte in dieser Zeit des engen Zusammenlebens und ihrer existentiell bedingten sozialen Geschlossenheit ganz eigene Lebenserfahrungen gemacht, eigene Regeln zum Leben in ihrer Gemeinschaft aufgestellt – und sich dafür auch eigene sprachliche (Rede-)Wendungen und Begriffe angeeignet, teils innovativ, teils nur „anders klingend“ als vor der Siedlungszeit… 

Wir sollten uns hüten zu denken, die Kommunikation dieser Jungsteinzeit-Menschen sei auf einem Niveau von Kleinkindern (im Alter von etwa 2 bis zu 4 Jahren) oder so ähnlich erfolgt.  –  Das Gegenteil wird eher der Fall gewesen sein: Museen zeigen uns, wie hoch die Alltagskultur sich zwischen der Stein- und der Eisenzeit entwickelt hatte[6] [6]Darum erlaube ich mir, Ihnen noch einmal eine Anmerkung aus dem vorigen Post anzubieten: Die „Frühgeschichte“ unterteilt diese Jungsteinzeit in auffallend viele Zeitstufen oder Epochen ein, weil von 2.500 v.Chr. an auch die Menschen Mitteleuropas große kulturelle Fortschritte erzielten, – oft angeregt durch „Zugewanderte“, die Neues aus den Hochkulturen des Orients „mitbrachten“ oder vorführten: So kam die Metallgewinnung „in den Norden“: So kam die Bronzezeit (ab 1.800 v.Chr.) zu uns und knapp 1.000 Jahre später auch die Eisenzeit.  Aus den Nomadenvölkern der Jäger und Sammler waren längst Sesshafte geworden (Achtung: die später einsetzende Völkerwanderung ist nicht mit dem Nomadentum [Nomadismus der alten Steinzeit] zu verwechseln!), in der die Menschen große und kleine Wildtiere zu Haustieren domestiziert („an das Haus gewöhnt„) hatten, und in der zunehmend auch Handel mit benachbarten oder fernen Völkern getrieben wurde. Inzwischen hatten die Menschen sich zu Volksstämmen zusammengefunden, jeweils eigene Sitten und Gebräuche und damit Rechte und Pflichten, Ehre, Respekt und Gehorsam zu leben gelernt … und dafür auch sprachliche Formulierungen gefunden.

Die Frauen und Männer hatten über viele Generationen ihre Sinne und ihre körperlichen Fähigkeiten zu schärfen und einzusetzen gelernt, hatten gelernt, Natur und Fremdes schnell und genau zu beobachten und daraus Nutzen für das eigene Leben zu ziehen, hatten gelernt, auf die ständig sie umgebende „natürliche“ Gefahr, auf plötzliche Begegnungen mit wilden Tieren und auftauchenden Hindernissen schnell zu reagieren, weil das lebenswichtig sein konnte.[7] [7]Eine erhöhte Wachsamkeit – in Stress- oder Gefahr-Situationen entwickeln wir heute noch am häufigsten im Straßenverkehr, wobei dann gern vom „siebten Sinn“ gesprochen wird. Aber auch da sind wir zumeist untrainiert, weil die eigene Angst oder Panik oder Hektik uns zu unangemessenen Reaktionen verleitet. ‚Damals‘ war die Lebensgefahr viel realistischer; ich nehme an, die Instinkte und Reflexe unserer Vorfahren waren geschärfter und sicherer, so, wie die der (wilden) Tiere ihrer Umgegend; denn fast alle waren Jäger und Gejagte

… Wahrscheinlich waren auch ab und zu wandernde Händler oder ‚Handwerker‘ vorbeigekommen – und hatten ihrerseits „neue“ Wörter da gelassen. Ach ja, und kleine Verteidigungskämpfe des „eigenen“ Gebietes oder strategisch vorbereitete Eroberungskämpfe für ein besseres Landstück wird es auch gegeben haben. Aber Stammesgebiete entstanden erst später, und nach dem friedlichen oder siegreichen Abschluss solcher Begegnungen wurde man auch allmählich wieder „sprachlich“ einig.[8] [8]Um 200 n.Chr. erforschten römische Schreiber als ‚Protokollanten‘ der römisch-kaiserlichen Soldaten erste Stammesgebiete germanischer Volksstämme, „staatsähnliche“ Reiche entstanden danach erst um 500 n.Chr.

Übertragen Sie diese szenische Einblendung auf den europäischen oder/und auf den germanischen Sprachraum und seine mehrere tausend Jahre andauernde Entwicklung, und dieser Gedankengang wird zu einem ganz und gar „unhistorischen“, aber unverzichtbaren Denkmodell für das Verstehen des Auseinanderdriftens der indoeuropäischen Ursprache. Blenden Sie nun bitte um auf das Eindringen der Römer, der Menschen aus einer fortschrittlicheren Kultur:

Abb. 14 – Germanen und Römer, Handel am Rhein

Abb. 14: id5e0a17-78c4-4677-9577-9fb786f2091e.jpg

Und vergegenwärtigen Sie sich nur einmal, von wie vielen plattdeutschen Dialekten, von wie unterschiedlichen deutschen Mundarten Sie persönlich wissen oder gehört  haben[9] [9]1990 wurden über 80 Dialekte und Mundarten gezählt – ohne das „Deutsche“ in Österreich und der Schweiz.  Dass dabei auch völlig andere Begriffe für die gleichen Alltagsgegenstände oder für manche ähnlichen Gesten, Situationen, für das Aussehen oder die Beschreibung eines Ereignisses oder eines Geschehens auftauchen, weiß jeder, der sich mit Kreuzworträtseln befasst. –

Wenden wir uns nun der sicheren Seite der Sprachforschung zu,  Im nächsten Post lesen Sie von den Anfängen des Schreibens in Europa.

 

Anmerkungen:

[1] Ein Geologe ist ein Gesteinsforscher, er hat die Gesteine und Erden unserer Erdkruste – und deren Alter – studiert

[2] Anthropologische Wissenschaften berühren alles, was mit Menschen zu tun hat: Humanwissenschaften wie Anatomie, Sozialgeschichte, Psychologie, Soziologie, Etymologie, die ganze Gruppe der Geistes- und der Kulturwissenschaften einschl. der klassischen Geschichtswissenschaft, der Kunstwissenschaft und der Philosophie

[3] Zoologen sind Tierwissenschaftler und Paläontologen kennen sich mit „Urzeit-Tierfunden“ aus, die vor ca. 300- bis 500Millionen Jahren gelebt haben; laaange Zeit vor den Menschen

[4]  Urzeit ist ein schwammiger Begriff unserer Umgangssprache, in unserer Fantasie (genährt durch eben diese Bilder und Filme), in denen mitunter die ersten Menschen auftauchten, obwohl die erst 200 Millionen Jahre später auf der Erde leben konnten – vgl. Post 1, Anm. 4! –

[5] Zur damaligen Bevölkerungsdichte im heute deutschsprachigen Raum habe ich keine haltbaren Angaben gefunden, auch keine Schätzwerte. Das lässt mich vermuten, dass die Besiedlung maximal bei 10 bis 20 Menschen pro km2 lag

[6] Darum erlaube ich mir, Ihnen noch einmal eine Anmerkung aus dem vorigen Post anzubieten: Die „Frühgeschichte“ unterteilt diese Jungsteinzeit in auffallend viele Zeitstufen oder Epochen ein, weil von 2.500 v.Chr. an auch die Menschen Mitteleuropas große kulturelle Fortschritte erzielten, – oft angeregt durch „Zugewanderte“, die Neues aus den Hochkulturen des Orients „mitbrachten“ oder vorführten: So kam die Metallgewinnung „in den Norden“: So kam die Bronzezeit (ab 1.800 v.Chr.) zu uns und knapp 1.000 Jahre später auch die Eisenzeit.  Aus den Nomadenvölkern der Jäger und Sammler waren längst Sesshafte geworden (Achtung: die später einsetzende Völkerwanderung ist nicht mit dem Nomadentum [Nomadismus der alten Steinzeit] zu verwechseln!), in der die Menschen große und kleine Wildtiere zu Haustieren domestiziert („an das Haus gewöhnt„) hatten, und in der zunehmend auch Handel mit benachbarten oder fernen Völkern getrieben wurde. Inzwischen hatten die Menschen sich zu Volksstämmen zusammengefunden, jeweils eigene Sitten und Gebräuche und damit Rechte und Pflichten, Ehre, Respekt und Gehorsam zu leben gelernt … und dafür auch sprachliche Formulierungen gefunden.

[7]  Eine erhöhte Wachsamkeit – in Stress- oder Gefahr-Situationen entwickeln wir heute noch am häufigsten im Straßenverkehr, wobei dann gern vom „siebten Sinn“ gesprochen wird. Aber auch da sind wir zumeist untrainiert, weil die eigene Angst oder Panik oder Hektik uns zu unangemessenen Reaktionen verleitet. ‚Damals‘ war die Lebensgefahr viel realistischer; ich nehme an, die Instinkte und Reflexe unserer Vorfahren waren geschärfter und sicherer, wie die der (wilden) Tiere ihrer Umgegend; denn fast alle waren Jäger und Gejagte

[8]  Um 200 n.Chr. erforschten römische Schreiber als ‚Protokollanten‘ der Soldaten erste Stammesgebiete germanischer Volksstämme, „staatsähnliche“ Reiche entstanden danach erst um 500 n.Chr.

[9] 1990 wurden über 80 Dialekte und Mundarten gezählt – ohne das „Deutsche“ in Österreich und der Schweiz.

Anmerkungen   [ + ]

1. Ein Geologe ist ein Gesteinsforscher, er hat die Gesteine und Erden unserer Erdkruste – und deren Alter – studiert
2. Anthropologische Wissenschaften berühren alles, was mit Menschen zu tun hat: Humanwissenschaften wie Anatomie, Sozialgeschichte, Psychologie, Soziologie, Etymologie, die ganze Gruppe der Geistes- und der Kulturwissenschaften einschl. der klassischen Geschichtswissenschaft, der Kunstwissenschaft und der Philosophie
3. Zoologen sind Tierwissenschaftler und Paläontologen kennen sich mit „Urzeit-Tierfunden“ aus, die vor ca. 300- bis 500Millionen Jahren gelebt haben; laaange Zeit vor den Menschen
4. Urzeit ist ein schwammiger Begriff unserer Umgangssprache, in unserer Fantasie (genährt durch eben diese Bilder und Filme), in denen mitunter die ersten Menschen auftauchten, obwohl die erst 200 Millionen Jahre später auf der Erde leben konnten – vgl. Post 1, Anm. 4!
5. Zur damaligen Bevölkerungsdichte im heute deutschsprachigen Raum habe ich keine haltbaren Angaben gefunden, auch keine Schätzwerte. Das lässt mich vermuten, dass die Besiedlung maximal bei 10 bis 20 Menschen pro km2 lag
6. Darum erlaube ich mir, Ihnen noch einmal eine Anmerkung aus dem vorigen Post anzubieten: Die „Frühgeschichte“ unterteilt diese Jungsteinzeit in auffallend viele Zeitstufen oder Epochen ein, weil von 2.500 v.Chr. an auch die Menschen Mitteleuropas große kulturelle Fortschritte erzielten, – oft angeregt durch „Zugewanderte“, die Neues aus den Hochkulturen des Orients „mitbrachten“ oder vorführten: So kam die Metallgewinnung „in den Norden“: So kam die Bronzezeit (ab 1.800 v.Chr.) zu uns und knapp 1.000 Jahre später auch die Eisenzeit.  Aus den Nomadenvölkern der Jäger und Sammler waren längst Sesshafte geworden (Achtung: die später einsetzende Völkerwanderung ist nicht mit dem Nomadentum [Nomadismus der alten Steinzeit] zu verwechseln!), in der die Menschen große und kleine Wildtiere zu Haustieren domestiziert („an das Haus gewöhnt„) hatten, und in der zunehmend auch Handel mit benachbarten oder fernen Völkern getrieben wurde. Inzwischen hatten die Menschen sich zu Volksstämmen zusammengefunden, jeweils eigene Sitten und Gebräuche und damit Rechte und Pflichten, Ehre, Respekt und Gehorsam zu leben gelernt … und dafür auch sprachliche Formulierungen gefunden
7. Eine erhöhte Wachsamkeit – in Stress- oder Gefahr-Situationen entwickeln wir heute noch am häufigsten im Straßenverkehr, wobei dann gern vom „siebten Sinn“ gesprochen wird. Aber auch da sind wir zumeist untrainiert, weil die eigene Angst oder Panik oder Hektik uns zu unangemessenen Reaktionen verleitet. ‚Damals‘ war die Lebensgefahr viel realistischer; ich nehme an, die Instinkte und Reflexe unserer Vorfahren waren geschärfter und sicherer, so, wie die der (wilden) Tiere ihrer Umgegend; denn fast alle waren Jäger und Gejagte
8. Um 200 n.Chr. erforschten römische Schreiber als ‚Protokollanten‘ der römisch-kaiserlichen Soldaten erste Stammesgebiete germanischer Volksstämme, „staatsähnliche“ Reiche entstanden danach erst um 500 n.Chr.
9. 1990 wurden über 80 Dialekte und Mundarten gezählt – ohne das „Deutsche“ in Österreich und der Schweiz

Post 6: Schreiben

Post 6:  Geschriebene Sprache  

Der wichtigste Beweis für die Theorie einer (einzelnen) Sprache und für die Herkunft der vielen Sprachen unserer indoeuropäischen Völker ist die Sichtbarmachung der Sprachen durch ihre Schrift. Das indische Sanskrit ist neben dem Griechischen eine der ältesten schriftlich belegten Sprachen, die zum Vergleich herangezogen werden konnten und durch die Franz Bopps‘ Verwandtschaftstheorie letztlich belegt wurde (s. vorne!)[1] [1]Sanskrit entstand um 1200 v.Chr., die Griechische Schrift um 800  und die Lateinische Schrift um 700 v.Chr..

Wenn so unterschiedliche Sprachen wie Portugiesisch, Albanisch, Isländisch und Kurdisch eine gemeinsame indoeuropäische Wurzel haben, weil sie auffallend häufig übereinstimmen, sagt die Sprachforschung, kann das kein Zufall sein. Zumal, wenn diese Übereinstimmungen schon beim Altgriechischen und beim Hethitischen, das bereits um 1200 v.Chr. untergegangen war, sogar beim Sanskrit, das – als gesprochene Sprache – vor immerhin 2.300 Jahren ausgestorben war, nachzulesen sind.

Die Geschichte unserer Sprache ist immer auch die Geschichte der Menschheit, die Geschichte unserer Kultur. Und noch einmal verfalle ich ins Erzählen und wähle bewusst schlichte Sätze aus:

Lange bevor die Menschen sesshaft wurden, Ackerbau und Viehzucht betrieben und Waren von A nach B brachten, haben sie sich unterhalten, haben etwas gesagt oder gerufen oder geflüstert, damit andere hören und verstehen konnten, was zu tun oder was gemeint war oder worauf zu achten war in fremder Umgebung, zum Beispiel als Jäger und Sammler: „Hinten im Wald gibt es Pilze.“ – „Auf der anderen Seite stehen Bäume mit Äpfeln.“ – „Bald wird es kalt.“ – „Ich habe einen großen Hirsch gesehen.“ Einige solcher Mitteilungen sind uns als Höhlen-Zeichnungen bekannt: frühe, zigtausend Jahre alte, grafisch dargestellte Sprache. Einfach erfundene, „verabredete“ Zeichen dienten über Jahrtausende der „nonverbalen Kommunikation“[2] [2]Nonverbale Kommunikation: Kommunikation „ohne Worte“,  Zeichensprache.

Bis etwa 1.100 Jahre v.Chr. ein Volk  im östlichen Mittelmeerraum ein geniales Zeichensystem für die Sprache entwickelten: Es waren die Phönizier, –  und die lebten wiederum in der Levante: Ein Volk an der Ostküste des Mittelmeeres (Post 1, Abb. 3!). Die „gelehrten“, weisen Männer dieses Volkes hatten sich beim Sprechen genau beobachtet und dabei festgestellt, dass immer wieder die gleichen oder doch sehr ähnliche ‚Klang-Einheiten‘ auftauchten: schließlich unterschieden sie 22 Laute und erfanden für jeden Laut ein eigenes kleines Zeichen („Buchstaben“) , – ob für einen Ton [durch die Stimmbänder und in der Mundhöhle erzeugt] oder für ein Geräusch, hervorgebracht mit Zunge, Lippen oder dem Gaumen. – So entstand das erste Alphabet [3] [3]Der Name Alphabet kommt aus dem Griechischen, wo die Buchstaben (natürlich griech.) Alpha, Beta, Gamma  usw. genannt wurden; Sie kennen diese Namen u. a. aus den griechischen Bezeichnungen von Winkeln, von dem fast alle späteren Alphabet-Schriften abstammen, auch die modernen europäischen Alphabete einschließlich des Griechischen, des Lateinischen und des Kyrillischen, der Schrift der slawischen Sprachen. – In meinem Sachbuch Mit Bildern umgehen[4] [4]www. Klaus D. Fuhrmann: Mit Bildern umgehen.de – eine Enzyklopädie der Bilder habe ich in der Geschichte unserer Welt neun Hochkulturen genannt. Und: Alle Hochkulturen der Weltgeschichte besaßen auch Schriftkulturen.

 

Abb. 15: Das phönizische Alphabet
– nach Wikipedia. Links stehen die lateinischen Buchstaben, wie wir sie kennen,
rechts stehen die 22 phönizischen Buchstaben

[Für die Jahreszahlen gilt hier immer: v.Chr.] Mesopotamien, 3.100  – Ägypten, 3.000  – Indien, 2.500  – Griechenland und Kreta, 1.800  – China, 1.300  – Mittelitalien/die Etrusker, 1.000  – danach Rom und auch Mexiko, 700  –  Südamerika, 650  –  Korea, 600 und Japan, 500. –

Die meisten Schriften wurden als Bilderschriften (Hieroglyphen), als Knotenschriften oder Rebus-Schriften entwickelt, nur in Korea und in Japan gab (gibt) es andere Zeichen, die nicht für Buchstaben oder kleine Lauteinheiten standen. Das Alphabet der Phönizier war die erste systematische Darstellung einer Sprache, die ihrem Klang nach in verschiedene Buchstaben zerlegt und in entsprechenden, kleinen Zeichen dargestellt wurde. Ursprünglich galten die Zeichen nur für die Konsonanten[5] in der phönizischen Sprache, später  entstanden  auch Zeichen für die Vokale[6] [5]Konsonanten werden die Buchstaben genannt, die nur mit einem Hilfsbuchstaben deutlich hörbar (ausgesprochen – und:) bezeichnet werden können: b klingt nur mit dem e, das wir dazugeben: be, sonst –  klingt der Konsonant „b“ höchstens wie ein tonlos gehauchter „Knall“ beim Öffnen der Lippen; man braucht also das „e“ als Mitlaut (das ist auch die deutsche Bezeichnung für Konsonant); und ein Vokal wird Selbstlaut genannt; Vokale sind jene Buchstaben, die von selbst klingen: a, e, i, o, u und andere; mehr dazu im Post 22 Deutsch sprechen und schreiben.

Um 800 v.Chr. wurde das griechische Alphabet entwickelt. Später wurde es auch in die lateinische, die kyrillische und in die armenische Schriftsprache übertragen (vgl. Post 7!). Alle europäischen Völker hatten erkannt: Diese Methode, ihre Sprache zu schreiben, war optimal! Und: bis auf einige ost- und südosteuropäische Staaten „schreibt man – inzwischen – lateinisch“.

Abb. 16: Griechisches Alphabet

Griechisches Alphabet

Denn:

Buchstaben sind die kleinsten Bau-Elemente unserer Sprache

Straßenschild auf der Insel Ikaria / GriechenlandAbb. 17: Griechisches Straßenschild https://de.wikipedia.org/wiki/ Datei: Griechisches_Straßenschild.JPG#file

 

Als karolingische Minuskel bezeichnet man die Stilisierung alltäglichen Schreibens. Bisher wurde angenommen, diese sei in der Hofschule Karls des Großen kreiert worden. Von dort breitete sich diese neue Schrift dann aus, wurde zur Hauptarbeit vieler Mönche, dann auch aller Gelehrten und Lehrer. Sie ersetzt die bis dahin gebräuchliche lateinische Schrift in groß und klein geschriebene Buchstaben (Majuskeln sind die Groß– und Minuskeln sind die Kleinbuchstaben).

Alternativtext
Abb. 18: Beschriftung Handschrift vom Kaiserhof Karls d. Gr.

 

Früher, als Schriftstücke, Urkunden, Verträge, Texte u. a. mit der Hand abgefasst wurden, waren die Schriften so einheitlich, wie die Schreiber –  in ganz Europa: oft waren es nur die Mönche, denn die hatten es lernen müssen, sie brachten alles „zu Papier“, was weitergegeben oder aufbewahrt werden sollte. Die Kaligrafie (Schönschrift) war eine hochangesehene Kunst,  auch, wenn unsere Schriften heute fast nur noch gedruckt erscheinen (im Screen oder auf dem Papier).[7] [6]Screen: engl.: Bildschirm. Heute gibt es ungezählte Schrifttypen (Stil- oder Schriftarten) zur Auswahl, auch in jedem Computer. Das ist die künstlerische Arbeit von Schrift-Designern [Design: zeichnerischer Entwurf] Immer seltener schreibt man „mit der Hand“, lautet der besorgte Kommentar eines Deutschlehrers: Die Handschrift als ein beachtetes und individuelles Merkmal der Persönlichkeit der Schreiberin/des Schreibers verliert an Wert (und Beachtung), unter Umständen zugunsten äußerer Erscheinungsmerkmale, die ihrerseits oft modischen Trends folgen – sowohl auf die schreibende als auch auf die lesende Person bezogen. –

In einem Alphabet-System geschriebene Schriften entwickelten mit der Zeit ähnliche Zeichen, setzten auch kleine Zusatz-Zeichen auf oder unter den Buchstaben ein – für deren spezielle Lautung.

Erst in der Schriftsprache kommt eine Muttersprache zur vollen Geltung, kann eine Sprache ihre ganze Qualität entfalten.

Die Römer übertrugen das phönizische Alphabet auf die lateinischen Buchstaben, und Kaiser Karl d. Gr. führte die lateinische Schreibweise um 800 in Mitteleuropa ein. Seit etwa 1500[8] ist diese Schreibweise bei uns vorgegeben [7]Wenn bei Jahreszahlen keine Zusatzbemerkung steht, gilt immer: n.Chr. Buchdruck: vgl. Post 15

Abb. 19: Lateinisches Alphabet © Fuhrmann

 

 

Abb. 20: Kyrillisches Alphabet. Fuhrmann©

Im nächsten KAPITEL III (Post 7) wenden wir uns dann den einzelnen europäischen Muttersprachen zu.

 

 

 Anmerkungen:

[1] Sanskrit entstand um 1200 v.Chr., die Griechische Schrift um 800  und die Lateinische um 700 v.Chr.

[2]  Nonverbale Kommunikation: Kommunikation „ohne Worte“,  Zeichensprache

[3]  Der Name Alphabet kommt aus dem Griechischen, wo die Buchstaben (natürlich griech.) Alpha, Beta, Gamma  usw. genannt wurden; Sie kennen diese Namen u. a. aus den griechischen Bezeichnungen von Winkeln

[4] www. Klaus D. Fuhrmann: Mit Bildern umgehen.de – eine Enzyklopädie der Bilder

[5] Konsonanten werden die Buchstaben genannt, die nur mit einem Hilfsbuchstaben b klingt nur mit dem e, das wir dazu-geben: be, sonst – „b“ klingt dieser Konsonant höchstens wie ein Hauch nachdem Öffnen unserer Lippen; daher die deutsche Bezeichnung Mitlaut – mehr dazu im Post 22 (Deutsch sprechen und schreiben) 

[6] ein Vokal wird auch Selbstlaut genannt; Vokale sind jene Buchstaben, die von selbst klingen, mehr dazu im Post 22 (Deutsch sprechen und schreiben) 

[7] (Screen: engl.: Bildschirm) Heute gibt es ungezählte Schrifttypen zur Auswahl, auch in jedem Computer. Das ist eine künstlerische Arbeit von Schrift-Designern (Design heißt:: zeichnerischer Entwurf)

[8] Wenn bei Jahreszahlen keine Zusatzbemerkung steht, gilt immer: n.Chr. Buchdruck: vgl. Post 15

Anmerkungen   [ + ]

1. Sanskrit entstand um 1200 v.Chr., die Griechische Schrift um 800  und die Lateinische Schrift um 700 v.Chr.
2. Nonverbale Kommunikation: Kommunikation „ohne Worte“,  Zeichensprache
3. Der Name Alphabet kommt aus dem Griechischen, wo die Buchstaben (natürlich griech.) Alpha, Beta, Gamma  usw. genannt wurden; Sie kennen diese Namen u. a. aus den griechischen Bezeichnungen von Winkeln
4. www. Klaus D. Fuhrmann: Mit Bildern umgehen.de – eine Enzyklopädie der Bilder
5. Konsonanten werden die Buchstaben genannt, die nur mit einem Hilfsbuchstaben deutlich hörbar (ausgesprochen – und:) bezeichnet werden können: b klingt nur mit dem e, das wir dazugeben: be, sonst –  klingt der Konsonant „b“ höchstens wie ein tonlos gehauchter „Knall“ beim Öffnen der Lippen; man braucht also das „e“ als Mitlaut (das ist auch die deutsche Bezeichnung für Konsonant); und ein Vokal wird Selbstlaut genannt; Vokale sind jene Buchstaben, die von selbst klingen: a, e, i, o, u und andere; mehr dazu im Post 22 Deutsch sprechen und schreiben
6. Screen: engl.: Bildschirm. Heute gibt es ungezählte Schrifttypen (Stil- oder Schriftarten) zur Auswahl, auch in jedem Computer. Das ist die künstlerische Arbeit von Schrift-Designern [Design: zeichnerischer Entwurf]
7. Wenn bei Jahreszahlen keine Zusatzbemerkung steht, gilt immer: n.Chr. Buchdruck: vgl. Post 15

Post 7: Der Sprachen-Stammbaum

Die Entstehung der Muttersprachen in Europa

 Diesen Sprachen-Stammbaum fand ich bei Wikipedia. Ich habe ihn zu einer Tabelle umgeformt und um einige Anmerkungen ergänzt („Sonderfälle“ o. ä.). Alle mir bekannten „Muttersprachen“ sind in die entsprechenden Spalten eingefügt.

Für die weitere Betrachtung können wir schon drei Merkmale der Sprachbildung und -entwicklung festhalten:

1) Ich habe die Entwicklung der Sprachen in 3 Generationen unterteilt;

2) die „frühen“ Sprachen der 2. Generation sind hier alle fett gedruckt. Und drei dieser zwölf Sprachen sind uns als autarke Sprachen[1] [1]Als autarke Sprachen bezeichne ich Sprachen, die ganz auf sich allein gestellt eine eigene Entwicklung genommen haben – siehe Post 8! überliefert. Mit der Zeit  haben auch die sich  weiter entwickelt, Sie hatten ja auch anderssprachige Nachbarn, und schließlich wurden sie mit neuen Dingen und mit neuen Wörtern bekannt. Aber diese drei älteren Volksstämme (und ein weiterer) blieben „einzig“.

3) In den Spalten unter diesen Sprachen stehen dann – als 3. Generation – alle bis heute entstandenen Muttersprachen, die sich aus dieser fett gedruckten Sprache entwickelt haben. 

Beschränken wir also auf die verbliebenen fünf europäischen Sprachgruppen, die Sie aus dem Post 3 schon kennen. Daraus entstanden bis heute im europäischen Völker- und Kulturen-Gemisch  mehr als 60 Muttersprachen – in der 3. Generation[2] [2]Als Muttersprache bezeichnet man die erste Sprache, die ein Kleinkind (in aller Regel) von seiner Mutter oder einer anderen Bezugsperson lernt. Kulturwissenschaftler gehen davon aus, dass jeder Mensch schon pränatal, also vor seiner Geburt, durch seine (familiäre) Umwelt erheblich beeinflusst wird und auf diese Weise in die heimisch-kulturelle Sprachumgebung „hineinwächst“, mit all ihren Klängen, Redewendungen und Melodien; und darüber hinaus lernt das ungeborene Kind schon viel über typische Verhaltensweisen seiner Familie und der nachbarschaftlichen Umgebung. Sprachwissenschaftler bezeichnen Menschen, die in ihrer Muttersprache kommunizieren, als Muttersprachler.

4) Dabei dürfen die verbliebenen „Sprachinseln“ ohne indoeuropäische Wurzeln und das in den Wissenschaften noch „sehr lebendige“ Latein auch nicht vergessen werden.

Post 7:  Der Sprachen-Stammbaum

1. Generation:
Indoeuropäisch
2. Generation:
Griechisch Albanisch Armenisch † Tocharisch

Keltisch

Italisch / Romanisch Germanisch Baltisch Slawisch Indisch Iranisch /Kurdisch † Anatolisch
3. Generation:
Bretonisch Gälisch Irisch Walisisch Kornisch († Latein) Italienisch  Sizilianisch Sardisch Korsisch  Spanisch Kastilisch  Katalanisch     + Andorra  Andalusisch Portugiesisch Galicisch Französisch Provenzalisch Rumänisch Rätoromanisch Friaulanisch Galloromanisch  † Gotisch Deutsch Letzeburgisch Jiddisch Friesisch Englisch Niederländisch Afrikaans Isländisch Färöisch Norwegisch Schwedisch Dänisch Schottisch Brabant Alemannisch Schwytzer D. Östrreich.‘ D. Lettisch Litauisch Russisch Weißrussisch Ukrainisch      Polnisch    Tschechisch  Slowenisch Mazedonisch Bosnisch      Bulgarisch       Serbisch     Kosowarisch    Kroatisch Kaschubisch  Slowakisch Sorbisch † Sanskrit Hardi Urdu Bengali Punjabi † Avestisch Persisch Paschtu Kurdisch † Hethitisch
† Luwisch
† Lykisch
  • Das Zeichen „“ vor einer Sprache bedeutet, dass diese Sprache heute nicht mehr „benutzt“  wird (Tocharisch und Anatolisch mit seinen drei „Nachfolgern“). Man nennt diese Sprachen „tote Sprachen“, auch einige „Folgesprachen“ sind wieder in der Vergangenheit verschwunden: das Gotische, das Sanskrit und das Avestische. Die einzige Ausnahme ist das Latein.
  • Ich werde die hier aufgeführten Sprachen in diesem KAPITEL III einzeln kurz vorstellen und bei Verweisen deren „Sprach-Nr.“  aus dieser Liste anführen, – für spätere Querbezüge nenne ich die entsprechenden Posts und die Sprach-Nr. dazu: z. B.: „Friesisch (Post 11/30)“
  • Zum Kurdischen auf  Post 14/69
Erläuterungen zum Aufbau:

Dieses Modell zur  Sprachforschung unterscheidet drei Generationen:

a) Der Stammbaum nimmt seinen Ausgang  in einer indoeuropäisch[3] [3]Die frühere Bezeichnung „indogermanisch“ und das noch ältere „indoarisch“ sind aus Gründen der political Correctness überholt, – nicht in fremdsprachigen wissenschaftlichen Texten, aber im Deutschen [auch ein Beleg für „das Leben“ einer Sprache] genannten Sprache, hier: in der 1. Generation

 b) In der2. Generationsind zwölf alte Sprachen aufgeführt, die unabhängig voneinander im Verlauf mehrerer Jahrhunderte entstanden; sie müssten eigentlich alle nebeneinander stehen! Außerdem sind sie dreifach zu unterscheiden: 1) Zwei dieser Sprachgruppen existieren inzwischen nicht mehr: Tocharisch ist seit dem 1. Jahrtausend v.Chr. zwar bekannt, archäologische Funde lassen diese Sprache schon 5.000 Jahre früher vermuten, als gesprochene Sprache ist es aber seit dem 8. Jh. n.Chr. nicht mehr überliefert. 2) Auch die Sprachen Anatolisch (4.000 v.Chr.) mit den ‚Nachfolgern‘ Luwisch, Hethitisch und Lykisch sind inzwischen „tote“ Sprachen, von ihnen sind nur Schrift-Funde aus einigen  Jahrhunderten v.Chr. überliefert. Zwei weitere bedeutsame Sprachgruppen wurden ebenfalls ausgeklammert; sie hatten nur sehr frühe Einflüsse auf die Sprachen unseres Kontinents, und sie sprengen das Thema dieses Kapitels:

1. Indisch wurde seit 5.000 Jahren im asiatischen Subkontinent gesprochen, die sogenannte indoarische Sprache (um 3000 v.Chr.) ist dort unter mehr als 100 Sprachen eine der wichtigsten Quellen für „uns“. Und das Sanskrit (1500 bis 400 v.Chr.), das als maßgebliche Nachfolgerin dieser Sprachrichtung aufgeführt ist, scheint mir eine letzte Verbindung zu der iranischen und schließlich zu den europäischen Sprachgruppen zu sein. Aus dem Sanskrit entwickelten sich die Sprachen Hindi, Urdi, Bengali und Punjabi, die heute noch in Indien gesprochen werden.

2. Auch die Iranischen Sprachen haben, dem Indischen ähnlich, mehrere Sprachfamilien vorzuweisen, das Avestische (um 1500 v.Chr.) ist inzwischen „tot“. Persisch dagegen ist seit etwa 1000 v.Chr. bekannt, ungefähr zeitgleich mit dem Paschtu, das sich bis Afghanistan verbreitete. Allerdings hat die kurdische Sprache, die sich zunächst in Zentralpersien und schließlich – ab 1920 – in Kurdistan und später in weiten Teilen der Türkei, Persiens und Syriens verbreitete, sich ihre indo-europäischen Wurzeln erhalten – in jahrhundertelanger, fremdsprachiger Nachbarschaft!  Weil heute in Deutschland (geschätzte) 600.000 eingewanderte oder geflüchtete Kurden leben, wird dieses „Sprachthema“ am Ende dieses Kapitels noch einmal aufgegriffen s. Post 14/69!

Drei von diesen zwölf alten Sprachen der 2. Generation  stehen allein, ohne nachfolgende, „neuere“ Sprachen; darum nenne ich diese Sprachen autark:  Griechisch, Albanisch und Armenisch; die griechische Sprache wird in der ersten Sprachgruppe als ‚Sonderfall‘ behandelt, weil ihr für  die europäische Sprach- und Geisteskultur eine integrierende Stellung zukommt, vergleichbar dem Lateinischen – s.u.!

c) aus den verbliebenen fünf Stamm-Sprachen  (vgl. Kap. II / Post 3!)  entwickelten sich – zu verschiedenen Zeiten – unterschiedlich viele aktuelle Sprachen; und die gehören zur „3. Generation“.

Und dann noch dies:

  • Vier in Europa gesprochene Sprachen sind ugrischer Herkunft[4] [4]Die ugrischen Sprachen kommen aus asiatischen Regionen, – aus nordwestlichen Gebieten von Sibirien, weit „hinter“ dem Ural. Entstanden sind sie zwischen 900 und 1.100 v.Chr. – vgl.: Post 11, sie haben seit mehr als 2.000 Jahren inmitten indoeuropäischer Sprachen ‚gelebt‘, klingen aber noch immer „fremd“: Finnisch, Samisch, Estnisch und Ungarisch.
  • Insgesamt sind neun Sprachen „vergangene“ Sprachen; sie werden heute nicht mehr gesprochen; sie werden in der Sprachwissenschaft als ‚tote Sprachen‚ mit einem Kreuz gekennzeichnet – s. o: .
  • Eine einzige ureuropäische Sprache ist unbekannter Herkunft, wird aber nur in Europa gesprochen: Baskisch sie ist ebenfalls  autark wie die alten indogermanischen Sprachen (oben) aus der 2. Generation
  • —Das Lateinische ist zwar auch seit 1.500 Jahren als Muttersprache  „tot“, seine kulturelle Bedeutung für die indoeuropäischen Sprachen ist – wie  beim Griechischen (Post 7) in den wissenschaftlichen Fachsprachen international unentbehrlich: die lateinischen Bezeichnungen für Fachbegriffe aller Wissenschafts-Bereiche basieren auf lateinischen Wörtern, ähnlich den zahlreichen Begriffen in der Mathematik, der Philosophie, Architektur und anderen  Geistesbereichen, die von griechischen Wörtern abgeleitet wurden.
  •  Aber mehr als 60 heute noch gesprochene Sprachen haben sich aus einer einzigen Sprache entwickelt.  Diese beeindruckende „Verzweigung“ der ersten „Stammsprache“ entstand in einem Zeitraum von nahezu 10.000 Jahren.

In der Zeit – von etwa 8.000 vor bis 1.500 n.Chr. haben sich aus der einen indoeuropäischen Sprache allein in Europa jene 56 „neueren“ Muttersprachen entwickelt, die ich in den Posts 8 bis 14 einzeln benennen möchte.

Im 1. Teil des KAPITELS II wurden im Vorgriff aus diese verwirrende Sprachen-Vielfalt bereits sieben „ursprüngliche“ Sprachgruppen und deren historisch bedingte Stammgebiete festgestellt: Alte autarke Sprachenugrische Sprachengermanische keltische(italisch-)romanische – baltisch-slawische und weitere Sprachen aus Nationen, deren Hoheitsgebiete zwar in Teilen dem europäischen Kontinent zuzuschreiben, deren Sprachwurzeln aber nicht im Indoeuropäischen zu finden sind.

Für die hier aufgelisteten europäischen sprachlichen Hauptzweige nehme ich eine Nummerierung nach ihrer wahrscheinlichen Entstehungszeit vor, wie oben angemerkt. Allerdings bin ich dabei auf zum Teil recht vage Schätzungen angewiesen, die Angaben zur Entstehung der Muttersprachen in dem entsprechenden Staat beziehen sich einerseits auf großzügig bemessene Zeiträume, andererseits gehören zu der Bevölkerung vieler Staaten auch heute noch verschiedene ethnische Gruppen[5] [5]ethnisch: einer sprachlich und kulturell einheitlichen Volksgruppe angehörend, einer Ethnie (andere Volksstämme), die sich ihre ganz eigene Kultur und auch ihre Sprache über die historische Entwicklung hinweg bis heute bewahrt haben. Ich gehe zwar nach der offiziellen Landessprache vor, nenne aber dabei auch die zugehörigen separaten Sprachgemeinschaften dieses Landes. Auch hier muss ich mitunter schätzen: Welche dieser Mundarten die ältere „im Lande“ ist, kann zumeist nicht geklärt werden. Und wie und wann (dann) die heute geltende Staatssprache entstand, konnte oft auch nicht eindeutig bestimmt werden. Mein doppelgleisiges System bringt es daher mit sich, dass (in allen folgenden Beiträgen)  häufiger Vor- und Rücksprünge in der historischen Chronologie auftreten; denn ich gebe den sieben Sprachgruppen stets den  Vorrang vor der  fortschreitenden  geschichtlichen  Zeitleiste (siehe  Legende zu der Zeichnung im Post 3).

Die ältesten, vor allem: die von ihrer Entstehung bis heute einzig gebliebenen Sprachen sind die autarken Sprachen. Mit ihnen beginne ich im folgenden Post 8.

Anmerkungen:

[1]  Als autarke Sprachen bezeichne ich Sprachen, die ganz auf sich allein gestellt eine eigene Entwicklung genommen haben – siehe Post 8!

[2] Als Muttersprache bezeichnet man die erste Sprache, die ein Kleinkind (in aller Regel) von seiner Mutter oder einer anderen Bezugsperson lernt. Kulturwissenschaftler gehen davon aus, dass jeder Mensch schon pränatal, also vor seiner Geburt, durch seine (familiäre) Umwelt erheblich beeinflusst wird und auf diese Weise in die heimisch-kulturelle Sprachumgebung „hineinwächst“, mit all ihren Klängen, Redewendungen und Melodien; und darüber hinaus lernt das ungeborene Kind schon viel über typische Verhaltensweisen seiner Familie und der nachbarschaftlichen Umgebung. Sprachwissenschaftler bezeichnen Menschen, die in ihrer Muttersprache kommunizieren, als Muttersprachler.

[3]  Die frühere Bezeichnung „indogermanisch“ und das noch ältere „indoarisch“ sind aus Gründen der political Correctness überholt, – nicht in fremdsprachigen wissenschaftlichen Texten, aber im Deutschen [auch ein Beleg für „das Leben“ einer Sprache]

[4]  Die ugrischen Sprachen kommen aus asiatischen Regionen, – aus nordwestlichen Gebieten von Sibirien, weit „hinter“ dem Ural. Entstanden sind sie zwischen 900 und 1.100 n.Chr. – vgl.: Post 11

[5]  ethnisch: einer sprachlich und kulturell einheitlichen Volksgruppe angehörend, einer Ethnie ..

Anmerkungen   [ + ]

1. Als autarke Sprachen bezeichne ich Sprachen, die ganz auf sich allein gestellt eine eigene Entwicklung genommen haben – siehe Post 8!
2. Als Muttersprache bezeichnet man die erste Sprache, die ein Kleinkind (in aller Regel) von seiner Mutter oder einer anderen Bezugsperson lernt. Kulturwissenschaftler gehen davon aus, dass jeder Mensch schon pränatal, also vor seiner Geburt, durch seine (familiäre) Umwelt erheblich beeinflusst wird und auf diese Weise in die heimisch-kulturelle Sprachumgebung „hineinwächst“, mit all ihren Klängen, Redewendungen und Melodien; und darüber hinaus lernt das ungeborene Kind schon viel über typische Verhaltensweisen seiner Familie und der nachbarschaftlichen Umgebung. Sprachwissenschaftler bezeichnen Menschen, die in ihrer Muttersprache kommunizieren, als Muttersprachler
3. Die frühere Bezeichnung „indogermanisch“ und das noch ältere „indoarisch“ sind aus Gründen der political Correctness überholt, – nicht in fremdsprachigen wissenschaftlichen Texten, aber im Deutschen [auch ein Beleg für „das Leben“ einer Sprache]
4. Die ugrischen Sprachen kommen aus asiatischen Regionen, – aus nordwestlichen Gebieten von Sibirien, weit „hinter“ dem Ural. Entstanden sind sie zwischen 900 und 1.100 v.Chr. – vgl.: Post 11
5. ethnisch: einer sprachlich und kulturell einheitlichen Volksgruppe angehörend, einer Ethnie

Post 8: Autarke Sprachen

 Zum Beitragsbild: Dies ist der Parthenon, der Tempel für die Stadtgöttin Pallas Athena Parthenos, er wurde im Jahr 470 v.Chr. auf der Akropolis in Athen  errichtet, er gehört zu den sieben Weltwundern der Antike (Post 3), er wird gerade in Athen restauriert und gilt als Das Wahrzeichen der Kultur der Antike.  – Vgl. die Abbildung 107 im Post 25:  die Documenta ist seit 1955 die weltweit größte Ausstellung aktueller Kunst, sie findet  alle fünf Jahre in Kassel statt. Die Documenta 2017 fand in Athen und in Kassel statt)!

–  –  –  –  –  –  –

Als autark bezeichne ich Sprachen, die ganz auf sich allein gestellt eine eigene Entwicklung genommen haben, die zwar die lateinische Schrift und auch einige grammatikalische Strukturen übernommen haben, die aber kaum nennenswerte Ausstrahlung auf andere oder nachfolgende Muttersprachen aufweisen. Eine Ausnahme davon ist das Griechische, das ich als übernächste Muttersprache vorstelle.

1:     Baskisch

Abb. 21: Baske mit Schalmei

http://www.nationalflaggen.de.flagge-Basken-Fahne

Die älteste heute noch gesprochene Sprache in Europa – baskisch – hat nach sorgfältigen Nachforschungen keinen indoeuropäischen Ursprung; Fachleute bezeichnen sie daher auch als die einzige (und älteste) heute noch gesprochene Ursprache Europas, – eine echte „Sprachinsel“ im großen indoeuropäischen „Sprachenmeer“. Darum habe ich der Baskischen Sprache zwar das Blau der autarken Farbgruppe gegeben, aber ein sehr dunkles Blau, denn die Sprache ist einzigartig in der Welt. – Etwa 2,7 Millionen Basken leben in dem gebirgigen Winkel des Golfs von Biskaya auf 7.000 km2 Land, das zu 2 Dritteln zu Spanien und zu einem Drittel zu Frankreich gehört.

Mehr als eine Millionen Menschen sprechen[1] [1]In der Sprachwissenschaft werden Menschen, die in einer  gemeinsamen Sprache (oder Muttersprache) kommunizieren, „Sprecher“ dieser Sprache genannt. Achtung: Nicht alle Sprecher sind auch Muttersprachler. Als emanzipierter Autor benutze ich bei diesem „Statistik-Begriff“ nur den neutralen Plural baskisch, eine wohl 6.000 Jahre alte autarke  Sprache aus der Zeit vor dem Eindringen fremder Völker und allen indoeuropäischen Sprachgutes. Es ist erst wenige Jahrzehnte her, dass Frankreich und Spanien dieser ethnischen Minderheit alle Rechte einräumten, die sich die Euskal Herritar, wie die uralte Ethnie sich nennt, erkämpft und ertrotzt haben.

2: Griechisch

http://www.nationalflaggen.de.flagge-Griechenland.
Abb. 22: Musik aus Griechenland – aus. Saarbrücker Zeitung

Die griechische Sprache ist seit etwa 2.500 v.Chr. überliefert, sie war bis 600 n.Chr.  im oströmischen Kaiserreich von Konstantinopel – und über alle östlichen Mittelmeerküsten – eine „Weltsprache“. Erst danach, als dieses Herrschaftsgebiet unterging, beschränkte sich die Sprache auf ihr Stammland. Seit 800 v.Chr. hatten die Griechen das phönizische Alphabet übernommen (siehe Kap. II/Post 5: Geschriebene Sprache), mit dem Neugriechischen wurden die „alten“ Majuskeln (Großbuchstaben) auch mit Minuskeln (Kleinbuchstaben) kombiniert.

Unabhängig  davon strahlte  die griechische Kultur  weit über die alten Landesgrenzen aus: Seine Architektur, das Theater, die Dichtung, Mathematik, Geometrie, Medizin und die Schulbildung (natürlich: Olympia!), vor allem auch die Philosophie waren zu allen Zeiten und bis heute feste geistige Bestandteile „abendländischen Denkens“. An der Griechischen Sprache bewundere ich ihre ungewöhnliche  Fähigkeit zur Diagnose und Findung von Fachbegriffen aller Art für konkrete oder „nur gedachte“ (abstrakte) Erscheinungen, Situationen, Vorkommnisse oder wissenschaftliche Gedanken aller Art, ob sie nun der Vergangenheit angehören oder der „modernen“ Gegenwart unseres Lebens[2] [2]Diagnose: gemeint ist hier die einzigartige Fähigkeit der griechischen Sprache, eine treffende Bestimmung für eine konkrete oder eine ’nur‘ gedachte Sache, eine Erscheinung oder Situation zu schaffen, in nur einem einzigen Wort zu erfassen, wie kompliziert diese Sache auch sei; ein morphologisches Problem: vgl. Post 5!.

Diese Verehrung fand schon im Hellenismus[3] des 19. Jahrhunderts [3]Hellenismus: Allgemeine Wertschätzung und Verehrung der griechischen Künste und Geisteshaltung: Alexander d. Gr. hatte um 300 n.Chr. das o. gen. Kaiserreich wieder zu Weltruhm gebracht (von Griechenland bis nach Ägypten und nach Osten über ganz Persien bis zum Indus) und damit der Kultur der „Hellenen“ (Hauptstamm des griechischen Volkes) im Bewusstsein des europäischen Denkens im 19. Jahrhundert zur besonderen Beachtung verholfen eine weltweite Beachtung: Ungezählt viele Fachbegriffe aus allen oben angedeuteten Bereichen sind in die europäischen Sprachen unserer Zeit eingeflossen: Aero-, Pädagogik, Akrobat, Archäologie, Monarchie, Arktis, Auto-, Biathlon, Basilika, Chlor, Chronik, Dogma, Drama, Dynamo, Meteor, Hologramm, Prognose, Telefon usw. usw. uswSo durchdringen griechische Wörter und Wortteile die Sprachen unserer Welt, die lebendige griechische Sprache ist jedoch autark geblieben. Vgl. im Post 9: die 1. Zwischenbemerkung!

Nach Wikipedia: Die abendländische Kultur ist maßgeblich durch die Sprache und Kultur des antiken Griechenlands geprägt. In griechischer Sprache beginnt die europäische Literatur, Philosophie und Wissenschaft. Bedeutende Werke der Weltliteratur wie die homerischen Epen, die großen Dramen von Aischylos, Sophokles und Euripides, die philosophischen Schriften von Platon und Aristoteles oder das Neue Testament sind auf Griechisch verfasst. In zahlreichen Lehn- und Fremdwörtern (Gräzismen) ist Griechisch in vielen modernen Sprachen lebendig.

Immerhin wird Neugriechisch heute noch auch an der Westküste der Ägäis (im türkischen Staatsgebiet) und in Zypern gesprochen.

3. Albanien

Abb. 23: Albanischer Musiker
http://www.nationalflaggen.de.flagge-Albanien

Albanisch ist seit etwa 1000 n.Chr. als eine der eigenständigen Balkansprachen an der Ostküste der Adria bekannt, das Land gehörte zum Oströmischen Reich, später zum Osmanischen Reich und entwickelte um 1400 n.Chr. seine autonome Staatsform, wurde aber immer wieder in Kriege verwickelt und hatte sich durch seine intensiven Verbindungen zur Türkei allmählich in eine islamische Nation verwandelt. Sprachlich hat Albanien seine Landessprache modernisiert, ist allenfalls mit den Nachbarstaaten Montenegro und dem Kosovo verbunden. Albanisch ist, wie auch die armenische Sprache eine der autarken Sprachen des „Stammbaums“ – s. o.!

4: Armenien

http://www.nationalflaggen.de.flagge-Armenien
Abb. 24: Armenischer Wandteppich

Die armenische Sprache ist ebenfalls aus vorchristlichen Zeiten (durch Funde von Reiseberichten) bekannt, das Volk der Armenier etablierte sich jedoch erst nach vielen Verfolgungen und Kämpfen innerhalb des Byzantinischen und – nach 500 n.Chr. auch des Osmanischen Reiches. Endlich – im frühen Mittelalter konnte sich „die gejagte Nation“ als Staat im Kaukasusgebiet einrichten, wo es inzwischen auch  kulturell und  schriftsprachlich aufgeblüht ist.

Abb. 25: Armenisches Alphabet.tif

Altarmenisch, das seit dem 5. Jahrhundert   in Schriftzeugnissen vorliegt, wurde als Literatursprache bis in das 19. Jahrhundert hinein  genutzt, und im kirchlichen Bereich ist es auch noch heute in Gebrauch (z. B. im Gottesdienst). Das Westarmenische kam ursprünglich aus Anatolien und wird auch nach dem Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich[4] [4]Der Völkermord (= Genozid) an den Armeniern war einer der ersten systematischen Genozide des 20. Jahrhunderts. Er geschah während des Ersten Weltkrieges unter Verantwortung der jungtürkischen, vom Komitee für Einheit und Fortschritt gebildeten Regierung des Osmanischen Reichs. Bei Massakern und Todesmärschen, die im Wesentlichen in den Jahren 1915 und 1916 stattfanden, kamen je nach Schätzung zwischen 300.000 und mehr als 1,5 Millionen Menschen zu Tode. Der türkische Staat leugnet bis heute jede Schuld an diesem Verbrechen von vielen Armeniern gesprochen, auch – in der Diaspora – im Libanon und den Vereinigten Staaten. Die armenische Sprache hat einige Ähnlichkeiten mit dem Griechischen (viele Parallelen bei etymologischen Wurzeln), weswegen eine enge Verwandtschaft innerhalb der Indoeuropäischen Sprachen angenommen wird. Die Sprache enthält aber auch sehr viele Lehnwörter aus dem Iranischen (Parthisch, Persisch).

Wenden wir uns nun einer anderen kleinen Sprachgruppe zu, deren ursprünglicher Volksstamm zwar nicht mehr ‚lebt‘, dessen Sprache aber in verschiedenen „Ecken“ Europas noch erhalten geblieben ist: Keltisch in fünf Muttersprachen: im Post 9.

 

Anmerkungen:

[1] In der Sprachwissenschaft werden Menschen, die in einer  gemeinsamen Sprache (oder Muttersprache) kommunizieren, „Sprecher“ dieser Sprache genannt. Achtung: Nicht alle Sprecher sind auch Muttersprachler. Als emanzipierter Autor benutze ich bei diesem „Statistik-Begriff“ nur den neutralen Plural

[2] Diagnose: gemeint ist hier die einzigartige Fähigkeit der griechischen Sprache, eine treffende Bestimmung für eine konkrete oder eine ’nur‘ gedachte Sache, eine Erscheinung oder Situation zu schaffen, in nur einem einzigen Wort zu erfassen, wie kompliziert diese Sache auch sei; ein morphologisches Problem: vgl. Post 5!

[3] Hellenismus: Allgemeine Wertschätzung und Verehrung der griechischen Künste und Geisteshaltung: Alexander d. Gr. hatte um 300 n.Chr. das o. gen. Kaiserreich wieder zu Weltruhm gebracht (von Griechenland bis nach Ägypten und nach Osten über ganz Persien bis zum Indus) und damit der Kultur der „Hellenen“ (Hauptstamm des griechischen Volkes) im Bewusstsein des europäischen Denkens im 19. Jahrhundert zur besonderen Beachtung verholfen

[4]  Der Völkermord (= Genozid) an den Armeniern war einer der ersten systematischen Genozide des 20. Jahrhunderts. Er geschah während des Ersten Weltkrieges unter Verantwortung der jungtürkischen, vom Komitee für Einheit und Fortschritt gebildeten Regierung des Osmanischen Reichs. Bei Massakern und Todesmärschen, die im Wesentlichen in den Jahren 1915 und 1916 stattfanden, kamen je nach Schätzung zwischen 300.000 und mehr als 1,5 Millionen Menschen zu Tode. Der türkische Staat leugnet bis heute jede Schuld an diesem Verbrechen.

Anmerkungen   [ + ]

1. In der Sprachwissenschaft werden Menschen, die in einer  gemeinsamen Sprache (oder Muttersprache) kommunizieren, „Sprecher“ dieser Sprache genannt. Achtung: Nicht alle Sprecher sind auch Muttersprachler. Als emanzipierter Autor benutze ich bei diesem „Statistik-Begriff“ nur den neutralen Plural
2. Diagnose: gemeint ist hier die einzigartige Fähigkeit der griechischen Sprache, eine treffende Bestimmung für eine konkrete oder eine ’nur‘ gedachte Sache, eine Erscheinung oder Situation zu schaffen, in nur einem einzigen Wort zu erfassen, wie kompliziert diese Sache auch sei; ein morphologisches Problem: vgl. Post 5!
3. Hellenismus: Allgemeine Wertschätzung und Verehrung der griechischen Künste und Geisteshaltung: Alexander d. Gr. hatte um 300 n.Chr. das o. gen. Kaiserreich wieder zu Weltruhm gebracht (von Griechenland bis nach Ägypten und nach Osten über ganz Persien bis zum Indus) und damit der Kultur der „Hellenen“ (Hauptstamm des griechischen Volkes) im Bewusstsein des europäischen Denkens im 19. Jahrhundert zur besonderen Beachtung verholfen
4. Der Völkermord (= Genozid) an den Armeniern war einer der ersten systematischen Genozide des 20. Jahrhunderts. Er geschah während des Ersten Weltkrieges unter Verantwortung der jungtürkischen, vom Komitee für Einheit und Fortschritt gebildeten Regierung des Osmanischen Reichs. Bei Massakern und Todesmärschen, die im Wesentlichen in den Jahren 1915 und 1916 stattfanden, kamen je nach Schätzung zwischen 300.000 und mehr als 1,5 Millionen Menschen zu Tode. Der türkische Staat leugnet bis heute jede Schuld an diesem Verbrechen

Post 9: Keltische Sprachen

Abb, 26: 800px-Menhir_Dol-de_Bretagne1.jpg Kelten – Ein Menhir (von tausenden) an der bretonischen Westküste („Asterix‘ Hinkelstein“)

Seit etwa 3.000 v.Chr. verbreiteten sich die Kelten und die keltische Sprache mit ihrer Entdecker- und Eroberungslust von ihrem Stammland im Nordwesten Europas über den ganzen Westen und Süden des Kontinents, von den britischen Inseln über Frankreich, Spanien, und Süddeutschland bis an die Küsten des  Mittelmeers und des Schwarzen Meeres vor. Die Abbildungen hier sollen Ihnen  klarmachen, dass ein so hoch entwickeltes Volk trotz gering überlieferter Sprachkultur und mit nur unzureichender Schriftsprache so gewaltige Landgebiete besiedeln und über gewisse Zeiträume beherrschen konnte. Vielleicht ranken sich gerade darum um das Volk und seine Runen  so viele Geheimnisse. Keltische Riten und Schriften sind Kult – von Stonehenge  über die internationale Tattoo-Szene bis Dumbledore.

Abb. 27: Younger Runes (above) and The Northumbrian Order (below)

Abb. 27: 360px-Menhir_von_St._Uzec.jpg
17. April 2017

Abb. 28: Keltischer Schmuck Hochdorf_Ensemble_300.jpg 17. April 2017

 

Aber die Kelten hatten allzu weite Eroberungsgebiete besiedelt – bis in die Sahara und nach Kleinasien  hinein,  sodass  sie sich in den einheimischen Gesellschaften regelrecht verloren, und so wurde die einstmals größte Sprachgruppe Europas schon um 800 v.Chr. von den Römern (im Mittelmeerraum) und zusätzlich (ab 300 v.Chr.) von vordringenden Germanen verdrängt.

Heute ist die keltische Sprache praktisch ausgestorben, bis auf das Gälische in einigen Landesteilen an den äußersten Nordwestküsten von Europa.

 Die fortlaufende  Nummerierung aller europäischen  Muttersprachen  (vom Post 8) wird hier fortgesetzt:

5: Bretonisch

https://de.wikipedia.org/wiki/Bretagne#/media/File:Flag_of_Brittany_(Gwenn_ha_du).svg

www.Nationalflagge.de/Fahne-Bretagne

Das Bretonische war schon im Jahr 1000 v.Chr. eine keltische Sprache, es hat sich über ein sogenanntes Mittelbretonisch (um 1700) zum  heute  noch  gesprochenen  Neubretonischen die alten Sprachanteile bewahrt und damit gerade im 20. Jahrhundert die stark national geprägte Haltung der Regierung in Frankreich provoziert, die immer wieder gegen die Kommunikation in ‚fremden‘ Sprachen vorgeht, – auch in der Bildungspolitik.

6: Walisisch

https://de.wikipedia.org/wiki/Wales#/media/File:Flag_of_Wales_2.svg

In Wales dagegen hat die britische Regierung die traditionelle walisische Sprache als Amts- und Schulsprache ermöglicht. Wales ist der kleinste Landesteil von Großbritannien, liegt wie eine „breite“ Halbinsel an der Westseite Englands und ist von Teilen der Irischen See umgeben. Walisisch ist eine keltische Sprache,  sie bildet mit dem Bretonischen und dem Kornischen die britannische Untergruppe der keltischen Sprachen, die sich um  500 v.Chr. in England, Schottland und Cornwall festgesetzt hatten.

7: Cornisch

www.Nationalflaggen.de-Fahne_Cornwall

Cornwall ist eine Grafschaft auf der südwestlichen Halbinsel des Vereinigten Königreiches. Die cornische Sprache ist eine dem Walisischen und Bretonischen nahe verwandte keltische Sprache,  die bis ins späte 18. Jahrhundert in Cornwall gesprochen und im 20. Jahrhundert wiederbelebt wurde. Der Name der Sprache Kernowek leitet sich, wie auch der Landesname, von den spätantiken Bewohnern Cornwalls ab.

8: Gälisch  

www.Nationalflaggen.de/gälischer_loewe

 Gälisch, eine keltische Sprache und verwandt mit dem Irischen, sprechen heute noch ca. 70.000 der fünf Millionen Einwohner Schottlands.  Die meisten gälisch sprechenden Menschen leben auf den Äußeren Hebriden, aber auch im Westen der Highlands, in der Region Strathclyde und in den Städten Glasgow, Edinburgh und Inverness.

9: Irland   

http://www.nationalflaggen.de/flagge-irland.html

 

Die irische Sprache ist auch eine der gälischen Sprachen – wie  auch das Schottisch-Gälische (s. o.)

Abb. 29: Wikipedia: irish Blessing

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 30: Ausschnitt aus einer Urkunde in lateinischer Schrift

Diese Sprachen gehören zum inselkeltischen Zweig der keltischen Sprachen. Altirisch wurde bereits zw. 500 und 400 v.Chr. gesprochen, aber die mittelirische Sprache wurde erst mit der irischen Schrift im 8. Jh. n.Chr. bekannt. Irland besitzt eine der ältesten Schriftkulturen Europas und gehört in die erste Reihe der Weltliteratur. Irland, die „grüne Insel“ im Westen von Britannien, pflegt aber auch bis heute an seiner Westküste auch das gälische Keltisch, das vom 9. bis zum 11. Jahrhundert in Schottland sogar ausschließlich gesprochen wurde.

1. Zwischenbemerkung:

Zwei Sprachen von internationaler Bedeutung
Abb. 31: Griechische Kultur – womo-Weltenbummler.de

Zwischen dieser und der folgenden Abbildung unterbreche ich mein System der Sprachgruppen, weil ich neben dem Griechischen (Post 8/ Nr. 2) auch dem Lateinischen als einer Sprache von universeller Bedeutung einen vorderen, verdienten Platz einräumen möchte.

Mir schien erforderlich, Sie schon im obigen Kapitel II bei der Entstehung „unserer“ Schrift mit der geschriebenen Griechischen Sprache und ihrer international genutzten  Wortbestandteile bei der Begriffsfindung für wissenschaftliche Sachverhalte oder Prozesse bekannt zu machen vgl. aus Post 8: Aero-, Pädago-, Akro-, Archä-, -logie, Monarch-,  Auto-, Biathlon, Basilika, Chlor, Chro-, Dogma, Drama-, Dynamo, Meteo-, Holo-, -gramm, Pro-, Tele- . . .

Das Griechische steckt in nahezu allen europäischen Sprachen. Darum soll hier im Vorgriff auch die Lateinische Sprache gewürdigt werden; denn Rom hat – nach Griechenland – mit seiner Sprache kulturelle und sprachliche Einflüsse von grundlegender Bedeutung auf Europa und die Weltkultur ausgeübt. Latein ist zwar keine Muttersprache mehr, ich füge sie als „lebende“ Sprache hier ein, weil die Sprache in nahezu allen Wissenschaftsbereichen präsent ist, und weil Latein seit der Römerzeit ordentliches Unterrichtsfach an allgemeinbildenden Höheren Schulen in Europa ist. Und: der Ursprung aller romanischen Muttersprachen.

Der wichtigste Beweis dafür ist das lateinische Namensverzeichnis: Die Nomenklatur benennt jeden einzelnen lebenden Organismus unserer Erde. Sie wurde im 18. Jahrhundert in allen Wissenschaften (von allen Wissenschaftlern) eingeführt. Dieses Verzeichnis bezieht sich systematisch auf  Pflanzen (einschl. der Pilze und Algen), Tiere, Bakterien und Viren und auf den Menschen, auf jede Einzelheit dieser Organismen, auf ihre Varianten, krankhaften Veränderungen und das entsprechende medizinische Umfeld. Auch die Regeln der Namensgebung und die Systematik unterliegen den Gesetzen der Nomenclatura. 

SENATUS POPULUSQUE ROMANUS

Das Logo auf diesem Lorbeerkranz, mit dem auch die römischen Kaiser gekrönt wurden, heißt in deutsch: SENAT UND VOLK VON ROM. 

Abb. 32: wiki.Vatikan-Museum – Augustus, römischer Kaiser, formte das Staatswesen im Römischen Reich nachhaltig, ihm zu Ehren trug die Stadt Trier seinen Namen (s. u.!)

Latein: Besonders in Italien hatte sich durch die kultivierende Verbreitung des Griechischen auch deren Sprache angesiedelt, die aber in Mittelitalien um 900 v.Chr. von den Etruskern und in Sizilien um 550 v.Chr. von den Latinern verdrängt wurde. Als sich ein paar hundert Jahre später das Römische Reich über den größten Teil Nordwest-Europas ausdehnte, waren die italischen Volksstämme zu einem Staatsvolk vereint, und die Lateinische Sprache hatte sich als Sprache der Herrschenden verbreitet, während die „italienische“ Bevölkerung weiter ihre 7 bis 9 regionalen Sprachen pflegte, bis sich im 19. Jahrhundert der florentinische Dialekt als italienische Einheitssprache durchsetzen konnte. Denn die großen Städte – Rom, Florenz, Venedig, Mailand – waren  bis in das 17. Jahrhundert hinein international bekannter  als  das Land Italien, obwohl junge Künstler und  Wissenschaftler  schon wenig später, besonders aber vom 19. Jahrhundert an ihre kulturelle Bildung durch eine Italienreise zu krönen versuchten, wie auch der Dichterfürst Johann Wolfgang Goethe. –  Erst der Diktator Mussolini vereinte das Land Italien in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, und erst 1946 wurde die Republik Italien gegründet. – Durch die Herrschaft der Römer und deren jahrhundertelange Überfremdung Galliens, Spaniens und des Balkans hatten die dort lebenden Völker ihre eigenen Sprachen aufgegeben. Es entstanden verschiedene vulgär-lateinische Dialekte[1] [1]vulgär ist ein abwertender Ausdruck für „vom Volk (= in der Gossensprache) vereinfacht; vulgärlateinisch kann man mit der Gattung der Mundarten eines Gebietes vergleichen oder mit Dialekten, die eine „offizielle“ Ausdrucksform einer Sprache klanglich stark verändern können, [das bayerische Deutsch können viele Norddeutsche oft kaum verstehen], aus denen sich später, im beginnenden Mittelalter, die (weiteren) romanischen Sprachen entwickelten. Im Post 12 wird diese Sprachfamilie differenziert bearbeitet. Diese Zwischenbemerkung galt nur der Verehrung zweier bedeutender Weltsprachen. –

porta nigra.jpg

Abb. 33: Ruine der Porta Nigra, eines römischen Stadttores, erbaut ca. 350 n.Chr. in der Stadt Trier; der damalige Name der Stadt: Augusta Treverorum

– – – – – – – –

Im folgenden Post 10 lernen Sie die letzte der kleineren Sprachgruppen kennen, die aus Asien „zugewanderten“  vier ugrischen Muttersprachen in Europa.

Anmerkung:

[1]  vulgär ist ein abwertender Ausdruck für „vom Volk (= in der Gossensprache) vereinfacht; vulgärlateinisch kann man mit der Gattung der Mundarten eines Gebietes vergleichen oder mit Dialekten, die eine „offizielle“ Ausdrucksform einer Sprach klanglich stark verändern können, [das bayerische Deutsch können viele Norddeutsche oft kaum verstehen].

 

Anmerkungen   [ + ]

1. vulgär ist ein abwertender Ausdruck für „vom Volk (= in der Gossensprache) vereinfacht; vulgärlateinisch kann man mit der Gattung der Mundarten eines Gebietes vergleichen oder mit Dialekten, die eine „offizielle“ Ausdrucksform einer Sprache klanglich stark verändern können, [das bayerische Deutsch können viele Norddeutsche oft kaum verstehen]

Post 10: Sprachen ugrischen Ursprungs

In der Abbildung 9 (Post 4) sind mehrere Gebiete in graugrünen Farbtönen zu sehen. So habe ich die Länder mit urgrischen Muttersprachen gekennzeichnet.

Das Beitragsbild hier bezieht sich allerdings nur auf die in Nordeuropa angesiedelten ugrisch sprechenden Völker; Sie sehen ein Ren oder Rentier, das als Herden- und „Haustier“ in den Taiga-und Tundra-Gebieten in den Nordpolarzonen Amerikas und Eurasiens lebt, die Samen betreiben bis heute Ren-Wirtschaft (s.u.). Die Tiere sind eine Hirschart, maximal 1,50 m hoch und der westlichen Welt auch als Zugtiere für den Schlitten des Weihnachtsmannes bekannt. Bitte nicht mit dem großen Nachbarn im Norden, dem Elch, verwechseln!

Post 10: Die ugrischen Sprachen

Ugrische Sprachen  kommen aus asiatischen Regionen, – aus nordwestlichen Gebieten von Sibirien, „hinter“ dem Ural.

Der Ural ist ein schmaler, aber 2.400 km langer Gebirgszug von maximal 2.000 m Höhe. Er zieht sich von der Küste der Karasee (Arktisches Meer) im Norden fast bis zum Kaspischen Meer im Süden und bildet so die natürliche Grenze zwischen Europa und Asien.

„Hinter dem Ural“ – auf der asiatischen Seite also, fließen die Gebirgsbäche und -flüsse in zwei Strömen ab: im fast 4.000 km langen Ob  nach Norden in den Arktischen Ozean – und im Ural(-Strom), fast 2.000 km lang, nach Süden in das Kaspische Meer. Dieser Ural-Fluss bildet gleichzeitig die Verlängerung der eurasischen Grenzlinie bis zum Kaspischen Meer.

‚Jenseits‘ dieser natürlichen Grenzen liegen die Ursprungsgebiete der seit 3.000 Jahren ugrisch sprechenden Volksstämme. Diese Stämme wurden wahrscheinlich schon vor zehntausend Jahren von innerasiatischen Völkern (u. a. von „Reiternomaden“) aus der noch kälteren Tundra, einer Steppe mit wenig Waldbewuchs, bedrängt. -Einige ugrische Volksstämme zogen darum fort, – über das Gebirge in nordwestliche Richtung an die Ostseeküsten oder in südwestliche Richtung in die fruchtbaren Puszta-Landschaften des heutigen Ungarns. Paläontologen [1]Paläontologen sind Forscher, die alles Leben der Alten Geschichte untersuchen („Urzeit-Forscher“, denen wir die Bilder unserer Steinzeit verdanken schätzen diese Zuwanderungen auf Zeiten zwischen vier und dreitausend Jahre v. u. Z. [1,2] [2]v. u. Z.:  eine Abkürzung für vor unserer Zeitrechnung„, die ich bei Wiktionary gefunden habe – mit folgender Begründung: „diese Abkürzung wurde als Synonym zu v.Chr. geschaffen, da die Bezeichnung vor Christus religiös nicht neutral sei“. – Ich habe die Abkürzung noch nicht benutzt, und ich werde sie auch nicht benutzen, seit heute aus vier Gründen: 1., weil das bisher allgemein übliche Kürzel v.Chr. bzw. n.Chr. mir sachlich mehr Informationen liefert; 2., weil ich nicht weiß, wer oder was hinter Wiktionary steckt – im Gegensatz zu dem allgemein üblichen Kürzel (vgl. Post 1, Anmerkung 1!). – Der wichtigste Grund aber ist, dass die Kultur unserer Welt dem Christentum so unglaublich viel zu verdanken hat: Dafür bezeuge ich uns allen der Christenheit und dem christliche Glauben den Respekt, der auch jedem anderen Autor gezollt wird. – Außerhalb dieser unnützen Argumentation und außerhalb meines Bekenntnisses zum Christlichen Glauben fühle ich mich in meiner Ablehnung bestärkt angesichts der Akzeptanz des üblichen Kürzels durch alle mir bekannten, internationalen, wissenschaftlichen und theologischen Institutionen. „Religiös“ wäre m.E. die allgemein übliche Abkürzung, wenn sie für „vor Christi Geburt“ stehen würde. Mit „unsere Zeitrechnung“ verbinden die meisten Lesenden wahrscheinlich genau so viel (oder wenig) wie mit „vor Christus“

10: Finnland

Abb. 34: Der Dom in Helsinki (Fuhrmann)

Helsinki Cathedral in Finland. Summer season.

http.//www.nationalflaggen.fahne-finnland.de

Einer dieser ugrischsprachigen Stämme kam etwa um 2.000 v.Chr. aus Sibirien nach Ost-Skandinavien, zunächst am  nördlichen Eismeer entlang, um dann im heutigen Finnland zu siedeln. Die fenno-ugrische Sprache hatte sich wohl schon auf der jahrhundertelangen Wanderung der Menschen von der Stammsprache entfernt, wie wir das von den frühen indoeuropäischen Sprachen auch erfahren haben. Ab 1.500 n.Chr. kann sich die fenno-ugrische Sprache aber auch als Schriftsprache präsentieren: Ihr König Wasa hatte die Bibel übersetzen lassen und 30 Jahre später seinem Volk den protestantischen Glauben ‚verordnet‘.

11: Lappland und die Samen

Samische Fahne. http://www.nationalflaggen.de/flagge- samen.html
  1.  Um 1.000 v.Chr. hatte sich in Skandinavien das Nomadenvolk der Samen einen eigenständigen Status ertrotzt, mit eigener Kultur und seiner sämischen Sprache, dem Sami, einer fenno-urgischen Abart mit großen Anteilen einer weiteren nordischen Ursprache. Bis zum 17. Jahrhundert waren die Lappen, wie sie auch genannt werden, ein wanderndes Jägervolk gewesen, vielleicht den Indianern Nordamerikas  vergleichbar; fortan lebten sie teilweise innerhalb der nationalen Gesellschaften Schwedens, Norwegens und besonders Finnlands, bis heute noch mehrheitlich von der Rentier-Wirtschaft. Samen sind auch im Nordosten Russlands und sogar bis zu den Küsten des Weißen Meeres und der Barentssee anzutreffen.

12:   Estland

ww.Nationalflagge. flagge-estland.de
Abb, 35: die Baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauem C Fuhrmann

– in der Landessprache: EESTI – liegt auch am Finnischen Meerbusen, der dort die europäischen Festlandstaaten von Finnland und Skandinavien trennt, im Osten nur von

12:   Estland

ww.Nationalflagge. flagge-estland.de
Abb, 35: die Baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauem C Fuhrmann

– in der Landessprache: EESTI – liegt auch am Finnischen Meerbusen, der dort die europäischen Festlandstaaten von Finnland und Skandinavien trennt, im

Russland benachbart. In diesem östlichen ‚Winkel‘ der Ostsee hatten sich – wie „in eine Ecke getrieben“ – nach den Eiszeiten zwei weitere kleine Völker angesiedelt: Die Esten und die Letten. Man nennt Estland, Lettland und Litauen auch die Baltischen Staaten.[3] Aber nur die Esten sprechen eine ugrische Muttersprache.

Ihr Fenno-urgisch hat aber eine ganz eigene Entwicklung genommen hat, – ungefähr vergleichbar mit dem  Niederländischen  und dem Niederdeutschen.  Man spricht bei Estnisch auch  schmunzelnd vom „Ostsee-Finnisch“ der Esten. [3]Das Baltikum ist die politische Bezeichnung der Geografie der Baltischen Staaten. Die sind schon seit dem Mittelalter mit den Deutschen verbunden, denn ihre Hafenstädte liegen alle an der Ostsee und damit im Netz der Deutschen Hanse (vgl.: Post 11, nach der Alemannischen Sprache / NR. 31). Durch diese für alle Seiten gut nachbarliche Beziehung hatten die Baltischen Staaten sich nach der Oktoberrevolution von Russland gelöst, insbesondere Estland, das 1918 vom Völkerbund für unabhängig erklärt worden war. Aber 1930 waren alle baltischen Staaten wieder gewaltsam in das Sowjetrussische Reich einbezogen worden. Die Abneigungen gegen den Russischen Nachbarn im Osten entwickelten sich also nach dem 2. Weltkrieg zunehmend und führten schließlich 1989 zu deren endgültiger Unabhängigkeit.

Abb. 36: 97ffa4b89dd0802c969d68d3bb4b6737v1_max_755x566_b3535db83 . (picture-alliance/ dpa).

Als die Auflösung der Sowjetunion (UdSSR) begann, bildeten die drei baltischen Republiken Lettland, Litauen und Estland am 23. August 1989 – eine Menschenkette: Um genau 19:00 Uhr und für genau fünfzehn Minuten verband eine 600 Kilometer lange Menschenkette die Hauptstädte der drei baltischen Republiken Riga, Tallinn und Vilnius. Der deutsche Außenminister Genscher am 27. August 1991: Zwei Jahre nach der großen Menschenkette zwischen Vilnius, Riga und Tallinn haben Estland, Lettland und Litauen ihre staatliche Unabhängigkeit zurückgewonnen. [Zitate und Bild bei Wikipedia]

13. Lettland

 

14. Litauen

15: Ungarn / 

http://www.nationalflaggen.de/flagge-ungarn.html

Magyarország

 

Ungarn ist das vierte und letzte europäische Land mit ugrischen Sprachwurzeln.

Und wie das Fenno-Ugrische ist auch das Ungarisch-Ugrische „europäisch“ geworden, jedoch viel eher als im Norden zugewanderten Volksstämme, – wahrscheinlich schon vor fast 3.000 Jahren. Und entgegen dem alten fenno-ugrischen Wortschatz weist das Ungarische (Ungarisch-ugrische) auch zahlreiche Entlehnungen aus dem slawischen, lateinischen, deutschen und dem türkischen Sprachgut auf, – Zeichen intensiver  Kontakte zu potentiellen politischen Nachbarn. Ungarn und Türken hatten sogar stammesgeschichtlich ähnliche Wurzeln: sie waren aus dem asiatischen Raum gekommen (Hunne? – Hungar?). Die ersten schriftsprachlichen Belege für die ungarische Sprache stammen aus dem 9. Jahrhundert, der älteste zusammenhängende Text aus einer Leichenrede vom Ende des 12. Jahrhunderts. Um 1800 gehörten die Ungarn mit ihrem Land und anderen Randgebieten zum Österreich-ungarischen König- und Kaiserreich, sie durften aber ihre Muttersprache behalten und sogar auf die „neuen“ Gebiete ausdehnen (Slowakei, Siebenbürgen, Kroatien). Nach dem Frieden von Trianon (1918 – Deutschland verlor den 1. Weltkrieg, die Länder Europas wurden neu „geordnet“) wurde das Land wieder verkleinert und schließlich 1949 (nach dem 2. Weltkrieg) den Sowjetischen Ostblockstaaten (UdSSR) zugewiesen. Danach wanderten viele Ungarn spontan nach Nord- und Südamerika und nach Australien aus. 1956 befreite sich Ungarn von dem russischen Einfluss und war 1988 aktiv an der deutschen Wiedervereinigung (1989) beteiligt, 2004 trat Ungarn der EU bei.

 

Abb. 37:  – Ungarns Puszta   – –  Abb. 38:  Parlamentsgebäude in Budapest – 

 

 

 

Anmerkungen:

[1] Paläontologen sind Forscher, die alles Leben der Alten Geschichte untersuchen („Urzeit-Forscher“, denen wir die Bilder unserer Steinzeit verdanken

[2] v. u. Z.:  eine Abkürzung für vor unserer Zeitrechnung„, die ich bei Wiktionary gefunden habe -mit folgender Begründung: „diese Abkürzung wurde als Synonym zu v. Chr. geschaffen, da die Bezeichnung vor Christus religiös nicht neutral sei“. – Ich habe die Abkürzung noch nicht benutzt, und ich werden sie auch nicht benutzen, seit heute aus vier Gründen: 1., weil das bisher allgemein übliche Kürzel v.Chr. bzw. n.Chr. mir sachlich mehr Informationen liefert; 2., weil ich nicht weiß, wer oder was hinter Wiktionary steckt – im Gegensatz zu dem allgemein üblichen Kürzel (vgl. Post 1, Anmerkung 1!).

Der wichtigste Grund aber ist, dass die Kultur unserer Welt dem Christentum so unglaublich viel zu verdanken hat: Dafür bezeuge ich uns allen der Christenheit und dem christliche Glauben den Respekt, der auch jedem anderen Autor gezollt wird.

– Außerhalb dieser unnützen Argumentation und außerhalb meines Bekenntnisses zum Christlichen Glauben fühle ich in meiner Ablehnung bestärkt angesichts der Akzeptanz des üblichen Kürzels durch alle mir bekannten, internationalen, wissenschaftlichen und theologischen Institutionen. „Religiös“ wäre m. E. die allgemein übliche Abkürzung, wenn sie für „vor Christi Geburt“ stehen würde. Mit „unsere Zeitrechnung“ verbinden die meisten Lesenden wahrscheinlich genau so viel (oder wenig) wie mit „vor Christus“.

[3] Das Baltikum ist die politische Bezeichnung der Geografie der Baltischen Staaten. Die sind schon seit dem Mittelalter mit den Deutschen verbunden, denn ihre Hafenstädte liegen alle an der Ostsee und damit im „Netz“ der Deutschen Hanse (vgl.: Post 9, nach der Alemannischen Sprache / NR. 27). Durch diese für alle Seiten gut nachbarliche Beziehung hatten die Baltischen Staaten, insbesondere Estland, das sich nach der Oktoberrevolution von Russland unabhängig erklärt hatte, aber 1930 gewaltsam wieder in das Sowjetrussische Reich einbezogen worden war, gemeinsam mit seinem Nachbarland Litauen. Die Abneigungen gegen den Russischen Nachbarn im Osten entwickelten sich also  in der Nachkriegszeit weiter bis 1989.

Abb. 36: 97ffa4b89dd0802c969d68d3bb4b6737v1_max_755x566_b3535db83 . (picture-alliance/ dpa).

Als die Auflösung der Sowjetunion (UdSSR) begann, bildeten die drei baltischen Republiken Lettland, Litauen und Estland am 23. August 1989 – eine Menschenkette: Um genau 19:00 Uhr und für genau fünfzehn Minuten verband eine 600 Kilometer lange Menschenkette die Hauptstädte der drei baltischen Republiken Riga, Tallinn und Vilnius. Der deutsche Außenminister Genscher am 27. August 1991: Zwei Jahre nach der großen Menschenkette zwischen Vilnius, Riga und Tallinn haben Estland, Lettland und Litauen ihre staatliche Unabhängigkeit zurückgewonnen. (Zitate und Bild bei Wikipedia)

 

 

Anmerkungen   [ + ]

1. Paläontologen sind Forscher, die alles Leben der Alten Geschichte untersuchen („Urzeit-Forscher“, denen wir die Bilder unserer Steinzeit verdanken
2. v. u. Z.:  eine Abkürzung für vor unserer Zeitrechnung„, die ich bei Wiktionary gefunden habe – mit folgender Begründung: „diese Abkürzung wurde als Synonym zu v.Chr. geschaffen, da die Bezeichnung vor Christus religiös nicht neutral sei“. – Ich habe die Abkürzung noch nicht benutzt, und ich werde sie auch nicht benutzen, seit heute aus vier Gründen: 1., weil das bisher allgemein übliche Kürzel v.Chr. bzw. n.Chr. mir sachlich mehr Informationen liefert; 2., weil ich nicht weiß, wer oder was hinter Wiktionary steckt – im Gegensatz zu dem allgemein üblichen Kürzel (vgl. Post 1, Anmerkung 1!). – Der wichtigste Grund aber ist, dass die Kultur unserer Welt dem Christentum so unglaublich viel zu verdanken hat: Dafür bezeuge ich uns allen der Christenheit und dem christliche Glauben den Respekt, der auch jedem anderen Autor gezollt wird. – Außerhalb dieser unnützen Argumentation und außerhalb meines Bekenntnisses zum Christlichen Glauben fühle ich mich in meiner Ablehnung bestärkt angesichts der Akzeptanz des üblichen Kürzels durch alle mir bekannten, internationalen, wissenschaftlichen und theologischen Institutionen. „Religiös“ wäre m.E. die allgemein übliche Abkürzung, wenn sie für „vor Christi Geburt“ stehen würde. Mit „unsere Zeitrechnung“ verbinden die meisten Lesenden wahrscheinlich genau so viel (oder wenig) wie mit „vor Christus“
3. Das Baltikum ist die politische Bezeichnung der Geografie der Baltischen Staaten. Die sind schon seit dem Mittelalter mit den Deutschen verbunden, denn ihre Hafenstädte liegen alle an der Ostsee und damit im Netz der Deutschen Hanse (vgl.: Post 11, nach der Alemannischen Sprache / NR. 31). Durch diese für alle Seiten gut nachbarliche Beziehung hatten die Baltischen Staaten sich nach der Oktoberrevolution von Russland gelöst, insbesondere Estland, das 1918 vom Völkerbund für unabhängig erklärt worden war. Aber 1930 waren alle baltischen Staaten wieder gewaltsam in das Sowjetrussische Reich einbezogen worden. Die Abneigungen gegen den Russischen Nachbarn im Osten entwickelten sich also nach dem 2. Weltkrieg zunehmend und führten schließlich 1989 zu deren endgültiger Unabhängigkeit.

Abb. 36: 97ffa4b89dd0802c969d68d3bb4b6737v1_max_755x566_b3535db83 . (picture-alliance/ dpa).

Als die Auflösung der Sowjetunion (UdSSR) begann, bildeten die drei baltischen Republiken Lettland, Litauen und Estland am 23. August 1989 – eine Menschenkette: Um genau 19:00 Uhr und für genau fünfzehn Minuten verband eine 600 Kilometer lange Menschenkette die Hauptstädte der drei baltischen Republiken Riga, Tallinn und Vilnius. Der deutsche Außenminister Genscher am 27. August 1991: Zwei Jahre nach der großen Menschenkette zwischen Vilnius, Riga und Tallinn haben Estland, Lettland und Litauen ihre staatliche Unabhängigkeit zurückgewonnen. [Zitate und Bild bei Wikipedia]